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Lorenz Gräf
Gründerzentrum belebt die Ideenfindung

Lorenz Gräf: Gründerzentrum belebt die Ideenfindung
Lorenz Gräf: "Goldgräberstimmung trifft es gut. Aber: Wir suchen nicht das goldene Einhorn, sondern den Hidden Champion. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Der Gründer des Startplatz, eines Zentrums für Start-ups, spricht über das Internet der Dinge und die Goldgräberstimmung der Gründer.

Herr Gräf, Sie sind mit dem Startplatz als Ort für Gründer erst in Köln und dann in Düsseldorf gestartet. Woher kam die Idee?

Gräf Ich war selbst Start-up-Unternehmer und habe eine Firma für digitale Umfragen gegründet, die ich inzwischen verkauft habe. Von den Erlösen schiebe ich den Startplatz an. Doch als Start-up-Unternehmer habe ich mich selbst oft als Einzelkämpfer gefühlt. Es gab keinen Austausch mit anderen. Dann war ich 2006 im Silicon Valley. Und dort habe ich genau das Netzwerk gesehen, das mir gefehlt hat. Dort ist die Grundidee für den Startplatz geboren mit der Vision, hier in NRW einen Ort des Austauschs unter Startups, Unternehmen, Wissenschaft und weiteren Akteuren zu schaffen.

Liest man Zeitungen oder hört die Reden von Oberbürgermeister Thomas Geisel, dann hört man kaum etwas häufiger als Start-up. Modewort oder Goldgräberstimmung?

Gräf Ja, Goldgräberstimmung trifft es gut. Bei allem müssen wir uns aber vor Augen halten: Wir suchen nicht das goldene Einhorn, sondern den Hidden Champion. SAP war doch auch eher langweilig im Vergleich zu Firmen wie Facebook.

Sie betreiben unter gleichem Namen einen Startplatz in Köln und in Düsseldorf. Was sind nach Ihren Erfahrungen die Unterschiede?

Gräf Im Grunde sind es die selben Rheinländer, offen, zupackend und kontaktfreudig. Mir gefällt, wie in Düsseldorf die Politik das Thema angeht: organisiert, strukturiert und koordiniert.

Netzwerk hört sich nett an, aber werden nicht Menschen in ein Büro gebracht, die Konkurrenten sind?

Gräf Wichtig ist eine offene Kommunikation. Und wirkliche Konkurrenten, also mit den exakt gleichen Kunden und Geschäftsideen, gibt es ja in der Realität selten, das sind hier keine Wettbewerber. Der Austausch belebt die Ideenfindung und das Geschäft der Start-ups im Startplatz untereinander, das ist spürbar und enorm wichtig. Unsere Experten reden über das gerne, was sie gut können, und helfen sich so bei der Problemlösung. Geheimniskrämerei ist das Schlechteste, was man machen kann. Wenn man nicht offen über seine Geschäftsidee reden kann, ist sie nicht gut genug. Hier hilft der Suchmaschinen-Optimierer dem Experten für 3D-Druck und umgekehrt. So funktioniert das.

Was sind die Schwerpunkte ?

Gräf Es ist noch etwas zu früh in Düsseldorf nach gut sechs Monaten, von echten Schwerpunkten zu sprechen. Geplant ist ein Fokus auf Einzelhandel, das Thema Smart City und das Internet der Dinge. Ein Schwerpunkt-Thema ist zudem die Digitale Transformation. Mit unserer Akademie möchten wir vor allem mittelständische und etablierte Unternehmen mit den bewährten Methoden aus der Start-up-Szene unterstützen, den digitalen Wandel zu meistern.

Internet der Dinge?

Gräf Das ist die Verknüpfung von technischen Geräten mit dem Internet. Kleine Chips machen es möglich, etwa die Heizung per Smartphone einzustellen oder solche Chips in Kleidung oder sonst was einzubauen. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Ein Vorzeigeprojekt ist sicher der Roboter "Bob" von Robert Jänisch hier im Düsseldorfer Startplatz. Der hat später mal zig Sensoren und sieht einem Menschen gar nicht unähnlich, fast schon sympathisch. Und seine Kunststoffteile werden hier vor Ort auf 3D-Druckern hergestellt.

Ideen okay, aber wie finanzieren Ihre Start-ups die ersten Schritte?

Gräf Einen ersten Schritt machen die Stipendien, etwa das der Düsseldorfer Stadtwerke als Pate. Die Start-ups erhalten das Geld nicht direkt, sondern für einen gewissen Zeitraum die Möglichkeit kostenlos hier im Startplatz zu arbeiten und von allen weiteren Vorteilen wie beispielsweise Infrastruktur, Beratung, Coaching, Weiterbildung und wichtigen Kontakten zu profitieren.

Was kostet ein Büro im Startplatz ?

Gräf Es geht zunächst nicht um ein festes Büro, sondern um die Möglichkeit, hier zu arbeiten, Räume zu nutzen und so weiter. Jeder Platz kostet grundsätzlich 300 Euro im Monat. Bei den Start-ups ohne finanzielle Unterstützung fangen wir bei 100 Euro im Monat an oder im Falle des Stipendiums kostenlos.

Warum sollte man als Start-up ins teure Düsseldorf gehen? Berlin ist die angesagte Start-up-Metropole . . .

Gräf In Berlin ist man einer von vielen, im Rheinland ist man wer. In Berlin sind mittelständische Unternehmen weniger verwurzelt als hier im Rheinland. Hier ist es leichter als Start-up, mit Mittelständlern in Kontakt zu kommen. Und es gibt hier viele etablierte Großkonzerne. Denn jedes Start-up braucht Kunden und eine Finanzierung. Die ist in Düsseldorf viel näher als in Berlin.

Wer sind die Partner des Startplatz?

Gräf Neben der Wirtschaftsförderung etwa die Stadtwerke und die Deutsche Bank, die die Start-ups direkt berät. Auch gibt es Hilfe von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Die Gründer bekommen eine Beratung, die sie sich in dieser frühen Phase so nicht selbst leisten könnten, zum Beispiel zur Lösung der Frage, welche Rechtsform die richtige ist. Denn dabei werden am Anfang oft Fehler gemacht, die später, bei einem möglichen Exit, kaum noch oder zu einem hohen Preis behoben werden können.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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