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Kinderbauernhof in Düsseldorf
Eltern hoffen auf Zukunft für den Gutshof

Gutshof Niederheid: Eltern hoffen auf Zukunft
Mehr als 80 Menschen kamen zur Mobilen Redaktion, darunter auch Pächterin Christina Tschorn (r., mit RP-Redakteurin Andrea Röhrig). FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Mehr als 80 Menschen kamen zur Mobilen Redaktion der RP auf dem Gutshof Niederheid. Viele äußerten ihr Lob für das Angebot von Kinderbauernhof und Reitschule. Den meisten Applaus gab es für die Meinung einer jungen Reiterin. Von Arne Lieb und Andrea Röhrig

Die Verkaufspläne für den Gutshof Niederheid sorgen weiter für Protest. Die Zahl der Unterzeichner einer Petition für den Erhalt des Kinderbauernhofs und der Reitschule ist inzwischen auf mehr als 1.600 gestiegen. Und auch zur Mobilen Redaktion der Rheinischen Post im Innenhof des Gestüts gab es viel Zulauf: Mehr als 80 Menschen kamen, um mehr über die Diskussion zu erfahren und ihre Meinung zu sagen, darunter viele Jugendliche, die auf dem Hof reiten und etliche Eltern von Kindern mit und ohne Behinderung, die die Angebote von Reitunterricht bis zu Feriencamps nutzen.

Sie hoffen darauf, dass der Hof doch noch eine Zukunft hat. "Der Standort ist ideal, weil er so gut zu erreichen ist", sagt etwa Melanie Scholz. Jörg Nowak glaubt, dass die Stadt es versäumt hat, rechtzeitig aktiv zu werden - das war häufiger zu hören. "Ich habe den Eindruck, dass mit Sanierungen häufig so lange gewartet wird, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist", meint er. Gisela Aretz betonte den Wert des historischen Gestüts für den Bezirk. "Im Süden gibt es sonst nur noch wenig Altes."

Reitprojekt will in Niederheid bleiben

Viel Zuspruch gab es für das Angebot, das Pächterin Christina Tschorn bietet. Geradezu ein Loblied auf den Hof und die Betreiberin sang der stellvertretende Leiter der Mosaik-Förderschule, Jürgen Paust-Nondorf. Seine Schule hat in Kooperation mit einer Grundschule seit fünf Jahren ein Projekt auf dem Hof laufen: Die Kinder beider Schulen lernen gemeinsam Reiten und dabei die Scheu voreinander abzubauen. "Dieser Standort hier ist so wichtig für die Nachbarschaft. Die Kinder, die hierherkommen, werden durch den Umgang mit den Tieren selbstbewusst. Die Einrichtung hier ist einzigartig." Christina Tschorn selbst betonte, dass sie gern bereit wäre, mit der Stadt über Ideen für die Zukunft zu reden. Sie kann sich nicht vorstellen, dass ein Investor mit dem Kinderbauernhof viel Geld verdienen könnte. "Im Winter müssen wir sogar Geld zuschießen."

Die Stadtverwaltung stellte sich den Fragen. Sprecherin Kerstin Jäckel-Engstfeld und Barbara Thewes, Referentin im Baudezernat, berichteten vom schlechten Zustand der Anlage, der ein Handeln erforderlich mache. Die Liste der Mängel sei lang, von Schimmel bis zu Statikproblemen. Die Kosten für eine Sanierung schätze man auf 4,5 Millionen Euro. "Da müssen wir alle Optionen prüfen." Dazu gehörten auch Förderprogramme für die Sanierung. Konkrete Überlegungen, wie ein Investor das Gestüt nutzen könnte, gebe es noch nicht. Bis zum Sommer werde das Angebot sicher wie bisher laufen. Eine gute Nachricht konnte Thewes verkünden: Eine Dachsanierung der Reithalle, für die die Bezirksvertretung 9 Geld bewilligt hat, soll 2016 erfolgen.

Reaktionen zu den Verkaufsplänen von Gut Niederheid

Auch viele Politiker waren gekommen. Ursula Holtmann-Schnieder (SPD) bat um Verständnis, dass man angesichts großen Sanierungsbedarfs auch bei Kulturbauten und Bädern über eine Lösung nachdenken müsse. Jahrelang sei in die städtischen Gebäude zu wenig investiert worden. "Ich möchte aber, dass der Hof und sein Angebot bleiben." Dirk Angerhausen (CDU) kündigte an, seine Fraktion werde das Thema in der Bezirksvertretung 9 ansprechen. Ernst Welski (Grüne) sieht die Stadtspitze gefordert. "Hier könnte Oberbürgermeister Geisel sein Versprechen einlösen, dass er in die Stadtteile investieren will."

Den meisten Applaus erhielt Rosalie Steuten. Die 14-Jährige reitet seit Jahren in Niederheid. Ihre Meinung: "Statt elf Millionen Euro in die Tour de France zu investieren, sollte die Stadt lieber 4,5 Millionen Euro in den Gutshof stecken. Das bringt viel mehr Leuten etwas."

Quelle: RP
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