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Serie Verliebt in Düsseldorf
Herrchen sucht Frauchen

Serie Verliebt in Düsseldorf: Herrchen sucht Frauchen
Läuft, mit Hund, bei RP-Redakteur Thorsten Breitkopf: Bei Valentina kommt Kuno gut an. Der Kleine Münsterländer ist ein Jagdhund, der sein Geschäft versteht. Dass er bewusst belanglos und gelangweilt in die Kamera schaut, ist Teil des Plans. FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Lässt es sich mit Hund leichter flirten? RP-Redakteur Thorsten Breitkopf hat getestet, welcher Hund die besten Flirtchancen bei jungen Frauen bietet. Von Thorsten Breitkopf und Andreas Bretz (Fotos)

Kleiner Münsterländer Kuno ist von Beruf Jagdhund und erinnert an Aika aus der ZDF-Serie Forsthaus Falkenau. Er ist der erste Leihhund, mit dem ich auf Brautschau durch Düsseldorf ziehe. Wir wagen uns an einem lauwarmen Mittwochabend auf die Ratinger. Und schnell stelle ich fest: Kuno ist ein Frauenversteher. Er muss nur so rum liegen, und schon kommen die ersten Frauen, wollen ihn streicheln. Oft fragen sie erst, ob sie das dürfen, und damit ist das Eis schon gebrochen.

Bei der Frauenjagd mit Jagdhund Kuno wird schnell klar, dass er gezielt Mädels aus zwei verschiedenen Kategorien auf sich (und hoffentlich auch auf mich) aufmerksam macht. Die eine Kategorie sind Frauen ohne Hundeerfahrung. Sie sind schnell beeindruckt, dass der Münsterländer auf's Wort hört, obwohl er ja ausgeliehen ist. Seine strenge jagdliche Ausbildung (und eine Packung Orlando-Meaty-Strips, ein stark riechendes Leckerli) machen ihn gehorsam.

Läuft nicht immer: Diese Frau liebt ihr Handy und nicht Lotte oder Breitkopf. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Auf der Ratinger ist es irgendwann zu dunkel. Und Kunos maßgeblichste Flirtfähigkeit - ein Blick, der suggeriert, Kuno wäre der ärmste und bemitleidenswerteste Hund Düsseldorfs - ist dahin. Im Dunkeln wird Kuno unsichtbar. Nix mit Frauchen kennenlernen.

Mittags auf dem Schadow-Platz wird der Kleine Münsterländer wieder zum Frauen-Magneten. Zum Beispiel bei Valentina (32). Die musste zwar erst von mir selbst angesprochen werden, doch dann übernimmt Kuno seinen Job und bezaubert Valentina durch sein herzerweichendes Pfote-Geben. Läuft! Damit kriegt er jede. Denn Valentina hat eigentlich ein bisschen Angst vor Hunden, jetzt nicht mehr. Allerdings muss man in der Pfötchen-Phase irgendwann die Bremse ziehen, sonst kriegt Kuno die ganze Aufmerksamkeit, und ich gar keine. Denn Kuno hat das, was Hundezüchter "Will to Please" nennen, der Drang, zu gefallen. Damit drohen Kuno und ich zu Konkurrenten zu werden.

Terrier-Hündin Lotti ist eine Flirtmaschine mit Draht zu Frauen. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Die zweite Kategorie sind Frauen, die selbst einen Hund haben, und mit mir über Futter, Krankheiten und Tier-Psychologen reden wollen. In dieser Kategorie läuft es schwieriger, was das Beispiel von Caro (30) zeigt. Das Gespräch wird schnell intensiv. Ihr Sennenhund Dorle und Kuno verstehen sich blendend, was ich auf Caro und mich zu übertragen versuche. Doch eigentlich habe ich ja keinen Hund, und daher auch keine Ahnung. Auf die Frage, ob Kuno die Krankheit "HD" habe, antworte ich mit "Nein, ich habe ihn dagegen impfen lassen!" Das war's mit der netten Caro. Denn wie sie mir mit deutlichen Worten erklärt, ist "HD" die Knochenverschleiß-Erkrankung "Hüftgelenksdysplasie", gegen die man natürlich nicht impfen kann. Caro hat durchschaut, dass Kuno nur mein Leihhund und damit aus ihrer Sicht ein billiger Anbaggerversuch ist. Sie wird wohl nicht meine Ehefrau.

Weimaraner Lotte ist eine Weimaraner-Hündin, und das ist so das Edelste, was der deutsche Waidmann an seiner Leine durch den Wald führen kann. Ihr grau-glänzendes Fell und ihre bernsteinfarbenen Augen machen sie zur schönsten Hundedame der Königsallee. Man braucht mit Lotte nur einige Minuten an einer x-beliebigen Ecke stehen zu bleiben, und schon bleiben auch die Frauen stehen. Sie schauen Lotte bewundernd an, und sie schaut anmutig zurück. So kann das über Stunden gehen. Doch ins Gespräch kommt man allenfalls mit Männern gehobenen Alters, die offenkundig einen Jagdschein haben. Für viele Frauen ist Lotte einfach zu schön. Keine will sie streicheln oder knuddeln. Angucken reicht. Das ist etwa so, als ginge Gisele Bündchen in die Dorfdisko von Wipperfürth. Angestarrt würde das Super-Model von Vielen. Aber sie anzusprechen, das traut sich keiner. Und so führt man mit Lotte auf Frauensuche ein eher einsames Leben. Außerdem ist Lotte ganz schön groß. Und jene Damen, die ein bisschen Angst vor Hunden haben, machen einen großen Bogen um sie. Und um mich.

Terrier-Mischling Lotti ist ein Mischling aus Yorkshire-Terrier und noch Irgendwas. Sie ist die ultimative Flirtmaschine. Das kleine Bündel rennt gezielt auf Frauen zu, springt sie an, freut sich, als hätte sie nach zehn Jahren im Tierheim ihr Herrchen wiedergefunden und wird sofort gemocht. Andrea (29) etwa kniet sich sofort zu Lotti herunter, schenkt ihr Spielsachen und will sie am liebsten adoptieren. Läuft also mit Lotti! Denn auch Laura (24), Kathrin (31) Desiree (45) und noch mindestens sechs andere Frauen, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe, reagieren exakt so wie Andrea.

Ist Lotti nun der ideale Flirt-Hund? Ja und nein. Denn Lotti ist wenig wählerisch. Und so baggert Lotti in ihrer unwiderstehlichen Art auch Frauen an, die ich ohne Lotti gar nicht kennenlernen würde. Es geht viel Zeit dadurch verloren, die kleine wuselnde Terrierhündin aus den Fängen von Frauen zu befreien, die locker meine Mutter (oder Großmutter) sein könnten.

Und dann gibt es da noch was: Eine Frau namens Silvia macht mich auf Lottis größtes Manko aufmerksam: "Das ist unter Garantie der Hund Ihrer Frau, stimmts?" So bringt Lotti mich nicht weiter.

Quelle: RP
 
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