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Zukunftstechnik
Hier ist Düsseldorf schon High-Tech-Testlabor

Zukunftstechnik: Hier ist Düsseldorf schon High-Tech-Testlabor
Beim Projekt "Ur:ban" wurden unter anderem Hilfstechniken für Autofahrer erforscht. FOTO: David Young
Düsseldorf. Die Landeshauptstadt gilt als Kandidat für eine Probestrecke für automatisiertes Fahren. Andere Zukunftstechniken werden in Düsseldorf bereits getestet: Roboter, die Waren vorbeibringen, Busse, die gut sehen, und Ampeln, die mitdenken. Von Christian Herrendorf

Noch ist es nur eine Idee im Landesverkehrsministerium. Und noch gilt die Konkurrenz aus Bayern wegen der landsmannschaftlichen Verbundenheit des Bundesverkehrsministers als Favorit. Aber in Düsseldorf könnte bald eine Teststrecke für Autos entstehen, die autonom fahren. Dass die NRW-Landeshauptstadt ein beliebter Standort für Tests und Pilotphasen ist, belegen andere Zukunftsprojekte:

Das Unternehmen Mobileye und die Rheinbahn testen, wie Technik tote Winkel überwinden kann. FOTO: Mobileye

Kluge Ampeln Düsseldorf war von 2012 bis Ende 2015 Teil des 80-Millionen-Euro-Projekts "Ur:ban". Finanziert vom Bundeswirtschaftsministerium sowie 31 Partnern aus Wirtschaft und Forschung wurden in verschiedenen Städten Systeme für intelligente Verkehrssteuerung untersucht. Neben digitalen Hilfen für Fahrer im Auto (kognitive Assistenz) und den psychologischen Auswirkungen auf den Menschen ging es dabei auch um Techniken in der Infrastruktur. Darauf lag der Schwerpunkt in Düsseldorf. Dabei erforschten das Verkehrsamt und seine Partner, wie Fahrzeuge passend zu ihrer Antriebsart optimal durch die Stadt geleitet werden können. Ein Ergebnis ist heute noch auf den Tafeln über den Hauptstraßen zu sehen, wenn dort Störungen und Umleitungsempfehlungen angezeigt werden.

Neben den passenden Routen untersuchten die Ingenieure auch, welche Informationen ein Fahrzeug braucht, um mit der richtigen Geschwindigkeit unterwegs zu sein, so dass sie an Ampeln nicht bremsen und wieder beschleunigen müssen. So erhielt ein 40-Tonner Angaben zu Steigungen, Tempolimits, Zebrastreifen und 250 Ampeln und errechnete so die optimalen Geschwindigkeiten. Die Angaben dazu kamen aus dem Rechner der Verkehrsleitstelle in Oberkassel. An einer Ampel am Oberbilker Markt wurden die Daten auch per W-Lan übertragen. Diese Form wird aber aus Kosten- und Reichweitengründen kritisch beurteilt.

Fotos: So funktioniert das vollautomatisierte Autofahren FOTO: dpa, jst jhe

Lieferroboter Auf dem Gelände der Metro in Flingern sind Roboter der Firma Starship im Testeinsatz. Kleine Quader mit vier Rollen sollen Waren zum Kunden bringen. Die Partner haben dies zu Anschauungszwecken schon einmal zwischen Lager und Hauptgebäude sowie mit Obst und Süßigkeiten zwischen Lager und einem nahegelegnen Kindergarten ausprobiert. Da dies gut geklappt hat, untersuchen die Unternehmen nun die technische Stabilität der Roboter, wie gut diese Funksignale empfangen und wie lange die Akkus halten. In wenigen Wochen sollen in Düsseldorf auch die ersten richtigen Tests in Deutschland beginnen. Die Roboter werden dann mit einem menschlichen Begleiter auf ihre Touren gehen, der schaut, wie die Geräte sich in kritischen Situationen verhalten und wie Menschen auf sie reagieren. Je nach Verlauf der Tests werden die Roboter in den nächsten Stufen dann immer stärker autonom auf Gehwegen unterwegs sein.

Die Metro sieht in der Erfindung von Starship eine Möglichkeit, Online-Lieferungen schneller und vor allem minutengenau abzuwickeln sowie zugleich Transportkosten und Emissionen zu senken. Wie groß der Markt beziehungsweise die Nachfrage sein wird, dazu gibt es noch keine Vorstellungen. Düsseldorf ist für die Partner nicht nur wegen des Firmensitzes der Metro und dessen Umfeld ein guter Standort für die Tests. Die Stadt sei sehr kooperativ mit Blick auf Genehmigungen und andere behördliche Fragen, heißt es aus dem Unternehmen.

Fotos: Sie verschiedenen Systeme der Hersteller FOTO: dpa, loe

Busse der Zukunft Das israelische Unternehmen Mobileye ist dafür bekannt, dass es optische Techniken entwickelt, die für selbstfahrende Autos entscheidend sind. Der Deutschlandsitz des Unternehmens ist in Düsseldorf. Vor Ort setzt Mobilyeye seine Erfindungen unter anderem in einem Projekt mit der Rheinbahn ein. Die Partner haben zwei Busse mit zusätzlicher Sicherheitstechnik ausgerüstet, die den Fahrern helfen soll, Unfälle zu vermeiden - insbesondere mit Zweiradfahrern oder Fußgängern. Mit Hilfe von Kameras und Bildschirmen erhält der Fahrer Hinweise, wenn sich ein Verkehrsteilnehmer im toten Winkel befindet. Signale tauchen auch auf, wenn der Bus die Spur verlässt, Abstände knapp werden oder aus Sicht des Systems eine Kollision droht. Die Pilotphase dient zum Beispiel dazu herauszufinden, wie die Technik an Haltestellen reagiert und wie die Fahrer auf die Warnungen reagieren. Düsseldorf gehört neben London zu den ersten Teststädten für die Technik.

Technikmesse Ende Juni war Düsseldorf zudem Standort der internationalen Fachmesse "ConCarExpo". Der Verein Deutscher Ingenieure hatte für zwei Tage eine Mischung aus Ausstellung, Konferenz und Forum mit mehr als 100 Vorträgen organisiert. Das Spektrum der Unternehmen reichte dabei von Start-ups über Microsoft und TomTom bis zu BMW und Continental. Die Teilnehmer sahen dort unter anderem einen Wagen, der selber das Fahrtenbuch führt, eine App, die eine Route alle 15 Sekunden optimiert, und ein Auto, das dank Kameras keinen Spiegel mehr benötigt.

Quelle: RP
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