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Düsseldorf
Headhunter soll neuen Rheinbahn-Chef suchen

Erste Niederflur-U-Bahn geht an den Start
Erste Niederflur-U-Bahn geht an den Start FOTO: rpo/ms
Düsseldorf. Vorstandsvorsitzender Dirk Biesenbach muss um seinen Job fürchten. Eine für heute geplante Pressekonferenz ist abgesagt. Von Christian Herrendorf und Uwe-Jens Ruhnau

Wie angespannt die Lage an der Spitze der Rheinbahn ist, zeigt der Wegfall eines Rituals. Üblicherweise präsentiert der Vorstandssprecher an einem Vormittag im Frühjahr dem Aufsichtsrat die Bilanz für das Vorjahr. Am Nachmittag werden die Zahlen von Fahrgästen bis zu Umsätzen und Zuschüssen der Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Letzteres war für die Bilanz 2014 für heute geplant - und wurde nun abgesagt. Die Bilanz wird ausschließlich schriftlich in die Öffentlichkeit gebracht.

Aus Rheinbahn-Kreisen ist zu hören, dass der Verlauf der Aufsichtsratssitzung wegen des Machtkampfs zwischen Oberbürgermeister Thomas Geisel und Vorstandssprecher Dirk Biesenbach nicht absehbar und die Pressekonferenz folglich nicht planbar sei. Aus Kreisen des Aufsichtsrats ist zu hören, man wolle keine Diskussion um die Rheinbahn vor der Presse.

Dirk Biesenbach. FOTO: Busskamp

Geisel, der dem Aufsichtsgremium der Stadttochter vorsitzt, hatte in der vorvergangenen Woche angekündigt, er wolle einen dritten Vorstand neben Biesenbach und Klaus Klar installieren. Dabei wurde Biesenbach das vergiftete Kompliment zuteil, er sei ein guter Kaufmann und der neue Vorstand solle Experte für Strategie und Technik sein. "Als der alte Vorstandschef Herbert Felz, ein ausgewiesener Technik-Experte, in Rente ging, wurde diese Stelle eingespart", sagt ein Politiker. Das habe im Unternehmen eine Lücke hinterlassen, die man nun schließen wolle.

Dem Vorstoß des Oberbürgermeisters war ein Streit der Ampel-Kooperation mit dem Rheinbahn-Chef vorausgegangen. Die Ampel hatte eine Gabelung der künftigen Linie U71 beschlossen, Biesenbach hatte sich dagegen mit deutlichen Worten ("die schlechteste aller Lösungen") gewehrt. Seitdem gilt er in Kreisen der Kooperation als der falsche Mann für die Stärkung des Nahverkehrs, die SPD, Grüne und FDP in ihrer Vereinbarung stehen haben. Auch sorgte für Verärgerung, dass Vertretern der Ampel der Wunsch verwehrt wurde, auf Rheinbahnexperten als Berater zurückzugreifen.

Der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats, in dem neben Geisel und CDU-Verkehrsexperte Andreas Hartnigk zwei Arbeitnehmervertreter sitzen, soll nun einen Headhunters einschalten. Der Aufsichtsrat hätte heute eigentlich über die Verlängerung von Vorstandschef Biesenbach beraten. Sein Vertrag läuft im nächsten Frühjahr aus, bis zum Juni muss eine Entscheidung fallen. Nun ist von Mitgliedern der Ampel-Kooperation zu hören, dass es auf einen neuen Mann an der Unternehmensspitze hinauslaufe - man parallel jedoch sehen wolle, wie Biesenbach auf die Situation reagiert. Der nämlich könnte sich der "Rückstufung" verweigern.

Der Aufsichtsrat befasst sich heute erstmals mit dem dritten Vorstand. Die Bilanz gerät angesichts des Streits in den Hintergrund. Mittelfristig geht es auch um die Frage, ob die Rheinbahn-Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt wird. Dann nämlich hätte die Stadt als Besteller der Nahverkehrsleistung, die ab 2019 erneut vergeben werden muss, im Rahmen der Direktvergabe den erforderlichen vollen Zugriff auf die Firma.

Quelle: RP
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