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Düsseldorf
Halbe Million veruntreut - zwei Jahre Bewährung

Düsseldorf. Ein Bündel von Motiven zählte ein Bankmanager (54) gestern vorm Amtsgericht auf, als er dort wegen Untreue und Betruges von 530.000 Euro angeklagt war. Der Geldexperte gab zu, den enormen Betrag in nur fünf Jahren durch 46 Taten bei seinem Arbeitgeber abgezweigt zu haben. Das Gericht honorierte sein Geständnis und verhängte zwei Jahre Bewährungsstrafe. Fast 200.000 Euro des Schadens habe er zurückgezahlt.

Von der Bank fühlte er sich ungerecht behandelt, wie auch sonst in seinem Leben, sagte der Angeklagte. So sei er mit nicht mal zwei Jahren adoptiert worden, habe auf Drängen der Adoptivmutter gar den Vornamen wechseln müssen, "selbst das haben sie mir genommen". Seine leibliche Mutter habe nie gesagt, wer sein Vater war. Und als er selbst heiratete, Kinder bekam, "wollte ich als großer Geschäftsmann vor der Familie stehen". An der Börse habe er sich aber immer mehr verspekuliert. Als er dann noch Sicherheitslücken im Geldsystem seines Arbeitgebers ausgemacht habe, "habe ich mit einfachsten Mitteln wie Schere und Klebestift" erfundene Anweisungen gebastelt. In sechs Fällen zweigte er 84.000 Euro auf ein Fremdkonto ab - angeblich als Dank an den Kontoinhaber. Der habe dem Angeklagten nämlich bei einer Keilerei unter Fußball-Fans einst "das Leben gerettet".

Als dann das interne Banksystem geändert wurde, zweigte der Angeklagte in 40 weiteren Fällen wieder Geld ab, um Börsenverluste auszugleichen. "Es gab keine Hürden, kein Kontrollsystem, die Bank hat es mir leicht gemacht!" Das sah auch das Amtsgericht so: "Der Angeklagte hat die Schwachstellen aufgedeckt, nach seinem frühen Geständnis sogar die Ermittlungsarbeit übernommen - und die Bank hat ihm die Taten in einer für Laien nicht nachvollziehbaren Weise leicht gemacht." Dass der Angeklagte alle abgezweigten Gelder zurückzahlen muss, liege auf der Hand.

(wuk)
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