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Prozess um Attentat auf Kölner Oberbürgermeisterin
Henriette Reker schildert ihre Albträume

Henriette Rekers Statement beim Attentats-Prozess
Düsseldorf. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat am Freitagvormittag im Prozess um das Attentat als Zeugin ausgesagt. Vor Gericht schilderte sie, wie sie den Angriff erlebte und welche Folgen er bis heute hat. Es war die erste Begegnung mit dem Angeklagten Frank S. seit der Tat. Seine Entschuldigung lehnte sie für den Moment ab. 

Im Düsseldorfer Oberlandesgericht trat Henriette Reker dem Angeklagten Frank S. gegenüber. Die Messerattacke auf sie hatte er bereits zuvor gestanden. In ihrer Aussage vor Gericht beschrieb die 59-Jährige, wie sie das Attentat erlebte. 

Auf Bitten des Gerichts schilderte sie ihren Tagesablauf am 17. Oktober 2015. Sie habe den Tag ganz normal mit ihrem Ehemann beim Frühstück begonnen und sich dann auf den Weg zum Wahlkampfstand auf dem Wochenmarkt im Stadtteil Köln-Braunsfeld gemacht. Dort sei Frank S. als einer der ersten an sie herangetreten. Er habe um eine Rose gebeten. 

Frank S. wollte sich bei Reker entschuldigen. Das lehnte sie jedoch für den Moment ab. FOTO: dpa, ve fdt

"Als würde man mir die Kehle durchschneiden"

Den Moment, als er ihr das Messer in den Hals stach, beschreibt Reker in ihrer Aussage ebenfalls sehr deutlich. "Ich hatte das Gefühl, als würde man mir die Kehle durchschneiden." Ihre größte Sorge sei in dem Moment die Angst vor einer möglichen Lähmung gewesen. 

Henriette Reker ist sich bewusst, dass der Vorfall für sie vergleichsweise glimpflich ausgegangen ist. Im Krankenhaus habe man ihr gesagt, dass es pures Glück gewesen sei, dass das Messer des Täters nicht den Spinalkanal ihres Halswirbels getroffen hatte. Sie habe nach wie vor Albträume, erzählte Reker auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Barbara Havliza. 

Der Angeklagte Frank S. wollte sich am Prozesstag bei Reker entschuldigen. Das lehnte sie jedoch ab mit der Begründung, dass "das heute noch nicht die richtige Situation dafür" sei. 

Vorab: Konfrontation mit Attentäter kein Problem

Reker-Attentäter Frank S. vor Gericht in Düsseldorf FOTO: dpa, obe fdt

Bevor sie für ihre Aussage in den Gerichtssaal ging, gab die Kölner Oberbürgermeisterin vor Pressevertretern ein kurzes Statement ab. Darin räumte sie freimütig ihre Unsicherheiten ein. "Ich wusste ja auch nicht, wie das heute morgen sein würde, aber die Konfrontation mit dem Attentäter ist für mich kein Problem". 

Sie gehe davon aus, dass ihre Aussage nicht lange dauern werde, sagte Reker. "Ich bin froh, wenn ich meine Arbeit am Schreibtisch wieder aufnehmen kann."

Der 44-jährige Frank S. hatte der parteilosen Kommunalpolitikerin bei einem Wahlkampftermin im Oktober ein Messer in den Hals gerammt. Die lebensgefährlich Verletzte wurde einen Tag später zur Oberbürgermeisterin gewählt. Dem Angeklagten droht wegen versuchten Mordes lebenslange Haft.

(mer/jco/dpa)
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