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Kolumne Auf Ein Wort
"Gutmenschen" gesucht!"

Kolumne Auf Ein Wort: "Gutmenschen" gesucht!"
Pater Johannes M. Schäffler gehört dem Dominikaner-Orden an, dessen Klosterkirche St. Andreas in der Altstadt ist. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Jedes Jahr wird es neu gekürt: das Unwort des Jahres. 2015 fiel die Wahl auf "Gutmensch". Im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik erreichte dieses Wort eine fragwürdige Prominenz besonders in rechtspopulistischen Kreisen, aber auch weit darüber hinaus.

Gerade diejenigen wurden als "Gutmenschen" abgetan, die sich freiwillig und ehrenamtlich für die ankommenden Flüchtlinge einsetzten. Die Sprachwissenschaftler kritisierten mit ihrer Wahl, dass Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal "als naiv, dumm und weltfremd" diffamiert würden.

Was sich hier an der Flüchtlingsfrage pointiert zuspitzt, gilt im Grunde für alle Bereiche des Zusammenlebens in einer Gesellschaft: von der Familie über die Nachbarschaft bis zum Freundeskreis und dem Sportverein, auf der Straße, in der U-Bahn, auf dem Schulhof, am Arbeitsplatz. Die einfache Frage ist überall die gleiche: Wie gehen wir miteinander um?

Wenn ich nach einer Antwort suche, dann kommen mir die "Gutmenschen" wieder in den Sinn. Denn ich bin froh, dass es sie gibt - im Kleinen wie im Großen: gute Menschen, die aufmerksam sind für die Gebrechen der Älteren, die eine Tür aufhalten und einen Platz anbieten. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die im Alltag mutig eingreifen, wenn andere ungerecht behandelt werden. Es tut gut, Hilfe angeboten zu bekommen, auch wenn ich mein Gegenüber gar nicht kenne. Als nach dem schrecklichen Amoklauf in München am 22. Juli die Menschen verängstigt durch die Straßen liefen, boten zahlreiche Bürger in den sozialen Netzwerken ihre Hilfe an. Unter dem Hashtag #offenetür stellten sie wildfremden Menschen Räume und Wohnungen als sichere Zufluchtsorte zur Verfügung. War diese Welle der Hilfsbereitschaft auch "naiv, dumm und weltfremd"?

Wir brauchen genau diese "Gutmenschen", die die Not der Anderen sehen und nicht lange zögern, wenn ihre Hilfe gebraucht wird. Denn sie sind es, die uns nicht nur nebeneinander existieren lassen, sondern unsere Gesellschaft zusammenhalten und unser Leben menschlich gestalten.

PATER JOHANNES M. SCHÄFFLER OP

Quelle: RP
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