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Düsseldorf
Hammer können über sich selbst lachen

Düsseldorf: Hammer können über sich selbst lachen
Der traditionelle Fackelzug in Hamm ist anders. Dort fahren Trecker mit - beleuchtete Motivwagen, eine Mischung aus Karneval und St. Martin. Zahlreiche Besucher säumten auch diesmal wieder den Straßenrand, auch wenn sie nicht alle Anspiellungen verstanden haben. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Der Fackelzug beim Hammer Schützenfest ist ein Unikat. Auf Treckeranhängern fahren dort leuchtende und blinkende Figuren durch das Rheindorf, die Geschichten aus Hamm und über die Hammer erzählen. Ein Dorf feiert sich selbst. Von Thorsten Breitkopf

Düsseldorf ist auf dem Weg zur Metropole, keine Frage. Die Marke von 600 000 Einwohnern ist geknackt. Die Stadt ist international, hat den drittgrößten deutschen Airport und ist Hauptstadt des bevölkerungsreichsten und industriellsten Bundeslandes. Doch wer zum Schützenfest samt Fackelumzug in den Stadtteil Hamm kommt, der erlebt ein ganz, ganz anderes Düsseldorf. In Hamm ist definitiv das "Dorf" aus Düsseldorf zuhause.

Denn der Hammer Fackelzug ist einmalig, und er ist in keiner Weise provinziell. Denn die Hammer Schützen laufen nur in Teilen wie bei einem Martinszug mit selbst gebastelten Fackeln und Laternen durch ihr Dorf. Sie haben das Thema Fackeln in den vergangenen Jahrzehnten professionalisiert. Und die Hammer Fackeln sind unisono so groß, dass sie von Traktoren gezogen werden müssen. Ursprünglich zogen die Schützen mal mit herkömmlichen Fackeln durch ihr Kappes-Hamm. Doch sie haben massiv aufgerüstet. Und mit ihren an Mottowagen aus dem Karneval erinnernden Gefährten erzählen die Hammer Geschichten aus ihrem Dorf.

Der Wagen der St.-Blasius-Kompanie zeigt etwa einen Menschen aus Pappmaschee vor dem Bierkönig in Mallorca. Daneben ist ein leuchtender maßstabsgetreuer Airbus von Air-Berlin zu sehen, der alle paar Sekunden startet oder landet. Auf der Seite steht in großen Buchstaben, dass kaum als ein junger Hammer auf Mallorca angekommen sei, die Holde anrief und er zurückreiste. Außenstehende, das wissen die Hammer, bleiben bei ihren geschichtenerzählenden Treckerfackeln meist außen vor. Die Hammer lachen über sich, aber nur untereinander. "Die Geschichte dahinter geht so: Wir waren vergangenes Jahr mit 20 Jungs auf Mallorca. Kaum dort angekommen, hatte einer von uns so große Sehnsucht nach seiner Freundin, dass er prompt den ersten Flieger zurück nach Düsseldorf nahm", erklärt der Hammer Schütze Klaus Esser, der den Unimog steuert, mit samt Bierkönig und Air-Berlin-Jet im Gepäck.

Manche Wagen erschließen sich dem Betrachter auch selbst. So ist dort zum Beispiel ein kleiner Tunnel zu sehen, der am Aderkirchweg liegt, und der, pneumatisch gesteuert, alle paar Sekunden einzustürzen droht. Außen drauf ist ein Bild von Oberbürgermeister Thomas Geisel, der sich dieses Problems mit dem zu kleinen oder maroden Tunnels annehmen soll.

Andere Wagen dagegen sind so erklärungsbedürftig, dass sie für Nicht-Hammer unerklärt wohl immer ein Rätsel bleiben. Etwa ein Wagen, auf dem kunstvoll gebaute Enten auf einer Wiese schwimmen. Daneben steht: "Die Moral von der Geschicht, der alte Schlauch war nicht dicht." Jeder Hammer lachte sich scheckig, als er das am Samstagabend las. Die Fackeln auf alten Treckeranhängern werden übrigens von den Schützen jedes Jahr neu gebaut und entworfen. Manche setzen beim Bau der beweglichen Teile auf Hydraulik, andere auf Luftdruck. Und manche werden bis zum Fackelzug nicht ganz fertig. Denn als der Zug vorne schon rollte, suchte man hinten noch fieberhaft nach einem Schraubenzieher.

Quelle: RP
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