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Bernhard Von Kries
Heimatvereine wollen Stadt mitgestalten

Bernhard Von Kries: Heimatvereine wollen Stadt mitgestalten
Bernhard von Kries am Lohauser Deich - einem seiner Lieblingsorte in der Stadt. Der 56-Jährige ist der neue Chef des Dachverbands von 57 Heimat- und Bürgervereinen aus dem ganzen Stadtgebiet. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Der neue Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft der Heimat- und Bürgervereine spricht über die Herausforderungen für die Zukunft, über Gaslaternen und über Stadtquartiere, die unbedingt erhalten bleiben sollten.

Die Aktionsgemeinschaft der Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (AGD) hat einen neuen Chef. Der Architekt Bernhard von Kries hat das Amt von Edmund Spohr übernommen, der über 30 Jahre als erster Vorsitzender die Geschicke der Gemeinschaft gelenkt hat.

Die AGD vertritt 57 Vereine mit mehr als 30.000 Mitgliedern. Was hat Sie gereizt, solch ein Amt zu übernehmen?

Bernhard von Kries Ich bin in städtebaulichen Fragen durch meinen Beruf und die politische Arbeit - ich bin seit 17 Jahren Mitglied der CDU in der Bezirksvertretung 5 - versiert. Ich möchte nicht daheim sitzen und nörgeln, sondern die Chance nutzen, mich aktiv für die Stadt einzubringen. Die vielfältigen Aufgabenbereiche der Vereine sind eine Herausforderung. Und ganz ehrlich, ich fühle mich auch geehrt, dass mein Fachwissen gefragt ist.

Was sehen Sie als Ihre Hauptaufgabe an?

von Kries Im Bereich der Stadtplanung und städtebaulichen Entwicklung ein Sprachrohr der Bürger und Vereine zu sein, uns aktiv an Entwicklungen zu beteiligen.

Wie steht denn die AGD zum Thema Umrüstung der Gaslaternen?

von Kries Das Thema wird noch in der Mitgliederversammlung besprochen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Meine persönliche Meinung ist, dass dort, wo Veränderungen anstehen, mehr mit den dortigen Heimatvereinen und den Bürgern gesprochen werden muss. Es muss für diese ganz klar sein, welche Kosten auf sie zukommen. Zudem sollten die Bezirksvertretungen entscheiden dürfen, an welchen Stellen Gaslaternen erhalten bleiben, denn die Politiker vor Ort wissen, welche Bereiche den Bürgern am Herzen liegen. Hilfreich ist es auch, dass nun an einer Stelle im Stadtgebiet die verschiedenen Lampentypen präsentiert werden, damit die Bürger sehen können, wie diese später wirken.

Wie viele Laternen würden Sie denn erhalten?

von Kries Es macht wenig Sinn, sich vorher auf eine Zahl festzulegen. Erst wenn in den Bezirken entschieden wurde, wo Gaslaternen bleiben sollen, wird sich die Anzahl herausstellen.

Düsseldorf hat, ganz anders als das "antike" Köln, wenige alte Bauten und Denkmäler. Was sollte unbedingt erhalten bleiben?

von Kries Dazu gehören Gebäude und einige Stadtquartiere, die das Stadtbild prägen oder für eine bestimmte Epoche stehen. Dass beispielsweise das "Les Halles" abgerissen wurde, ist eine vergebene Chance. Was sich in den alten Bahnhofshallen entwickelt hat, war einfach nur Klasse. Über solch eine lebendige Szene sollte eine Stadt eigentlich froh sein. Auch die Bergische Kaserne finde ich als gesamtes Ensemble und Denkmal einer Epoche erhaltenswert, nicht nur, weil ich dort den Großteil meiner Wehrdienstzeit abgeleistet habe (lacht).

Und was ist mit der Umbenennung des Mannesmann-Hochhauses?

von Kries Da spreche ich mich vehement gegen aus. Das Gebäude, eine international anerkannte Architekturikone, steht für den erfolgreichen Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg und ist unzertrennlich mit dem Namen Mannesmann verbunden. Die Farbgebung, blau und weiß, steht für das Unternehmen Mannesmann, die Rundstützen wurden aus Rohren der Mannesmannröhren-Werke gefertigt. Selbst zu Vodafone-Zeiten war es immer das Mannesmann Hochhaus. Bei Mannesmann haben viele Menschen ihr Brot verdient. Viele Bürger sehen sich noch immer als Mannesmänner. So sehr die Stadt im Wandel ist, sollten doch Tradition und Vertrautheit erhalten bleiben. Wir werden dieses Thema im Januar in der konstituierenden Sitzung der AGD diskutieren, aber ich gehe davon aus, dass meine Meinung geteilt wird.

Was sind die Themen der Zukunft?

von Kries Wir werden uns mit den immensen Pendlerströmen auseinander setzen müssen. Es wird nötig sein, die verschiedenen Verkehrsmittel besser zu verknüpfen - sei es beispielsweise durch Park & Ride Parkplätze oder die Möglichkeit, sein Fahrrad in der Bahn zu transportieren. Durch den demografischen Wandel wird es neue Anforderungen an das Wohnumfeld geben. Es müssen etwa Standards festgelegt werden, wie Baustellen gestaltet werden sollen, damit diese etwa für Menschen mit Rollatoren keine Behinderung darstellen. Eine zwei Zentimeter hohe Kante kann schon das Ende der Mobilität bedeuten. Zudem müssen wir uns auf ein verändertes Kaufverhalten einstellen. Immer mehr Produkte werden über das Internet bestellt. Was wird das dauerhaft für die Läden bedeuten?

Zu den Grundsätzen der AGD gehört es, die Belange der Düsseldorfer Bürger in parlamentarischen Gremien und Verwaltungsstellen zu vertreten. Wie gut ist die Vernetzung in der Stadt?

von Kries Sehr gut. Wir wissen, wer die richtigen Gesprächspartner sind und sind eigentlich überall willkommen, da wir konstruktiv im Dialog nach Lösungen suchen. So können wir auch unseren Vereinen bei ihren Aufgaben und Problemen hilfreich zur Seite stehen.

Sie waren ja bisher noch nicht in der AGD vertreten. Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen?

von Kries Um solch ein Ehrenamt kann man sich nicht bewerben, sondern man wird vorgeschlagen. Ich bin zunächst gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, als Kurator für Städtebau tätig zu werden. Als ich mich dann bei der AGD dafür vorgestellt habe, kam die Idee auf, dass ich auch für die Nachfolge von Edmund Spohr in Frage käme.

Ihr Vorgänger war mehr als 30 Jahre im Amt. Wie sehen Ihre Pläne aus?

von Kries Ich stehe solange zur Verfügung, wie man meine Arbeit schätzt.

Wenn Sie Düsseldorf in einem Satz beschreiben, wie lautet dieser?

von Kries Düsseldorf ist eine sehr schöne Stadt, die geprägt wird durch ihre Lage am Rhein, wobei der Fluss der Stadt Luftigkeit verleiht.

Und wo wäre neben Düsseldorf Ihre zweite Heimat?

von Kries In den wunderschönen Bergen in Tirol. Dort muss ich mindestens einmal im Jahr hin. Wenn ich dann beim Wandern oder bei Radtouren von den Höhen auf die kleinen Häuser hinab schaue, erdet mich das und zeigt mir, wie klein Probleme werden können.

JULIA BRABECK FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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