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Düsseldorf
Handwerk boomt, investiert aber nicht

Düsseldorf. Das Bild im regionalen Handwerk ist zweigeteilt. Laut Umfrage der Handwerkskammer ist die Lage in Düsseldorf und Umgebung auf Rekordniveau. Gleichzeitig gibt es einen Investitionsstau. Die Nachfolger-Suche wird dadurch erschwert. Von Thorsten Breitkopf

Rekordstimmung im Handwerk des Kammerbezirks Düsseldorf: Bei der jüngsten Konjunkturumfrage der Handwerkskammer bezeichneten 42 Prozent der befragten Betriebe ihre geschäftliche Situation als gut. Weitere 46 Prozent der Firmen gaben auf die Frage nach dem Geschäftsgang der vergangenen sechs Monate "zufriedenstellend" an. Das ist nach Angaben der Kammer der beste Wert seit Erstellung des Konjunkturgutachtens. Räumlich umfasst die Düsseldorfer Kammer den gesamten Bereich des Regierungsbezirks, also auch die drei Bergischen Großstädte, den Niederrhein und Teile des Ruhrgebiets.

Und zurzeit deutet nichts darauf hin, dass sich diese gute Lage bald ändern könnte. 48 Prozent der Befragten berichten etwa von einem stabilen Auftragsbestand, weitere 28 Prozent freuen sich über ein gewachsenes Auftragsvolumen. Ein guter Indikator für die Stabilität eines Booms ist auch die Auslastung der Betriebe. Im Schnitt sind die Unternehmen zu 79 Prozent ausgelastet. Die Auftragsreichweite liegt bei 5,4 Wochen. Laut Zahlen des statischen Landesamtes IT.NRW ist der Umsatz im Handwerkskammerbezirk im zweiten Quartal des laufenden Jahres um 3,2 Prozent gestiegen.

Trotz Umsatzwachstum will das Düsseldorfer Handwerk aber keine neuen Mitarbeiter einstellen. Insgesamt arbeiten 314.500 Menschen im gesamten Bezirk in einem Handwerksberuf. Der Saldo aus Stellen-ab- und -aufbau ist derzeit ausgeglichen. Die große Mehrheit (83 Prozent) will weder einstellen noch entlassen. "Ein leer gefegter Fachkräftemarkt und der Trend zu Abi und Studium behindern einen notwendigen Personalaufbau", sagt Kammerpräsident Andreas Ehlert. Jedes sechste Unternehmen erwartet für das Frühjahr 2016 sogar eine weitere Belebung der Konjunktur.

Aber trotz der guten Lage und der guten Aussichten investieren die Handwerksbetriebe kaum, die Investitionstätigkeit hat sich nur leicht und auf sehr niedrigem Niveau verstärkt. 18 Prozent der Firmen steigerten die Ausgaben. Es sind vor allem die größeren Unternehmen: Rund vier von zehn Handwerksfirmen (36 Prozent) mit mehr als 50 Beschäftigten haben seit dem Frühjahr ihre Aufwendungen in Anlagen, Maschinen und Geräte erhöht. Das sind fast doppelt so viele wie in den vorausgegangenen Umfragen. Jeder dritte Euro ging dabei in ein Erweiterungsprojekt. "Aber auch die kleineren Betriebe müssten hier mehr tun, um den aufgelaufenen Investitionsstau zu verringern und auf die Herausforderung der Digitalisierung der Arbeitsprozesse, Produktionsverfahren und Vertriebswege zu reagieren", mahnt Ehlert.

Nach Branchen ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Der Immobilien-Boom in der Landeshauptstadt und dem Umland befeuert unverändert das Konjunkturklima im Ausbauhandwerk. Jeder zweite branchenangehörige Betrieb bewertet seine wirtschaftliche Lage als gut; 80 Prozent der Maler-, Sanitär- und Elektrotechnischen sowie Tischlerbetriebe berichten von stabilen oder gar weiter gestiegenen Umsätzen. Am kritischsten beurteilen die Maßschneider, Schuhmacher, Gold- und Silberschmiede den Geschäftsverlauf. Lediglich zehn Prozent der Unternehmen der Branchengruppe für die persönliche Ausstattung erzielte über den Sommer Umsatzzuwächse.

Quelle: RP
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