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Parkhaus bliebt vorerst stehen
Hängepartie an der Ratinger Straße

Parkhaus bliebt vorerst stehen: Hängepartie an der Ratinger Straße
Am Eingang zur Altstadt dominiert die hässliche Fassade des Parkhauses die Ratinger Straße. FOTO: RP, Thomas Bußkamp
Düsseldorf. Die Altstadt muss noch länger auf ein neues Entrée warten. Weil sich die Planung für ein Bürogebäude anstelle des hässlichen Parkhauses weiter hinzieht, ist die schon vor eineinhalb Jahren als Mieter gefundene Werbeagentur Euro RSCG wieder abgesprungen. Von Matthias Roscher

Jetzt ist es definitiv: Das Parkhaus an der Ratinger Straße, auf der Liste mit der hässlichsten Architektur in Düsseldorf auf einem der vorderen Ränge, hat noch eine Galgenfrist. Nachdem sich die Werbeagentur Euro RSCG entschieden hat, am bisherigen Standort an der Kaiserswerther Straße zu bleiben, geht der Essener Projektentwickler Kölbl Kruse auf die Suche nach einem neuen Mieter für das mit rund 40 Millionen Euro veranschlagte Neubauprojekt.

Dabei hätte alles so schön werden können: Nach einer jahrelangen, von viel kommunalpolitischem Streit begleiteten Hängepartie wäre die Altstadt am Schnittpunkt Heinrich-Heine-Allee/Ratinger Straße/Maximilian-Weyhe-Allee endlich zu einem angemessenen Entrée gekommen. Dieses hätte nicht nur dem der Altstadt besonders verpflichteten Heimatverein Jonges gefallen, sondern auch die rund 200 Mitarbeiter von Euro RSCG entzückt.

Deren Chef Andreas Geyr hatte das von Kölbl Kruse erworbene Eckgrundstück noch vor gut einem Jahr auf Platz eins unter 50 Alternativen gesetzt. "Werbung ist etwas, das mitten im Leben passiert. Wir sind vom Ratinger Tor aus direkt an der Kö, an der Tonhalle, in der Altstadt und am Rhein", begründete Geyr die Standortwahl.

Zu dieser Einschätzung stehen die Werber auch heute noch, aber weil der Projektentwickler den angepeilten Einzugstermin November 2009 nicht halten kann , mussten sie ihre Umzugspläne ad acta legen.

Ein Umzug einer 200 Mitarbeiter großen Agentur mit komplizierter Informationstechnik muss von langer Hand und mit festen Terminen geplant werden. "Damit hätten wir jetzt beginnen müssen, aber das war mir dann doch zu heikel, 2009 hat jeder andere Probleme."

Euro RSCG arbeitet unter anderem für Peugeot, Citroen, Toshiba, König Pilsener und Reckitt Benckiser (Calgon, Kukident, Clearasil)und fühlt sich am Standort Kaiserwerther Straße auch deshalb "nicht unwohl", weil es zu den bisherigen 5000 Quadratmetern Optionen für weitere 1500 Quadratmeter gibt. Unter solchen Umständen habe die Agentur ihre Umzugspläne aufgeben müssen, sagt Geyr.

Nach dem Rücktritt der Werber ist das Projekt Ratinger Straße für Kölbl Kruse dennoch nicht verloren. "Wenn ein Standort in Düsseldorf funktioniert, dann dieser", ist Geschäftsführer Michael Fink überzeugt. "Wir hätten das Grundstück mit dem Parkhaus sonst nicht gekauft."

Während die Essener vor dem Hintergrund, dass sie den Erbpachtvertrag mit dem Parkhausbetreiber jederzeit kurzfristig kündigen können, "jetzt in Ruhe" nach einem neuen Nutzer suchen, erhalten die Entwürfe für das geplante Bürohaus auf dem Reißbrett des Hamburger Architekturbüros Bothe Richter Teherani (BRT) ihren Feinschliff.

Klar ist: Das Bauvorhaben darf die Dimension der vorhanden Altstadtbebauung nicht sprengen. "Der Investor sollte nicht nur an das Baurecht, sondern auch an die Baukultur denken", hatte Jonges-Baas Gerd Welchering frühzeitig gewarnt.

Planungsdezernent Gregor Bonin erwartet eine "gute Architektur mit modernen Zeichen, jedoch keinen Glaskasten". Das Modell, das der Stadt zuletzt auf den Tisch kam, nennt Bonin einen "relativ weit gediehenen guten Entwurf". Noch nicht entschieden sei jedoch die Frage, wie und ob die bisherigen 270 Stellplätze des alten Parkhauses untergebracht werden können. Eventuell müsse man auf ein paar Plätze verzichten oder mit der Tiefgarage auch auf das Nachbargrundstück ausweichen.

Quelle: RP
 
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