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Düsseldorf
Hauptmann-Haus erinnert an polnische Juden

Düsseldorf. Die Foto-Ausstellung "Spuren der Erinnerung" aus Krakau läuft noch bis zum 1. Juli. Von Arne Lieb

Das jüdische Leben in der polnischen Region Galizien ist immer noch sichtbar - allerdings in weiten Teilen nur noch an Ruinen. Davon zeugt eine kleine, intelligente Ausstellung, die sich noch bis zum 1.Juli im Gerhart-Hauptmann-Haus anschauen lässt. Der Fotograf Chris Schwarz und Jonathan Webber, Professor für jüdische und interreligiöse Studien in Birmingham und in Krakau, haben sich auf die Suche nach Spuren der einst großen jüdischen Community gemacht, die durch Antisemitismus, Krieg und Holocaust nahezu vollständig ausgelöscht wurde. Ihre Bilder sind in der Gegenwart fotografiert, erzählen aber von der Vergangenheit und dem brutalen Bruch in der Zeit der deutschen Besatzung.

Eines der eindrucksvollsten Bilder entstand in dem abgelegenen Ort Wielkie Oczy. Dort zeigte ein Bauer dem Fotografen einen Grabstein, den sein Schwiegervater vom jüdischen Friedhof genommen hatte, um damit den Eingang seines Hauses zu pflastern. Die hebräische Inschrift ist immer noch zu erkennen, dem Bauer ist dieses Erbe unangenehm. Auch viele Dorfsynagogen wurden einfach als Stall oder Bibliothek weiterverwendet, nachdem die Juden verschwunden waren. Zu sehen sind auch Bilder von den Überbleibseln von Auschwitz und den Mauern um das Krakauer Ghetto. Die Ausstellung erzählt auch von den Bemühungen, die Erinnerung wach zu halten, bei denen Hollywood geholfen hat: In der bei Krakau gelegenen Fabrik des Industriellen Oskar Schindler, der Juden vor der Vernichtung bewahrte, befindet sich inzwischen ein Museum, da das Interesse nach dem Film "Schindler's Liste" so groß war. Zudem gibt es immer noch eine kleine jüdische Gemeinde.

Die Ausstellung mit dem Titel "Traces of Memory/Spuren der Erinnerung" ist eigentlich seit 2004 im Jüdischen Museum Galizien in Krakau zu sehen, dessen Begründer der Fotograf Schwarz ist. Inzwischen ist daraus eine Wanderausstellung geworden. Der Kuratorin des Hauptmann-Hauses, Katja Schlenker, gelang es, sie nach Düsseldorf zu holen.

Ausstellung Montag u. Mittwoch 10-17 Uhr, Dienstag. u. Donnerstag 10-19 Uhr, Freitag 10-14 Uhr). Alle Texte zu den Bildern sind auf Englisch, eine deutsche Übersetzung lässt sich am Eingang mitnehmen. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP
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