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Heimat erleben
Persil kennt hier jeder

Historische Bilder: "Persil bleibt Persil"
Historische Bilder: "Persil bleibt Persil" FOTO: AP
Düsseldorf. Kein Unternehmen prägt die Stadt so sehr wie Henkel. Ein Spaziergang durch Düsseldorfs größte Fabrik. Von Thorsten Breitkopf

Kann ein Dax-Konzern Heimat sein? Wenn überhaupt irgendein Großunternehmen für Düsseldorf als Heimat steht, dann ist es Henkel. Die Firma und ihr berühmtestes Produkt, das Waschmittel Persil, stehen weit über die Grenzen hinaus für Düsseldorf. Allein die schiere Größe des Henkelwerkes macht deutlich: eigentlich ist Henkel Düsseldorfs 51. Stadtteil.

Die Persilfrau auf dem Gelände des Henkelwerkes. Seit 1922 steht sie für Produkte Made in Düsseldorf. FOTO: Andreas Endermann

Mit einer Fläche von 1,4 Millionen Quadratmetern ist das Werk dreieinhalb Mal so groß wie der Vatikanstaat. Vieles bei Henkel kommt einer echten Stadt durchaus nahe. Ein eigenes Kraftwerk produziert so viel Energie und Wärme, dass eine Stadt mit 200.000 Einwohnern versorgt werden könnte. Auf dem Werksgelände gibt es 15 Kilometer Straßen, ein Gleisnetz von 21 Kilometern Länge und die unübersehbaren Rohre mit einer Gesamtlänge von 168 Kilometern in Reisholz. Rund 10.500 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, 5400 davon bei Henkel, weitere 5000 bei BASF. Die Ludwigshafener hatten vor einigen Jahren die frühere Henkeltochter Cognis übernommen. Seither kommt es zu der seltsamen Kombination, dass sich Henkel und BASF, oft die größten Konkurrenten, ein Werk teilen.

Begonnen hat Henkels Geschichte gar nicht in Düsseldorf, sondern in Aachen. Der gelernte Kaufmann Fritz Henkel gründete mit 28 Jahren dort ein Unternehmen und stellte als erster ein pulverförmiges Waschmittel her. Schon zwei Jahre später zog er, wegen der besseren Verkehrsanbindung am Rhein, nach Düsseldorf. Das erste Gelände in Flingern wurde genauso schnell zu klein wie ein weiteres in Oberbilk. Und so erwarb Fritz Henkel, inzwischen erfolgreicher Geschäftsmann, das heutige Gelände in Holthausen. Damals war es vollkommen überdimensioniert. Doch Fritz Henkel erwartete erstens weiterhin rasantes Wachstum, und zweites war der Kaufpreis von 98.808 Mark auch für damalige Verhältnisse für einen Unternehmer niedrig. Zum Vergleich: Ein Arbeiter verdiente etwa 840 Mark im Jahr.

Weltbekannte Produkte aus Düsseldorf FOTO: dapd, dapd

Henkels Erfolgsgarant wurde das allseits bekannte Waschmittel Persil. Seit dem Jahr 1922 steht die weiße Persilfrau für das bekannteste Produkt Made in Düsseldorf. Und bis heute stehen große Uhren mit ihrem Konterfei in vielen Städten der Welt. Mit elf Stück gibt es nirgends so viele wie in Henkels Heimatstadt. Später expandierte Henkel - aus purer Not. So wurde etwa 1923 aus Warenmangel Klebstoff für die Persilverpackungen selbst produziert. Heute ist Henkel Weltmarktführer bei Klebstoffen - im Industriebereich und zuhause, etwa mit dem Pritt-Stift, der 85 Millionen Mal pro Jahr in Düsseldorf hergestellt wird.

Obwohl Henkel zum Weltkonzern wurde, in den Dax aufstieg, behielt es seine Wurzeln immer in Düsseldorf. Die Henkel-Eigentümer-Familie fühlte sich der Stadt stets verbunden. Anlässlich des Firmenjubiläums schenkte man den Bürgern den Sportpark Niederheid. Und viele große Henkel-Chefs wurden Ehrenbürger der Stadt. Der nächste soll Albrecht Woeste werden, der Henkel knapp 30 Jahre führte.

Quelle: RP
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