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Düsseldorf
Hand in Hand für ein Miteinander aller Bürger

300 Düsseldorfer singen "Hand in Hand" auf dem Burgplatz
Düsseldorf. Die Stadtgesellschaft lehnt Ausgrenzung ab. Das machten Bürger am Mittwoch deutlich. Sie sangen, strichen Wände, verteilten Gutscheine. Von S. Dreyer, T. Harpers, J. Janßen, D. Richters und T. Thissen

Neele Steiner und Maria Hornemann treten nervös von einem Fuß auf den anderen. Sie warten auf ihren großen Auftritt. Sie gehören zur Band "Töchter Düsseldorfs" und werden in wenigen Augenblicken vor die vielen Zuschauer treten, die auf dem Burgplatz in der Altstadt zusammengekommen sind, um "Hand in Hand", das Lied der Olympischen Spiele von Seoul, zu singen. Sie wollen damit ein Zeichen für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben setzen. An 14 Standorten gab es Mittwochnachmittag ähnliche Bilder. Über die Stadt verteilt beteiligen sich Privatleute, Organisationen und Initiativen mit besonderen Aktionen an "Düsseldorf setzt ein Zeichen." Höhepunkt ist das gemeinsame Singen des Olympiasongs von 1988 um 17.03 Uhr.

Neele Steiner (l.) und Maria Hornemann singen für die "Töchter Düsseldorfs". FOTO: Endermann, Andreas (end)

Schon der Spendenaufruf hatte alle Erwartungen übertroffen. Mehr als 120.000 Euro haben die Bürgerstiftung Düsseldorf und ihre Helfer in den vergangenen Wochen eingesammelt. Für Menschen in Not. Das sind natürlich Flüchtlinge. Aber nicht nur. Solidarität erfahren auch jene, deren Verhältnisse heute gerne "prekär" genannt werden. Eine Summe, die alle Erwartungen übertrifft. "Als ob die Düsseldorfer in den Startlöchern gestanden und nur noch auf diesen einen Anstoß gewartet hätten", sagt Sabine Tüllmann vom Vorstand der Bürgerstiftung. Mehr als 6000 Einkaufsgutscheine im Wert von jeweils 20 Euro wurden am Mittwoch verteilt.

Burgplatz Die zentrale Veranstaltung steht ganz im Zeichen der Musik. Neben dem Auftritt der "Töchter Düsseldorfs" setzen unter anderem der Kinderchor der Rolandschule und Tenor Andreas Schönberg musikalische Akzente. Besonders die rund 30 jungen Musiker begeistern die Gäste. Lieder wie "Rudi mit der roten Nase" lassen die Zuschauer schon weit vor der ausgemachten Uhrzeit um 17.03 Uhr gemeinsam schunkeln und mitsingen. Hunderte sind gekommen, um ein Zeichen zu setzen. Auch prominente Gäste: Oberbürgermeister Thomas Geisel und Prinz Hanno mit Venetia Sara. Neele Steiner, die später mit den "Töchtern Düsseldorfs" auf der Bühne steht, ist dieser Auftritt wichtig: "Gemeinsam Musik zu machen, macht stark. Ich kann mir kein besseres Zeichen vorstellen."

Hunderte Menschen waren zum Burgplatz gekommen, um ein Zeichen für ein friedliches Miteinander zu setzen. FOTO: Andreas endermann

Rossstraße Im Speisesaal der Flüchtlingsunterkunft des Landes wird kräftig trainiert. Bewohner und Mitarbeiter halten das Liedheft in der Hand und proben "Hand in Hand". Layla Kalo steht mit ihren drei Kindern Said (2), Muna (3) und Maher (5) etwas am Rand, schüchtern bewegt sie die Lippen zum Lied. Sie ist mit ihrem Mann Siad und den Kindern aus dem Irak geflohen, seit eineinhalb Monaten sind sie in Deutschland. Die Sprache kann sie noch nicht. Doch es ist eine schöne Abwechslung im Alltag der Unterkunft. Als es nebenan losgeht im großen Saal, stellen sich die Kalos beim Singen in die erste Reihe. Danach ist die Bühne frei für die vier südafrikanischen Clowns aus dem Projekt des Mimen Nemo. Die Stimmung steigt, die Menschen lachen, wippen, klatschen mit. Rote Clownsnasen werden verteilt. Muna und ihr kleiner Bruder Said setzen sie auf. "Sehr schön", sagt die Dreijährige und lächelt. Ihr älterer Bruder Maher mischt sich mit seinem Kumpel Jezin unter die Tänzer von Kabawil, die jetzt an der Reihe sind. Die Mama wippt mit, der Papa lächelt zufrieden. Der ganze Saal geht mit. Bevor er beim Auftritt der Flüchtlingsband "No Border" komplett zur Disco wird, gibt es im Speisesaal eine Überraschung: Jeder der zurzeit rund 200 Bewohner erhält einen 20-Euro-Einkaufsgutschein, aus den Spenden der Aktion.

Lacombletstraße Es ist kein Zufall, dass Grün als neuer Farbanstrich der Sockelleiste im Flüchtlingsheim auf der Lacombletstraße gewählt wurde. Während einige Mitarbeiter mit den Kindern Knusperhäuschen basteln und großformatige Leinwände bemalen, engagieren sich weitere rund 30 Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton ebenfalls ganz praxisorientiert. Sie renovieren seit den frühen Morgenstunden das Treppenhaus und den Eingangsbereich der Unterkunft. Die ehemalige Schule, in der derzeit über 100 Menschen - darunter mehr als 30 Kinder - leben, ist stark renovierungsbedürftig. "Wenn man die Umstände vor Ort einmal mit eigenen Augen gesehen hat, wird man geerdet und begreift, in welchen gut situierten Verhältnissen wir leben", sagt Vorstandsmitglied Joachim Riese. "Man kann nur hoffen, dass wir den Menschen vor Ort gemeinsam helfen können." Schon länger hält das Unternehmen Kontakt zu den Bewohnern der Unterkunft. Eine Mitarbeiterin gibt ehrenamtlich Deutschunterricht, eine Spendensammlung vor einigen Wochen ermöglicht eine Übergabe diverser Spielsachen für die Kinder der Unterkunft. Zudem wurden in der Vorweihnachtszeit bei einer Tombola rund 5000 Euro von den Mitarbeitern gespendet, die das Unternehmen verdoppelt hat. Auch diesen Betrag will das Unternehmen für die Arbeit in der Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Derendorf sowie für Initiativen der Bürgerstiftung zur Verfügung stellen.

Joachim Riese hilft in der Flüchtlingsunterkunft Lacombletstraße. FOTO: Endermann, Andreas (end)

Schützenhaus Eller Ein wenig ähnelt die Veranstaltung im Schützenhaus Eller dann doch einer Weihnachtsfeier, mit Baum und aufblasbaren Weihnachtsmännern und von Ehrenamtlern gebackenen Plätzchen, die besonders unter den Kindern der Flüchtlinge reißenden Absatz finden. Dann aber verschwinden sie auch wieder schnell, um einen der Luftballons zu ergattern, die Clown Charlie für sie aufpustet, zu Hunden formt und manchmal auch platzen lässt, was prompt für heftiges Gelächter sorgt. Ellers stellvertretener Bürgermeister Herbert Prickler begrüßt alle, Flüchtlinge sowie die Helfer. Eine schönere Feier für seinen Geburtstag kann er sich gar nicht vorstellen, sagt er am Rande der Veranstaltung. Schützen, Werbegemeinschaft, Karnevalisten, Gemeinden und andere Freiwillige in Eller zeigen - wie in den vergangenen Wochen schon- , dass es gar nicht so schwer ist, den Flüchtlingen ein gutes Gefühl zu geben. Wenn viele Hände dabei helfen.

Quelle: RP
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