| 00.00 Uhr

Serie Die Düsseldorfer Schullandschaft
Gymnasien: Die Uni immer fest im Blick

Serie Die Düsseldorfer Schullandschaft: Gymnasien: Die Uni immer fest im Blick
Kümmern sich am Görres-Gymnasium um Turmbücherei mit ihren zahlreichen Buch-Schätzen (v. l.): Nicolas von Bernstorff (18),Elisa Oeffner (15),Paul Wülfing (16) und Lukas Wittig (14). FOTO: David Young
Düsseldorf. Das Gymnasium ist der gefragteste Schultyp: Knapp die Hälfte aller Grundschüler wechselt nach Klasse 4 dorthin. Oft gibt es mehr Bewerber als Plätze. Die Politik will neue Kapazitäten schaffen und baut diese Schulform aus. Von Jörg Janssen

Für viele Eltern und Schüler gerät die jährliche Anmeldung am Wunschgymnasium zur Zitterpartie. In einigen Fällen übersteigt die Nachfrage das Angebot. Wer Pech hat, muss in die "Umberatung". Im Klartext: Er muss eine andere Schule wählen. "Jeder, der geeignet ist und möchte, kommt in Düsseldorf aufs Gymnasium, nur nicht immer an seinem Wunschstandort", sagt Schuldezernent Burkhard Hintzsche. Die wichtigsten Daten und Fakten im Überblick.

Konzept Wichtigstes Ziel und damit Kernkompetenz dieser Schulform ist, auf ein wissenschaftliches Hochschulstudium vorzubereiten. Das geschieht heutzutage in aller Regel in nur noch acht Jahren (G 8). "Wir haben die Universität im Blick und sind in der Tradition der höheren Bildung fest verwurzelt", sagt Antonietta Zeoli, kommissarische Leiterin des Görres-Gymnasiums an der Kö. Die Geschichte des humanistisch geprägten Gymnasiums reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. "Natürlich sind wir stolz auf diesen Ursprung, aber wir ruhen uns weder darauf aus noch empfinden wir das als schwere Bürde", meint die Lehrerin. Am deutlichsten erkennbar sind die Wurzeln des Görres-Gymnasiums bei den alten Sprachen. Die Schüler starten mit Latein in Klasse 5. Manche schreckt das ab. Wohl auch aus diesem Grund landet die Schule an der Königsallee mit 70, 80 oder 90 Anmeldungen häufig auf den letzten Plätzen des alljährlichen "Rankings". Zum Vergleich: Rund 240 Kinder wollten 2015 aufs Humboldt-Gymnasium (etwa 150 Plätze gab es).

Seit Jahren unterliegt die begehrte Schulform einem Wandel. Die Gymnasien hätten einen Paradigmenwechsel erlebt, meint Claudia Haupt, Leiterin des erzbischöflichen Suitbertus-Gymnasiums in Kaiserswerth. "Früher gingen Pädagogen häufig davon aus, dass vor allem perfekte Lernbegabungen kommen. Heute gibt man den Kindern mehr Raum. Sie sollen erst einmal dazu lernen und Schritt für Schritt an ihren Aufgaben wachsen", sagt die Lehrerin. Den Eltern rät sie, sich an die meist treffsicheren Empfehlungen der Grundschullehrer zu halten. "Niemand sollte die Angst haben, sein Kind habe bereits verloren, wenn es nicht gleich aufs Gymnasium kommt", rät Haupt.

Bestand Aktuell gibt es 17 städtische Gymnasien (mit Aufbau-Gymnasium). Hinzu kommt das in Gründung befindliche neue Gymnasium an der Schmiedestraße in Oberbilk (vormals Hauptschule). Daneben gibt es das katholische Suitbertus-Gymnasium in Kaiserswerth, das ebenfalls vom Erzbistum getragene St. Ursula-Gymnasium (Altstadt), das evangelisch geprägte Theodor-Fliedner-Gymnasium (Kaiserswerth), das den Freikirchen nahe stehende Freie Christliche Gymnasium (FCG) sowie ab August das Jüdische Gymnasium. Weitere Wege zum Abitur oder zu vergleichbaren Abschlüssen führen (neben den Gesamtschulen und Kollegs) über die internationalen Angebote. Der Bogen reicht vom Lycée français an der Graf-Recke-Straße über die International School in Kaiserswerth bis zum griechischen Lyzeum.

Prognosen Der Druck auf die mehr als 20 Gymnasien im Stadtgebiet ist groß. Neben der weiter steigenden Beliebtheit und der nicht mehr verbindlichen Grundschulempfehlung (am Ende entscheiden die Eltern selbst) spielen der Zuzug junger Familien in die Boom-Stadt Düsseldorf und die Flüchtlingsbewegung (eine Hand voll Gymnasien hat bereits Seiteneinsteigerklassen mit Migranten). Zurzeit besuchen rund 9200 Jungen und Mädchen die Sekundarstufe I eines Gymnasiums, sowie rund 5200 die Sekundarstufe II (Oberstufe), 2020/21 sollen es zirka 11.100 sowie 5800 sein.

Profile Die Gymnasien zeichnen sich durch sehr unterschiedliche eigene Schwerpunkte und Zusatzangebote aus. Der Bogen reicht hier von der Musik (z. B. am Humboldt-Gymnasium) über die Naturwissenschaften (z. B. am Max-Planck-Gymnasium) bis hin zu seltenen Sprachangeboten (z. B. Neugriechisch ab Klasse 6 am Leibniz-Montessori-Gymnasium). Einen genauen Überblick über Besonderheiten einschließlich Übermittag- und Ganztagskonzepten finden Interessierte in der aktuellen Broschüre der Stadt "Wohin nach der Grundschule? Wegweiser zu den allgemeinbildenden weiterführenden Schulen", die unter anderem im Rathaus erhältlich ist.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie Die Düsseldorfer Schullandschaft: Gymnasien: Die Uni immer fest im Blick


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.