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Düsseldorf
Hallo Engel, bitte melden!

Düsseldorf: Hallo Engel, bitte melden!
Dorothea Gelker am Kirchplatz, wo ihr vor zwei Jahren eine unbekannte Frau nach einem Unfall geholfen hat. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die Düsseldorfer Künstlerin Dorothea Gelker hat einen schweren Verkehrsunfall überstanden. Jetzt möchte sie der Frau danken, die ihr geholfen hat. Von Ute Rasch

Engel, gibt's die? Für die Düsseldorfer Künstlerin Dorothea Gelker ist das keine Frage. Sie weiß auch genau, wie ein Engel aussieht: Er ist weiblich, hat blondes Haar und ein liebes Gesicht. An einem Schicksalstag ist sie einem begegnet, hat diesen Moment nie vergessen und würde ihn jetzt gern wieder treffen, ihren ganz persönlichen Engel.

Der 28. Oktober 2013 war ein trüber Herbsttag. Dorothea Gelker war eilig unterwegs, stieg am Kirchplatz in Friedrichstadt aus der Straßenbahn und wollte auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch schnell den Bus erwischen. "Ich sah schon den Bus kommen, bin losgerannt, vorbei an der Straßenbahn, die noch an der Haltestelle stand." In dem Moment sieht sie von links auf der Straße ein Auto heranfahren. "Und dann wie in Zeitlupe", wird ihr klar, dass sie weder stoppen noch beschleunigen kann. Sie zieht ihre Arme an den Körper, wie sie es beim Fallschirmspringen, ihrer langjährigen Leidenschaft, gelernt hat. "Alles ging ganz schnell, plötzlich stoppte mich irgendwas, dumpf und abrupt."

An das, was nach dem Aufprall geschah, sind nur Erinnerungsfetzen geblieben. "Ich liege am Boden auf der rechten Seite." Und dann ist da diese Frau mit langen blonden Haaren und "so einem lieben Blick". Die Frau hält ihren blutenden Kopf auf dem Schoß und weint. "Und ich frage mich, warum?" Gleichzeitig wird Dorothea Gelker klar, dass das Auto sie erwischt hat. "Überall war Blut. Meine linke Hand fühlte einen Baumstamm, ich dachte, das muss wohl mein Bein sein." Die blonde Frau bleibt die ganze Zeit bei ihr, redet ihr zu, sagt: "Alles wird wieder gut", so was in der Art. Dann kommt der Krankenwagen. Erinnerungslücken.

Noch am selben Tag wurde sie notoperiert. Die Liste ihrer Verletzungen war lang: Trümmerbruch des Oberschenkels, mehrere Rippen- und Beckenbrüche. Der Zeit im Krankenhaus folgte stationäre Reha, die wochenlang dauert. Auch danach kann sie nur mit Stützen gehen. Und immer wieder kehren die Bilder von diesem Tag im Oktober 2013 zurück - und die Bilder des blonden Engels.

"Ich habe lange gebraucht, aber jetzt weiß ich, dass ich diese Frau unbedingt wieder sehen möchte, um ihr persönlich zu danken. Denn irgendwie hat sie mit ihrer Zuwendung als erste mein Leben gerettet", sagt sie. Unvergesslich. Also hofft Dorothea Gelker, die so oft in ihrem künstlerischen Leben die Wolkenkratzer von New York gemalt hat: dass Engel Zeitung lesen. Und anschließend zum Telefon greifen, um diese Nummer zu wählen: 0211 3179707.

Quelle: RP
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