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Düsseldorf
Heimatvereine müssen mehr für sich werben

Düsseldorf. Aus Mitgliedermangel wurde in Oberkassel der Heimatverein abgemeldet. In Urdenbach und Garath gibt es solche Probleme nicht. Von Torsten Thissen

Die Abwicklung eines Vereins ist deutlich schwieriger als seine Gründung. Soviel weiß Klaus Kühn. Er wird der letzte Vorsitzende des Heimatvereins Oberkassel sein und, auch wenn es ein wenig herzlos klingt, Kühn ist eigentlich ganz froh, dass es bald vorbei ist. Seit 1951 besteht der Verein, der sich für Oberkassel und die Bürger stark gemacht hat. Seine Mitglieder sahen, wenn irgendwo eine Bank fehlte, sie kümmerten sich um Menschen in Not, und nicht zuletzt war der Heimatverein Oberkassel ja auch selbst ein Stück Heimat für seine Mitglieder. Immer noch kamen bis zu 25 zu den Heimatabenden einmal im Monat. "Immerhin", sagt Kühn.

Das Ende kam dann doch ein wenig plötzlich. Im März bei der Jahreshauptversammlung fand sich niemand mehr, der in den Vorstand wollte. Kühn und seine Frau hatten schon lange angekündigt, dass dies ihre letzte Amtszeit werden würde. Sie ist 74, er 66 Jahre alt. Und dennoch meldete sich niemand. Im Namen des Vereins beantragte Kühn schließlich die Löschung aus dem Vereinsregister. Wegen etwaiger Forderungen von Gläubigern, dauert es noch ein Jahr, bis der Verein schließlich ausgetragen wird.

Für Bernhard von Kries ist das Schicksal des Heimatvereins aus Oberkassel typisch. "Es gibt auch bei den Heimatvereinen die Tendenz, dass immer weniger Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen", sagt der Chef des Dachverbands von 57 Heimat- und Bürgervereinen aus dem ganzen Stadtgebiet. Von Kries steht der Aktionsgemeinschaft der Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (AGD) vor. So ein Amt im Verein erfordert eben eine Menge Zeit und Arbeit, sagt er, deshalb seien auch eher Ältere bei den Heimatvereinen zu finden. Doch selbst bei den Rentnern spürt von Kries eine gewisse Müdigkeit. Viele Vereine hingen an einer oder zwei Personen, "wenn die dann wegfallen, kommt keiner mehr nach, was das Ende des Vereins ist". Wichtig sei "eine gewisse Rührigkeit", so von Kries. Dabei geht es um Aufmerksamkeit, denn wer bekannt ist, habe auch Zulauf.

Eine Sicht, die Arnold Sevenich teilt. Der 66 Jahre alte Vorsitzende des Allgemeinen Bürgervereins Urdenbach kann sich über mangelnden Zulauf nicht beschweren. Doch die Urdenbacher machen auch viel, und ihre Veranstaltungen wie das Erntedankfest, der Tanz in den Mai und der Seniorennachmittag sind gut besucht. Und aus den Besuchern rekrutieren wir den Nachwuchs, sagt Sevenich. Über 1000 Mitglieder haben die Urdenbacher, wobei nicht alle am Vereinsleben teilnehmen. Aber immerhin findet sich immer jemand, der bei Auf- und Abbau hilft, und auch die Ämter im Verein sind alle besetzt.

Nachwuchssorgen gibt es in Urdenbach nur insofern, als auch die neuen Vereinsmitglieder eher Senioren sind. "Auf jeden Fall über 50 Jahre alt", sagt Sevenich. Dann seien die Kinder aus dem Haus, dann habe man Karriere gemacht, dann erst sei für viele die rechte Zeit, etwas Neues anzufangen. Unabhängig davon spielt den Urdenbachern auch die dörfliche Struktur ihres Stadtteils zu. In ländlichen Stadtteilen ist der Heimatverein noch eine feste Größe, hier kennt man sich und es gehört zum guten Ton, Mitglied zu sein. Voraussetzung für Erfolg ist das allerdings nicht. So zeigen die Derendorfer Jonges etwa, dass das Konzept Heimatverein auch in urbanen Stadtteilen Erfolg haben kann. Das Rezept könnte lauten: "Tue Gutes und rede darüber." Dabei spielen die eigene Homepage und der Auftritt bei Facebook auch eine Rolle.

Allerdings dürfe man sich keine Illusionen machen, sagt der Vorsitzende der ebenfalls sehr erfolgreichen Bürger- und Interessen-Gemeinschaft Garath, Fred Puck: "Unsere Klientel ist 60 Jahre oder älter." Aber das wiederum sei auch gut so und vielleicht sogar ein Erfolgsrezept, denn Junge und Alte zusammen - das sei oft schwierig.

Quelle: RP
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