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Mein Düsseldorf
Handwerk bewegt sich auf schwerem Boden

Düsseldorf. Die Auftragslage der Fachleute ist in einer Stadt wie Düsseldorf nicht schlecht. Aber viele haben Personalprobleme - was man spätestens an Unstimmigkeiten mit dem Termin bemerkt.

Sprechen wir mal übers Handwerk. Nein, nicht, um zu nörgeln - dazu gibt es dieses Mal kaum Anlass. Also: Zufällig mussten wir neulich mehrmals Fachleute mit unterschiedlichsten Arbeiten beauftragen. Es gab Schäden, Renovierungen, Neues wurde angelegt, Altes ausgetauscht. Die Gewerke: Gärtner, Installateur, Elektriker, Schreiner , Maler- und ein Friseur.

Allen gemeinsam: In einer Stadt wie Düsseldorf können sie sich über fehlende Nachfrage nicht beklagen. Außerdem waren alle höflich, zuverlässig, hilfsbereit, sauber (das Hinterlassen verdreckter Räume ist Vergangenheit!) und - meistens - pünktlich. Allerdings gab es bisweilen Unstimmigkeiten mit den Terminzusagen. Ein Problem, das sich schnell stellt.

Vermutet man Schlamperei, lernte man einen zentralen Konflikt solcher kleinen Betriebe kennen: Haben sie einen Auftrag, bei dem Fristen drängen, und bekommen sie dann die Möglichkeit, einen zweiten anzunehmen, sind sie in einer Zwickmühle: Akzeptieren sie den weiteren Auftrag (was sie aus Gründen der Existenzsicherung eigentlich müssen!), ist der Ärger mit dem anderen Kunden gewiss, tun sie es nicht, droht der finanzielle Durchhänger. Also schlängeln sie sich durch. Ergebnis: am Ende sind beide Kunden bestenfalls nur verärgert.

Beim Elektriker (ein junger Meister) war es ähnlich: Er würde gern mehr tun, hat auch Anfragen - aber er kann nicht. Denn er findet keine Leute. Ein Mitarbeiter aus Polen, mit dessen Leistungen er sehr zufrieden war, darf hier nicht weiter arbeiten, weil sein Abschluss nicht akzeptiert wird. Der Installateur, ein alter Hase in der Branche, geht diesem Dilemma aus dem Weg und arbeitet mit seinem Sohn als Kleinst-Betrieb, erspart sich den Stress, verzichtet aber auch auf Umsatz durch größere Aufträge, für die er kleinere vernachlässigen müsste.

Ganz andere Sorgen hat der Friseur, dessen Eltern einst aus Griechenland kamen: Genervt von Mitarbeitern, die bevorzugt freitags bei vollem Terminkalender die Brocken hinwerfen, hat er seinen repräsentativen Laden gekündigt, einen viel kleineren angemietet und verzichtet auf Einnahmen, aber auch auf eine Menge Ärger. Mit seiner Frau schmeißt er das Geschäft nun allein - und schneidet unterm Strich besser ab, wie er sagt.

Weiter: Einer der wichtigsten Leute des Gärtners ist Mitte 50, stammt aus Marokko und ist sowohl auf dem Mini-Bagger wie beim Gartengestalten ein Alleskönner - unverzichtbar. Der Elektriker würde gern einen Lehrling aus welchem Land auch immer einstellen, aber er weiß nicht, wie er das machen soll. Und der Maler? Er hat die Ruhe weg, arbeitet in kleinem Team, hat immer seinen Mini-Pinscher (14, nennen wir die Dame Lucia) dabei und gibt gute Tipps, auch für andere Gewerke.

Bleibt die Frage: Hat das Handwerk goldenen Boden? Antwort: Ja - aber drüber zu gehen, ist manchmal schwer wie Blei.

Quelle: RP
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