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Düsseldorf
Hausbesuch vom Einbruchsberater

Düsseldorf: Hausbesuch vom Einbruchsberater
Kriminalhauptkommissar Reinhard Busch klärt die neuen Nachbarn in der Wohnsiedlung über mögliche Sicherheitsrisiken auf. Die Terrassentür dieses Hauses ist nach seiner Einschätzung sicher. Und der dahinterliegende Hof, weil rundherum bebaut, ist es auch. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Kriminalpolizei sucht in besonderen Fällen nach Schwachstellen in Haus und Hof. Wir haben sie begleitet. Von Stefani Geilhausen

Ein Neubau in der Düsseldorfer Innenstadt. Die frischgebackenen Eigenheimbesitzer haben noch nicht alle Kisten ausgepackt, aber schon Besuch. Reinhard Busch würdigt aber die schöne neue Küche keines Blickes, sondern schaut kritisch auf die Außenjalousien vor dem Fenster. "Die lassen Sie aber nicht komplett runter", sagt er. Lieber dreiviertelhoch und die Lamellen schräg stellen. "Dann sieht der Einbrecher das Licht im Raum."

So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern FOTO: dpa, Robert Schlesinger

Reinhard Busch ist Kriminalhauptkommissar, und seine Aufgabe ist nicht, möglichst viele Einbrecher zu fangen. Sondern dafür zu sorgen, dass sie in möglichst wenige Wohnungen einsteigen. Busch und seine Kollegen in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle an der Luisenstraße (im ehemaligen LVA-Hochhaus) informieren Mieter und Hausbesitzer über alles, was der Markt an technischen Sicherungen hergibt und über richtiges Verhalten: "Ein Fensterschloss, in dem der Schlüssel steckt, ist nutzlos."

Neben der Beratung arbeitet Busch auch in der Fachgruppe "städtebauliche Kriminalprävention". Die begutachtet inzwischen jedes Bauvorhaben in der Stadt auf Sicherheit: Entstehen Angsträume durch lange Gänge, fehlt es am Licht oder bietet die Gartenanlage zu viele Verstecke? Und die Polizei berät die Wohnungsbauer auch ganz direkt in Sachen Einbruchsschutz.

So schrecken Sie Urlaubs-Einbrecher ab FOTO: gms

In dem Neubau, den Busch nun auf Wunsch seines neuen Besitzers begutachtet, scheint der Bauträger alle Tipps berücksichtigt zu haben. Die Fenster haben zwar die Rollzapfen, die blitzschnell aufgehebelt werden können. Aber es sind auch zusätzlich Verriegelungen verbaut, die die bodentiefen Fenster rundum sicher machen. Warum an einem Flügel fünf, am anderen nur drei davon sind - Busch wundert sich, und der Hausbesitzer macht im Kopf eine Notiz: beim Bauträger fragen.

Man kann diese Pilzkopfzapfen auch nachrüsten. Das kostet für ein bodentiefes Fenster um die 400, für ein normales etwa 250 Euro. Trotzdem empfiehlt Busch sie jedem Hausbesitzer, der noch keine hat - im besten Fall erfährt man nie, ob sich die Investition gelohnt hat.

Aus den baugleichen Nachbarhäusern kommen die Besitzerinnen vorbei: Auch für sie gilt, was Busch zu sagen hat. "Rollläden sind Sicht- und Sonnenschutz", etwa. Gegen Einbrecher nützen sie jedoch wenig. Und der eingebaute Hochschiebschutz? Lässt sich in der Regel leider schnell umgehen. Außerdem warnt der Kriminalist davor, die Rollläden bei Abwesenheit komplett zu schließen. "Dann können Sie auch draufdrucken, dass Sie nicht zu Hause sind." Besser sei es, Anwesenheit zu simulieren. Über Zeitschaltuhren nicht nur kleine Stehlampen, sondern solches Licht einzuschalten, in dem man sich auch gerne aufhält. Die kleine, kaltweiße Funzel erkennt der Einbrecher als Alibi schon lange. Ein warmes Licht über dem Sofa und obendrein noch eins im ersten Stock wird ihn dagegen ins Grübeln bringen. Bloß Energiesparlampen sollten es sein, sagt Busch. Nicht wegen des Stroms, sondern wegen der Brandgefahr. "Feuer richtet höhere Schäden an als Einbrecher."

Timer an den Rollläden sind dagegen nur im Winter, genauer: im Winterurlaub, gut, dem gefährlichsten, den man machen kann, sagt Busch. Vor allem zwischen den Feiertagen ist wichtig, dass sie wie das Licht zum Vortäuschen von Anwesenheit programmiert werden.

Im Keller findet Busch doch noch eine Schwachstelle. Brandschutztüren führen in den Gemeinschaftsflur, der nicht nur die Einfamilienhäuser miteinander, sondern auch mit einem Mehrfamilienhaus und der Tiefgarage verbindet. Die würde er besser sichern, sagt Busch. Weil ein neues Schloss aber vom Brandschutz abgenommen sein muss, wird das nicht billig. Sich darauf zu verlassen, dass alle Tiefgaragennutzer immer darauf achten, dass das Tor geschlossen wird und kein Fremder vorher hineinschlüpft, oder auch, dass die Verbindungstüren abgeschlossen sind - das habe wenig Sinn, sagt Busch aus Erfahrung. Zumal die Verbindungstüren oft auch Fluchttüren sind. Die kann man mit einem sich selbst verriegelnden Panikschloss vielleicht verbessern. Aber im Grunde gilt hier unten wie in jedem Mietshaus dieselbe Maxime: Die Zugänge zur eigenen Wohnung müssen gesichert werden, nicht Gemeinschaftswege.

Am Ende der Beratung haben die Hausbesitzer auch viel über die Tricks der Einbrecher gelernt. Trotzdem sind sie sich einig: Nach dem Gespräch mit Reinhard Busch fühlen sie sich in den eigenen vier Wänden sicherer.

Quelle: RP
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