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Serie Mein Laden
Handarbeit für alle sichtbar

Serie Mein Laden: Handarbeit für alle sichtbar
Barbara Kessler (l.) und Babette Bauer teilen sich für das Foto den Sitz und im Alltag die Adresse an der Collenbachstraße in Derendorf. FOTO: Marc Ingel
Düsseldorf. Babette Bauer fertigt Schmuckkollektionen an, Barbara Kessler ausgefallene Produkte aus Filz, vor allem Taschen. Beide teilen sich die Adresse Collenbachstraße 31 - und haben einen für Kunden transparenten Arbeitsplatz im Laden. Von Marc Ingel

Derendorf Die Collenbachstraße zwischen Dreieck und Spichernplatz hat es nicht leicht. Getrennt durch die große Kreuzung an Klever, Jülicher und Rossstraße gewinnen Auswärtige schnell den Eindruck, die beiden Abschnitte würden gar nicht zusammengehören. Trotzdem hat sie sich im Schatten der Nordstraße in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Es gibt schicke Modeläden, Ateliers und Kosmetikinstitute ebenso wie alteingesessene Geschäfte - Eisen-Weber etwa oder auch einen Briefmarkenhandel.

Eine, die weiß, wie es an der Collenbachstraße vor 15 Jahren ausgesehen hat, ist Barbara Kessler. Denn genau so lange ist es jetzt her, dass sie ihren Laden an der Hausnummer 31 eröffnet hat. "Zum damaligen Zeitpunkt gab es hier so gut wie nichts", erinnert sie sich. Ein Geschäft wollte die Innenarchitektin ursprünglich nie eröffnen, aber eine Künstlerin benötigte von dem Ladenlokal nur den hinteren Teil als Atelier, da griff sie dann doch zu. Denn Barbara Kessler hatte eine Idee und die wollte sie unbedingt verwirklichen: die individuelle Herstellung von Mode und Einrichtungsgegenständen wie Lampenschirmen aus Filz. "Alles per Hand, mit Fransen und Federn, Lederverarbeitung und der Anbringung von Beschlägen, alles selbst gemacht und aus einem Stück - und wenn es vier Stunden dauert", erzählt sie.

Vorrangig sind es inzwischen Taschen, die sie kreiert, angefangen hat, aber alles mit einer Babykollektion, mit kleinen Schühchen. Die gibt es immer noch und da das Geschäft gut läuft, führt sie den Laden auch schon lange alleine. Seit acht Jahren kauft sie Produkte wie zum Beispiel Schals ausgesuchter kleiner Manufakturen, sogar handsigniert, hinzu. "Meine Kunden sind speziell, kommen von weit her, wollen sehen, was sie kaufen", sagt Kessler. Daher verrichtet sie ihre Arbeit auch nicht in Werkstatt oder Hinterstübchen, sondern vorne im Laden, wo sie jeder begutachten kann. "Hinter jedem Produkt steckt eine kleine Geschichte", sagt Barbara Kessler.

Bei Babette Bauer ist das alles ganz ähnlich und weil sich beide Frauen so gut verstehen, teilen sie sich auch die Adresse an der Collenbachstraße 31. Zwar hat jede ihren eigenen Eingang, ihr eigenes Ladenlokal, aber auch Bauer hat ihre Werkbank vorne im Geschäft stehen, so dass ein jeder bei Bedarf dabei zusehen kann, wenn die Goldschmiedin eines ihrer Schmuckunikate anfertigt.

Babette Bauer hat in New York und Mexiko studiert und gearbeitet, nach ihrer Rückkehr nahm der Wunsch Gestalt an, nicht nur eigenständig zu sein, sondern auch einen Bezug zur Außenwelt zu haben, mit einem Schaufenster, wo sie ihre Kollektionen Passanten präsentieren kann. "Das Geschäft hat sich daher als ideal herausgestellt. Die Lage ist gut, keine Kö natürlich, aber nach vielen Aufs und Abs herrscht auf der Collenbachstraße inzwischen eine angenehme Stabilität", sagt Bauer, die 2017 auf exakt zehn Jahre in dem Laden zurückblicken kann.

Sie profitiert viel von Stammkunden, die ihre Arbeit zu schätzen wissen "und vielfach zu echten Freunden geworden sind", unterstreicht die Schmuckdesignerin. Oft kommen Kunden, die Omas Erbstück in einen Ring eingearbeitet haben wollen, auch das macht die Goldschmiedin. In einem Hinterzimmer stehen bei ihr Draht- und Blechwalze sowie Ziehbank, der dritte Raum ist vor allem wechselnden Ausstellungen vorbehalten: Malerei, Keramik, Fotografie, auch Mode und Accessoires, wie sie aktuell Gast Stefanie Mackenzie-Owen präsentiert.

Quelle: RP
 
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