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Düsseldorf
Hanfplantage brauchte Strom wie 200 Familien

Hanfplantage in Düsseldorf-Derendorf beseitigt
Hanfplantage in Düsseldorf-Derendorf beseitigt FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Im Keller der ehemaligen Schlachterei in Derendorf waren zwei weitere Hanf-Plantagen im Aufbau. Die technische Einrichtung hat die Polizei in zwei Übersee-Containern eingelagert. Die Pflanzen sind bereits abgeerntet und vernichtet. Von Stefani Geilhausen

In Euro und Cent lässt sich der Stromdiebstahl durch die Betreiber einer illegalen Hanfplantage in Derendorf noch nicht ausdrücken - denn es ist unklar, wie lange sie dort die 2580 Pflanzen mit Hochleistungslampen bestrahlt, vollautomatisch bewässert und belüftet, dann elektronisch getrocknet und zerkleinert haben. Aus dem am Donnerstag sichergestellten Equipment aber haben die Stadtwerke zumindest ableiten können, dass der Tagesverbrauch bei rund 2000 Kilowattstunden lag. Das entspricht dem Verbrauch von 200 vierköpfigen Familien und kostet derzeit 521,40 Euro. Aufs Jahr gerechnet, liegt der Bedarf der größten je in Düsseldorf gefundenen Drogenplantage weit über dem des Kö-Bogen-Komplexes.

Zwei Übersee-Container einer Spedition waren nötig, um die gesamte Einrichtung aus der zuletzt als Galerie genutzten ehemaligen Metzgerei abzutransportieren. Riesige Lüfter, unzählige Lichtstrahler, Bewässerungsanlagen. Den Gesamtwert schätzt die Polizei auf 50.000 Euro. Neben den beiden Plantagen, die von den Tätern abwechselnd genutzt wurden, fand die Polizei im Keller des Gebäudes zwei weitere im Aufbau. Im Obergeschoss züchteten die Drogenbauern ihre Setzlinge. Und die waren von sehr hoher Qualität, sagt Kriminalhauptkommissar Michael Brusdeilins, der mit seinem Team die 2580 in voller Blüte stehenden Pflanzen abgeerntet hat. Der Ertrag wird größtenteils vernichtet, Proben untersucht jetzt das Kriminaltechnische Institut im Landeskriminalamt auf seinen THC-Gehalt.

Riesige Hanf-Plantage in Düsseldorf-Derendorf entdeckt FOTO: Bretz, Andreas

In den hochtechnisierten Indoor-Plantagen werden alles andere als weiche Drogen produziert: Der Anteil des Wirkstoffs THC (Tetrahydrocannabinol), der Halluzinationen hervorrufen und tagelang im Körper bleiben kann, liegt um 15 bis 20 Prozent höher als noch vor 20 Jahren. Am Wirkstoffanteil orientiert sich auch das Strafmaß für Hersteller und Verkäufer. Doch die müssen sich darum derzeit so wenig Sorgen machen wie um Nachforderungen der Stadtwerke: Die Polizei hat noch keine heiße Spur.

Ein anonymer Hinweis hatte "vor einiger Zeit" die Fahnder auf das Hinterhofgebäude aufmerksam gemacht, das seither beobachtet wurde. "Wir hatten aber keine Ahnung von der Dimension", sagt Brusdeilins. Möglich, dass die Plantagenbetreiber die polizeiliche Aufmerksamkeit bemerkten und deshalb die aktuelle Ernte nicht mehr einholten. Andererseits war die Anlage so automatisiert, dass sie auch wochenlang allein laufen konnte. Die Fahnder entschieden sich am Donnerstag, die Plantage auszuheben, um sicherzustellen, dass die Drogen nicht doch irgendwie in Umlauf kommen.

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Einrichtung und Betrieb der Drogenzucht waren in dem Hinterhof unbemerkt geblieben. Das liegt an dem Viertel, in dem es viele Gewerbebetriebe gibt, und daran, dass die Rampe der Autowerkstatt, die dort einmal war, ermöglicht hat, mit einem Lieferwagen direkt ins Gebäude zu fahren. Das fiel in der Nachbarschaft so wenig auf wie der erhöhte Stromverbrauch. Die Täter hatten die 10.000-Volt-Zuleitung zum Haus noch vor dem Zähler angezapft, von dort eine eigene Verteilung mit Sicherungskästen installiert. Ab und an habe man Stromschwankungen bemerkt, berichteten Anwohner, aber sich dabei nichts gedacht.

Quelle: RP
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