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Paula Elsholz und Andre Moser
"Grüne Politik online und offline machen"

Grüne Düsseldorf:
André Moser und Paula Elsholz nach ihrer Wahl als Grünen-Parteivorsitzende beim Interview im Café "Miss Moneypenny". FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Seit Samstag führen die 28-jährige Wissenschaftlerin und Ratsfrau sowie der 32-jährige Bildungsmanager die Grünen an. Sie wollen die Internet-Präsenz ausbauen und die Partei fit für die nächsten Wahlkämpfe 2017 machen. Von Denisa Richters

Nach acht Jahren werden die etwa 470 Grünen in Düsseldorf von einem neuen Duo geführt: Bei der Versammlung im Bilker Bürgersaal haben am Samstag rund 90 Mitglieder Paula Elsholz (28) und André Moser (32) zu ihren Kreisvorsitzenden gewählt. Sie hatten keine Gegenkandidaten und lösen Landeschefin Mona Neubaur und Olaf Bursian ab. Elsholz erhielt 81,2 Prozent der Stimmen, Moser 87 Prozent.

Bei einem so wichtigen Kreisverband waren Sie die einzigen Kandidaten für den Vorsitz. Wo ist die basisdemokratische Streitkultur der Grünen?

André Moser Die gibt's immer noch, ich würde aber nicht sagen, dass die von der Zahl der Kandidaten abhängt. Wir haben uns beworben, für andere gab es ebenfalls diese Möglichkeit. Dass es keine Gegenkandidaturen gab, sehe ich als Vertrauensvorschuss für uns.

Oder gilt das Amt als unattraktiv?

Paula Elsholz Das Amt ist extrem attraktiv, sonst hätten wir uns nicht darum beworben. Es ist aber sehr arbeitsintensiv.

Sie sind beide berufstätig, Herr Moser, Sie haben auch Familie - ist das nicht schwer vereinbar?

Elsholz Die Strukturen in der ehrenamtlichen Kommunalpolitik sollten grundsätzlich auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf untersucht werden. Vielen Interessierten ist eine Beteiligung allein aufgrund von beispielsweise Vormittagsterminen nicht möglich.

Moser Ehrenamt, Familie, Beruf - ist für alle schwer zu vereinbaren.

Sie treten in große Fußstapfen: Mona Neubaur führte den Kreisverband fast acht Jahre erfolgreich. Was haben Sie von ihr gelernt?

Elsholz Wie wichtig Vernetzung ist. Das möchten wir aufrechterhalten. Der Austausch mit allen gesellschaftlichen Akteuren ist wichtig. Wir wollen uns nicht nur in den Grünen-Kreisen bewegen.

Moser Ich habe bei der Böll-Stiftung fünf Jahre mit Mona Neubaur gearbeitet. Sie hat eine bewundernswerte Ruhe und macht stets klar, dass Ehrenamt allgemein und Politik im Besonderen stets Teamarbeit ist.

Welche anderen Akzente wollen Sie als Neue setzen?

Moser Anders ist vor allem die Ausgangslage. Denn die Grünen sind jetzt nicht mehr in der Opposition, sondern regieren nach 15 Jahren Schwarz-Gelb im Rathaus in der Ampel mit SPD und FDP. Außerdem haben wir zwei Jahre lang keine Wahlen. Darauf müssen wir als Vorstand reagieren.

Inwiefern?

Moser Wir müssen Diskussionsräume schaffen, um auszuarbeiten, was wir in der nächsten Ratsperiode nach 2020 vorhaben und wo wir Schwerpunkte setzen wollen. Die Zeit ist da, wir sollten sie nutzen.

Elsholz Mit der Regierungsverantwortung müssen wir unsere Strategie ändern. Es geht nicht mehr darum, zu zeigen, was nicht gut läuft, sondern was wir gut machen und gleichzeitig die Bürger dieser Stadt fragen, wo Nachholbedarf ist.

Was wollen Sie denn gut machen?

Elsholz Wohnen muss für jeden bezahlbar sein, die Umweltpolitik muss sich ändern, die Bedingungen für Radverkehr, Busse und Bahnen, aber natürlich auch für die Fußgänger müssen verbessert werden, Stichwort Barrierefreiheit. Im Kooperationsvertrag der Ampel sind schon viele dieser Ziele formuliert, nun müssen wir sie umsetzen.

Aber Sie regieren nicht allein. Wird das eine Herausforderung?

Moser Natürlich, aber ohne das wäre es doch langweilig. Ich bin da eher Optimist. Politik ist für mich, dass man sich der Realität stellt und einen gute Kompromiss findet.

Welche Rolle werden in Ihrer Parteiarbeit und in Ihren Wahlkämpfen Internet und Soziale Netzwerken spielen? Planen Sie Grüne 3.0?

Moser Das wollen wir weiter ausbauen. Eine große Herausforderung dabei ist, das persönliche Engagement der einzelnen Grünen-Akteure mit dem Gesamtengagement der Partei zu verschränken. Das Wichtigste ist, die Parteibasis und die Menschen draußen mit unserer Botschaft zu erreichen. Dafür ist ein transparentes Kommunikationsinstrument nötig.

Elsholz Die Themen müssen stimmen, und die Menschen, die sich für uns interessieren, müssen uns finden. Interaktion im Netz ist wichtig.

Welche Formate stellen Sie sich vor?

Elsholz Denkbar sind Blogs oder Pinnwände, auf denen sich Mitglieder, Stadtteilgruppen oder Initiativen beteiligen können. Es geht ja nicht um zehn Posts am Tag. Aber ein paar in der Woche wären gut.

Moser Angesichts der rasanten Entwicklung bin ich mir nicht sicher, dass das, was wir heute für gut befinden, in zwei Jahren noch Gültigkeit hat. Nötig ist auch die Verschränkung von online und offline. Also einerseits die digitale, andererseits die klassische Kommunikation. Das persönliche Gespräch wird es in der Politik im Jahr 2017 genauso geben wie im Jahr 2077. Davon bin ich überzeugt.

Die Zahl der Mitglieder ist in den vergangenen Jahren bei den Düsseldorfer Grünen zwar gestiegen. Aber 470 Mitglieder bei 31 500 Wählern - da ist noch Potenzial, oder?

Moser Das ist ein allgemeines Phänomen, nicht spezifisch für die Grünen. Auch Fortuna hat mehr Zuschauer als Mitglieder. Wichtig ist, dass wir die Menschen erreichen und in den Diskussionsprozess einbinden. Aus Initiativen werden Mitglieder, wenn sie merken, dass sie bei uns Ziele verwirklichen können.

Elsholz In der Tat sind das Fragen, die wir uns stellen müssen. Wir müssen klarmachen, dass es am besten über die Mitgliedschaft geht, Themen einzubringen. Wir haben aber auch andere Möglichkeiten.

Welche?

Moser Bei Sitzungen der Stadtteilgruppen und der Ratsfraktion, bei Arbeitsgruppen und in Teilen bei Vorstandstreffen dürfen alle kommen, die sich dafür interessieren, sie haben auch Rederecht - ohne Mitglied sein zu müssen. Das gibt es bei anderen so nicht. Das ist unsere Willkommenskultur.

Die Grünen sind sehr aktiv bei den Demos gegen die wöchentlichen Aufmärsche der rechtspopulistischen "Dügida". Fragen Sie sich manchmal, ob Sie die durch Ihren Protest am Leben halten?

Moser Das glaube ich nicht. Es ist bestätigt, dass bei "Dügida" ein harter Kern aus Neonazis aus Dortmund mitmarschiert. Diese Hetzer werden immer kommen und würden es als Erfolg verbuchen, wenn niemand mehr dagegen auf die Straße ginge. Da hilft nur der Protest der Masse. So hoch das Gut der Demonstrations- und Meinungsfreiheit ist: Wenn der Hitlergruß gezeigt, das Horst-Wessel-Lied gesungen wird, ist eine Grenze erreicht.

Elsholz Ich habe mich das auch gefragt, ob ich "Dügida" durch mein Gegendemonstrieren befördere und die Antwort auf meinem Facebook-Account öffentlich gemacht. Ich verstehe alle, die sich anders entscheiden, aber ich möchte nicht, dass Neonazis durch meine Stadt marschieren ohne zivilgesellschaftlichen Gegenprotest.

DENISA RICHTERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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