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Gegenentwurf zum Nazi-Denkmal
Hamburg hat schon ein "Gegendenkmal"

Gegenentwurf zum Nazi-Denkmal: Hamburg hat schon ein "Gegendenkmal"
Das "39er-Denkmal" auf dem Reeser Platz sorgt immer wieder für Debatten. Jetzt will die Politik es um ein neues Denkmal ergänzen. FOTO: Andreas ENdermann
Düsseldorf. Die Politik will einen Gegenentwurf zum Nazi-Denkmal in Golzheim schaffen. Damit setzt sich die Diskussion nach Jahrzehnten fort. Von Arne Lieb

Mit der Idee eines "Gegendenkmals" am Reeser Platz nimmt die Düsseldorfer Politik einen Gedanken aus den 1980er Jahren wieder auf. In Düsseldorf war damals ohne Ergebnis über ein solches Werk diskutiert worden, in Hamburg hingegen wurde die Idee verwirklicht. Dort schuf der Künstler Alfred Hrdlicka eine Antwort auf ein Kriegerdenkmal, das der Anlage auf dem Reeser Platz ähnelt und ebenfalls vom Bildhauer Richard Kuöhl entworfen wurde. Hrdlicka stellte dem kriegsverherrlichenden Werk zwei Skulpturen gegenüber, die an lokalen Ereignissen das Leid des Kriegs illustrieren. Eine zeigt den "Feuersturm" der Luftangriffe, die andere den Untergang eines Schiffes mit KZ-Häftlingen.

Eine solche künstlerische Auseinandersetzung wünschen sich die Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei aus der Bezirksvertretung 1 auch mit dem Golzheimer Soldatendenkmal. Sie haben einen Ideenwettbewerb beschlossen. Nun muss geklärt werden, wer alles mitreden darf. Das Kulturamt will eine Fachjury, den Beirat für Bildende Kunst, die Mahn- und Gedenkstätte sowie Heimat- und Geschichtsvereine einbeziehen.

Vorbild Hamburg: Der Künstler Alfred Hrdlicka schuf in den 1980er Jahren ein Gegendenkmal zum "76er-Denkmal" am Dammtor. FOTO: Wikipedia/Staro1/CC

Möglicherweise kommt auch die Kunstkommission zum Zug, die derzeit gegründet wird. Ein solches Gremium von Künstlern, das bei Entscheidungen zu Kunst im öffentlichen Raum mitwirkt, gibt es in Hamburg bereits seit Jahrzehnten. Der Beschluss in der Hansestadt, an dem unter anderem auch ein Vertreter der Bundeswehr beteiligt war, fiel damals aber nicht leicht - auch in Düsseldorf dürfte es längere Debatten geben. Ein Künstlerwettbewerb erbrachte in Hamburg zwar 107 Entwürfe. Die Jury fand aber keinen geeigneten. Die Kunstkommission beauftragte dann Hrdlicka.

Das Golzheimer Denkmal für die Gefallenen des preußischen Füsilier-Regiments 39 war im Jahr 1939 mit Paraden, Fahnenaufmärschen und NS-Prominenz eingeweiht worden. In der Mitte des 17,5 Meter breiten Blocks befindet sich eine vergitterte Gruft, die nach Westen und damit Frankreich zeigt. Zu den Seiten marschieren bewaffnete Soldaten aus - ob als tote Seelen zum Himmel oder auf dem Weg zu einem neuen Krieg, bleibt dem Betrachter überlassen. Unter der Dacheinfassung steht: "Für des deutschen Volkes Ehre und Freiheit".

Der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Bastian Fleermann, sieht eine "eindeutig revanchistische und militaristische Aussage". Das Werk zieht bis heute immer wieder Neonazis für Aufmärsche an. Das offizielle Gedenken an die Kriegstoten wurde 1958 auf den Nordfriedhof verlegt, die "Kameradschaft ehemaliger 39er" legt aber noch Kränze in der Gruft nieder.

Der Stadtrat wollte das Denkmal bereits 1946 abreißen. Inzwischen ist diese Diskussion vom Tisch: Die Anlage ist seit 2002 denkmalgeschützt. Das dürfte auch die Möglichkeiten eines "Gegendenkmals" stark beschneiden. Auch Vertreter der Denkmalbehörden sollen an dem Prozess beteiligt werden.

Quelle: RP
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