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Versorgung in Düsseldorf
Hebammen fehlen besonders in zentralen Stadtteilen

Hebammenzentrale in Düsseldorf: Probleme in Stadtmitte, Unterbilk, Flingern
Die Düsseldorfer Hebamme Judith Brakel. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. In Düsseldorf gibt es immer weniger Hebammen - und die, die es gibt, nehmen ungern Aufträge in Flingern oder Stadtmitte an, weil sie dort nicht parken können. Für viele Schwangere wird die Suche nach einer Hebamme deshalb immer schwieriger. Von Adrian Terhorst

Die Hebammenzentrale Düsseldorf konnte in diesem Jahr bislang deutlich weniger Frauen an Hebammen vermitteln als noch im Vorjahr. Grund ist die steigende Nachfrage. "2017 haben wir durchschnittlich 280 Anfragen pro Monat bekommen. Aktuell liegt der Schnitt bei mehr als 400", sagt Meike Kemnitz, Koordinatorin der Hebammenzentrale. 1081 Anfragen sind bis März insgesamt bei Kemnitz und ihrer Kollegin Naomi Redmann eingegangen. Davon konnte 566 Mal eine Hebamme vermittelt werden, 481 Mal wurde eine Absage erteilt. 34 Anfragen wurden von Schwangeren zurückgezogen.

Zum Vergleich: 2017 gab es insgesamt 3360 Anfragen, die Vermittlungsquote lag bei 66 Prozent (2231 Vermittlungen, 923 Absagen). "Wir gehen davon aus, dass wir mittlerweile von den Frauen viel mehr wahrgenommen werden. Unsere Einrichtung gibt es ja erst seit 2015", vermutet Redmann. "Die Frauen werden jedenfalls immer besorgter, weil die Hebammen-Problematik so akut ist", meint die 30-Jährige.

Denn im Vergleich zum Jahr 2007 hat die Anzahl der freiberuflichen Hebammen in Düsseldorf deutlich abgenommen. Waren es 2007 noch 166, sind mittlerweile noch 109 in Düsseldorf gemeldet.

Eine von ihnen ist Judith Brakel. Die 48-Jährige arbeitet seit fast zwei Jahren in einer Praxisgemeinschaft im Düsseldorfer Süden. Zuvor führte sie fünf Jahre lang eine Praxis in Pempelfort, betreute Frauen in allen Stadtteilen. "Aber irgendwann lagen die Nerven wegen der Düsseldorfer Verkehrssituation einfach blank, weil man nur im Stau steht und nirgends einen Parkplatz findet", sagt Brakel, die auch noch Heilpraktikerin für Psychotherapie ist, um ein zweites Standbein zu haben. Sie entschied sich deshalb, dem Stadtverkehr in Richtung Süden zu entfliehen. Andere Hebammen in Düsseldorf tun es ihr mittlerweile gleich. "Einige Frauen lehnen Vermittlungen in zentrale Stadtteile wie Flingern, Unterbilk oder Stadtmitte ab, weil sie wegen der Verkehrssituation und der schwierigen Parkplatzsuche einfach nicht mehr dort hinfahren wollen", sagt Meike Kemnitz.

Zwar haben viele andere Berufsgruppen ebenfalls täglich mit dem Verkehr zu kämpfen. Doch auf die Hebammensituation wirken sich die Verkehrsprobleme noch viel dramatischer aus. Anders als Handwerker bekommen Hebammen zum Beispiel die Anfahrt nicht bezahlt, sie erhalten lediglich eine Kilometer-Pauschale. Bedenkt man, dass eine Hebamme laut Gebührenordnung für einen normalen Hausbesuch nur 38,46 Euro (brutto) berechnen kann, "lohnt es sich einfach nicht, in die Stadt zu fahren, weil man ewig im Auto sitzt. Ein vernünftiger Hausbesuch dauert nämlich etwa eine Stunde", sagt Brakel. Eine Unterversorgung in zentralen Stadtteilen ist somit bereits Realität. "Dies ist bedenklich, weil gerade in den citynahen Stadtteilen viele junge Familien wohnen, die auf eine Hebamme angewiesen sind", sagt Redmann. Die Nachfrage ist aber so groß, dass Hebammen gar nicht darauf angewiesen sind, in alle Düsseldorfer Viertel fahren zu müssen.

Zur Verbesserung beitragen könnten spezielle Parkausweise, ähnlich wie für Ärzte oder Handwerker. Diese gibt es zwar bereits in Düsseldorf, "sie sind aber für viele Hebammen einfach zu teuer", sagt Kemnitz - bei 120 Euro liegt der Preis pro Jahr. Barbara Blomeier, Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen NRW, fordert deshalb, "den Hebammen kostenfreie Sonderparkerlaubnis zu gewähren".

"Wir sind sehr bemüht, an der Verbesserung der Situation mitzuwirken", sagt Michael Dimitrov vom Gesundheitsamt. Im April sei deshalb eine Aktion mit einem externen Partner geplant. An den Details des Projekts werde noch gearbeitet.

Hebammenzentrale betreut 94 Hebammen

Die Hebammenzentrale Die von der Stadt finanzierte Einrichtung vermittelt seit 2015 Frauen eine Hebamme. Immer mehr freiberufliche Hebammen aus Düsseldorf und dem Umland arbeiten mit der Hebammenzentrale zusammen (2017: 87, 2016: 81, 2015: 53).

Akute Anfragen Von den 395 Fällen, in denen Schwangere 2017 kurz vor dem Entbindungstermin noch eine Hebamme suchten, wurde für 148 Frauen eine Hebamme gefunden. 250 (65 Prozent) Anfragen mussten abgelehnt werden.

Dauer Nach Angaben der Hebammenzentrale dauert es 14 Tage, bis eine Anfrage abgeschlossen ist.

Quelle: RP
 
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