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Umstrukturierung
Großmarkt-Händler kritisieren die Stadt

Umstrukturierung: Großmarkt-Händler kritisieren die Stadt
Händler Konrad Köster hat vor kurzem erst rund 800.000 Euro in seine Halle investiert und befürchtet, dass er ausziehen muss. FOTO: andreas Bretz
Düsseldorf. Konrad Koester ist wie viele andere vor Ort schockiert, wie die Stadt das Areal umstrukturieren will. Von Semiha Ünlü

Bei Konrad Koester sitzt der Schock besonders tief. Nur wenige Monate nach seinem Einzug in die Halle 8 hat der Fruchtgroßhändler von den Ideen der Stadt für eine Umstrukturierung des Großmarkts mit seinen 170 Händlern und Erzeugern erfahren. "Warum hat mir die Stadt den Platz zugewiesen, wenn er nicht Teil des neuen Konzepts sein soll? Ich habe schon 800.000 Euro in die Lager- und Büroräume investiert", bemängelt Koester, der 27 Mitarbeiter hat. Dass modernisierte Hallen auf dem Areal an der Ulmenstraße 275 nicht in das neue Konzept einbezogen werden sollen, kann er nicht nachvollziehen: "Wenn wir Händler zum Beispiel in einer noch zu gründenden GmbH die ganzen Änderungen selber schultern sollen, wäre es doch nur sinnvoll, diese Hallen zu berücksichtigen."

Die Stadt ist die Eigentümerin der Liegenschaft und will den Markt neu strukturieren, um ihn zukunftsfähig zu machen. Vor kurzem hat sie den Händlern die ersten Ergebnisse einer Marktanalyse und eines Wettbewerbsvergleichs vorgestellt und auch Ideen, wie der Düsseldorfer Umschlagplatz aussehen könnte. "Das Angebot soll feiner und wertiger im Angebot werden, was wir befürworten", sagt Peter René Hecker, Geschäftsführer des Blumengroßmarkts vor Ort und Vorstandsvorsitzender der Großmarktgilde. Viele Händler und Kunden würden es begrüßen, wenn neben Obst, Gemüse und Blumen zum Beispiel Molkereiprodukte, Fisch- und Fleischwaren, Getränke und Bio-Produkte angeboten werden würden. Dass die Pläne aber auch das Schrumpfen des Umschlagplatzes vorsehen, sieht Hecker mit Sorge.

Denn Händler wie Konrad Koester hätten viel Geld in die Hand genommen, um die von der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigte Liegenschaft zu modernisieren oder die Flächen zu vergrößern. Der Blumengroßmarkt sei zum Beispiel aus eigenen Mitteln um rund 13.000 Quadratmeter Fläche erweitert worden. "Was soll dann aus diesen Hallen und den bereits getätigten Investitionen werden?", fragt sich Hecker. Die Stadt müsste an den Umstrukturierungen mitwirken, zumal sie die Liegenschaft eklatant vernachlässigt habe. "Wir hatten vor drei Jahren mal einen Brand, und die ganze Hydrantenanlage funktionierte nicht", sagt Hecker.

"Die Stadt geht völlig falsch vor", meint ein langjähriger Pächter, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Um zu überlegen, wie der Großmarkt der Zukunft aussehen könnte, müsse erst einmal geklärt werden, ob der Nachbar - das Daimler-Werk - noch Flächen des Markts braucht: "Erst wenn die Stadt das geklärt hat, kann man über Größe und Struktur des Markts sprechen." Dass man vor Ort anscheinend weiterhin kein Geld in die Hand nehmen will, sei ein "fatales Signal", meint der Pächter: "Am Großmarkt mit einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro hängen etwa 1100 Arbeitsplätze, und viele Leute arbeiten hier seit Jahrzehnten und fühlen sich in ihrer Annahme bestätigt, dass die Stadt kein ehrliches Interesse an ihnen und dem Markt hat."

"Die Stadt sollte mit uns nicht so umgehen", findet Konrad Koester. Erst 2015 hatte die Stadt ihn aufgefordert, nach mehr als 25 Jahren seine Standflächen in Halle 14 zu räumen, da diese abgerissen und das Areal dem benachbarten Daimler-Werk bereit gestellt werden sollte. Erst nach der Klage beim Verwaltungsgericht habe man sich bereiterklärt, Koester eine Entschädigung in Höhe von 273.000 Euro zu zahlen: "Dabei hatte ich in die Lager- und Kühlräume und in einen Hallenanbau mehr als 850.000 Euro investiert." Er befürchtet, dass das wieder passieren könnte. "Ich stehe immer noch unter Schock."

Die Stadt will diesen Fall auf Anfrage nicht kommentieren. Zu den Ideen für den Großmarkt will sie sich auch nicht äußern, da diese noch in der Entwicklung seien.

Quelle: RP
 
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