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Düsseldorf
Handel beobachtet Cent-Abschaffung in Kleve

Düsseldorf. Am Niederrhein wird eine Zahlung ohne Kleingeld erprobt, es wird gerundet. Die Sparkasse wünscht sich das auch für Düsseldorf. Von Thorsten Breitkopf

In der Stadt Kleve am Niederrhein wagt der Einzelhandel ein Experiment: Ein- und Zwei-Cent-Münzen sollen aus den Portemonnaies und damit aus den Kassen der Einzelhändler verschwinden. Am 1. Februar startete die Feldstudie. 70 Klever Firmen machen mit. Sie sind organisiert im "Klever City-Netzwerk". Eigentlich gibt es 800 Händler in der 50.000-Einwohner-Stadt. Es ist nicht leicht, die Mitglieder von der Teilnahme an dem Experiment zu überzeugen. Viele fürchten die Ablehnung durch die Kunden oder, dass sie beim Runden schlicht weniger Geld einnehmen.

Dabei ist die Sorge wenig begründet. Gerundet wird in Kleve nicht jedes einzelne Teil, sondern die Endsumme auf dem Kassenbon, und zwar kaufmännisch. Bei allen Summen, die auf 1,2,6 oder 7 enden, wird auf den darunterliegenden Fünf-Cent-Betrag gerundet. Bei den Bons, die auf 3, 4, 8 oder 9 enden, wird auf den nächsthöheren aufgerundet.

Düsseldorfs Stadtsparkasse begrüßt die Verbannung der Kleinstmünzen aus dem Zahlungsverkehr und sieht darin auch eine Chance für den Handel in der Landeshauptstadt. "Die Handhabung der Münzen ist ein tierischer Aufwand, den sich viele Kunden gar nicht vorstellen können", sagt Stadtsparkassensprecher Gerd Meyer. Jedes Jahr müsse das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut zig Tonnen an Kleingeld bewegen, zählen, in Rollen verpacken und vor Diebstahl sichern. "Das Ganze ist in den vergangenen Jahren noch erschwert worden, weil Banken nach neuem europäischen Recht auch eine Kontrollfunktion haben", sagt Meyer. Denn die Versuche, in die Geldrollen etwas anderes als Geld zu packen, hätten zugenommen. Die Sparkasse musste entsprechend reagieren und hat die Preise für Geldrollen angehoben - im Einzelfall auf 50 Cent pro Stück. Allerdings würden karitative Einrichtungen oder die Kirchenkollekten nicht mit der Gebühr belastet.

Besonders zu Buche schlage bei der Bargeldhaltung von Banken und Händlern der Personalaufwand, auch durch Sicherheitsdienste, die die Logistik abwickeln. "Es ist an der Zeit, die Bargeldhaltung aus Kostengründen zu reduzieren", sagt Meyer. Besonders kleine Händler, Bäcker, Büdchen und Kneipen hätten unverhältnismäßig hohen Aufwand. Der Düsseldorfer Einzelhandel blickt aufmerksam nach Kleve. "Wir beobachten das Experiment mit großem Interesse", sagt der Hauptgeschäftsführer des Rheinischen Einzelhandelsverbands in Düsseldorf (HDE). Die Kosten für die Bargeldhaltung seien enorm gestiegen. "Wir wollen sehen, wie es funktioniert, auch wenn Kleve sicherlich mit seiner Grenznähe zu den Niederlanden eine Sonderrolle einnimmt", sagt Achten. In den Niederlanden ist das Runden auf Fünf-Cent-Beträge schon lange üblich.

Der Bäcker Josef Hinkel lebt die Praxis ebenfalls seit Jahren. "Wir runden kleine Centbeträge, immer, und zwar immer ab", sagt Hinkel. Das Problem, dass Kunden dennoch mit den Kleinstmünzen zahlen, sei damit aber nicht behoben. "Mir wäre eine Abschaffung der kleinen Centmünzen am liebsten", sagt der Bäcker.

Banken hoffen seit Jahren auf die Umsetzung des holländischen Modells auch in Deutschland. Allerdings: "Die Entscheidung zur Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent Münzen in Düsseldorf obliegt den Händlern", heißt es von der Commerzbank. Die Kosten für die Commerzbank zur Bargeldversorgung in Deutschland betrügen mehr als 100 Millionen Euro im Jahr.

Eine Studie der Bundesbank aus 2015 hat ergeben, dass im Falle einer kaufmännischen Rundungsregel auf volle Fünf-Euro-Cent-Beträge für Bonsummen nahezu keine Auswirkungen auf das Preisniveau zu erwarten sind. Sollten dagegen Einzelpreise einer kaufmännischen Rundung oder generellen Aufrundung unterliegen, ist mit geringfügigen einmaligen Preisniveauerhöhungen zu rechnen, heißt es in der Studie.

Quelle: RP
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