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Prozess um geplanten Anschlag
Hauptangeklagter spricht über seine Zeit in Syrien

Prozess um geplanten Anschlag: Hauptangeklagter spricht über seine Zeit in Syrien
Der Angeklagte Saleh A. am Mittwoch vor Gericht hinter einer Glasscheibe. FOTO: dpa, mku axs
Düsseldorf. Im Prozess um einen geplanten Terroranschlag des Islamischen Staats in Düsseldorf hat der Hauptangeklagte zu Prozessbeginn ausgesagt. Am Mittwoch ging es zunächst nur um seine persönlichen Umstände. Der Mann sagte aus, im Gefängnis von anderen Häftlingen bedroht worden zu sein. Von Franziska Hein

Zu den Tatvorwürfen will die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza den 30-jährigen Angeklagten Saleh A. erst am Donnerstag befragen. Die Verteidigung des Hauptangeklagten hatte schon vor Prozessbeginn durchblicken lassen, dass er sich umfassend einlassen wolle. Er ist bislang der einzige der drei Angeklagten, der dies zu tun beabsichtigt. 

Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht müssen sich seit Mittwoch drei mutmaßliche IS-Terroristen verantworten. Am Mittwochmorgen hatte der Vertreter des Bundesanwalts, Tobias Engelstätter, zunächst die Anklage verlesen. Laut Anklageschrift wollten sie in der Düsseldorfer Altstadt ein verheerendes Blutbad anrichten: Der Bundesanwaltschaft zufolge sollten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft sprengen, dann sollten weitere Terroristen möglichst viele flüchtende Menschen erschießen. Für den Anschlag sei von der IS-Führung in Rakka ein zehnköpfiges Terrorkommando vorgesehen gewesen.

Saleh A. wurde im Sudan geboren

Ein Terrorverdächtiger auf dem Weg zum Haftrichter im Juni 2016 FOTO: dpa, ude fdt

Nach der Aussage am Mittwoch lässt sich Saleh A.s Werdegang besser rekonstruieren. Er wurde 1987 im Sudan geboren, sein Vater, ein ausgebildeter Radiologe, ist Syrer, seine Mutter, ausgebildete Apothekerin, Palästinenserin. Er wuchs mit vier Geschwistern auf. 1991 siedelte die Familie in den Jemen über, 1994 schließlich nach Palästina in den Gaza-Streifen. Sein Vater soll Mitglied der Palästinenserorganisation Fatah gewesen sein. 

Im Alter von 17 Jahren hat Saleh A. nach eigener Aussage in Gaza Abitur gemacht und wollte anschließend Informatik studieren. Doch dazu kam es zunächst nicht, weil die Familie nach Syrien zog. Der Vater gehört zu einem syrischen Clan von Großgrundbesitzern. Weil Saleh A. keine syrischen Papiere hatte, konnte er dort zunächst nicht studieren. Das ging erst 2007. Nach vier Semestern musste er sein Informatik-Studium abbrechen, weil er in Folge einer Auseinandersetzung mit einer anderen Großfamilie in Untersuchungshaft kam. Zwei Jahre verbrachte er in einem syrischen Gefängnis. So jedenfalls schildert er es am Mittwoch vor Gericht. Auch Folter soll er dort erlebt haben. 

Widerstandskämpfer und kein religiöser Fanatiker

Am 31. Juli 2011 sei er schließlich - nach einem Freispruch - entlassen worden. Zu dieser Zeit hatte der Arabische Frühling Syrien bereits erreicht, überall demonstrierten Bürger gegen den syrischen Machthaber Baschar Al-Assad. Auch Saleh A. schloss sich den Demonstrationen an, später wurde er Teil einer bewaffneten Miliz der Freien Syrischen Armee (FSA), die die friedlichen Demonstranten vor Übergriffen der staatlichen Sicherheitskräfte schützen sollte, so der Angeklagte. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte eine radikal-islamische Ideologie keine Rolle gespielt, sondern vielmehr politische Motive. 

Wie Saleh A., der in Syrien eine Tochter und eine Frau hat, zum IS kam, darüber wurde am Mittwoch zunächst noch nicht gesprochen. Die Tochter ist drei Jahre alt. In einer Befragung hatte Saleh A. angegeben, die Anschlagspläne aufgedeckt zu haben, weil er nicht wolle, dass seine Tochter einen Terroristen zum Vater habe. 

Allen drei Angeklagten wird die IS-Mitgliedschaft und die Verabredung zu einem Verbrechen vorgeworfen. Der 30-jährige Syrer Saleh A. hatte sich im Februar 2016 bereits in Paris freiwillig der Polizei gestellt und ein Geständnis abgelegt. Infolgedessen waren seine mutmaßlichen Komplizen festgenommen worden.

Die Verteidiger von Saleh A. gab bereits am Vormittag zu Protokoll, dass Mithäftlinge in Wuppertal seine Aussage zu verhindern versucht hätten. Ihm sei gedroht worden, seiner Tochter etwas antun, wenn er aussage. Die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza bat darum, der Sache nachzugehen.

Für den Prozess sind bis Dezember 36 Verhandlungstage vorgesehen.

(siev/heif/dpa)
 
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