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So wohnt Düsseldorf
Hier schlägt die Bibel Wurzeln

So wohnt Düsseldorf: Hier schlägt die Bibel Wurzeln
"Ein Ölzweig symbolisiert bis heute Leben und Hoffnung", sagt Ursula Hönsch. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Im Paradiesgarten von Ursula Hönsch wachsen 64 Pflanzen, die im Alten und Neuen Testament erwähnt werden - Weihrauch und Myrrhe sind auch dabei. Von Ute Rasch

Der Feigenbaum ist ein himmlisches Gewächs. Und die erste Pflanze, die in der Bibel erwähnt wurde. Ohne ihn kein Feigenblatt, mit dem Adam und Eva ihre Blößen bedeckten. Überhaupt lesen sich manche Stellen in der Heiligen Schrift wie ein Führer durch die Botanik, ein Buch, in dem man sein grünes Wunder erleben kann. Das findet auch Ursula Hönsch, die in Rath eine Oase geschaffen hat, in der die Bibel Wurzeln schlägt. Fehlt nur noch, dass hier Milch und Honig fließen...

Die Pforte zum Paradies ist ganz unscheinbar. Daneben eine Glocke und ein Hinweisschild: "Bin im Garten." Dort ist sie eigentlich immer, jedenfalls bei trockenem Wetter. Die blühende Welt von Ursula Hönsch ist nur 350 Quadratmeter groß, aber im Hintergrund einer schlichten weißen Klinkerfassade an der Spatenstraße gedeiht eine Vielfalt, als sei die Arche Noah, mit Saatgut beladen, hier gestrandet: Olivenbaum, Dattelpalme, Wein, Maulbeerbaum, Papyrus (aus dem das Körbchen für Moses geflochten war), Weihrauch und Myrrhe. Sie alle wachsen friedlich nebeneinander, gehegt von einer bibelfesten Gärtnerin.

Damit auch ihre vielen Freunde und Nachbarn erfahren, dass die Bibel eine Art Wiege der Gartenkunst ist, hängt an jeder Pflanze eine Art Visitenkarte mit Herkunft, Eigenart - und dem passenden Zitat. Da erfährt der staunende Besucher bei einer Tasse Minztee (Bibelkraut) und einem Stückchen Dattelkuchen (Bibelfrucht), dass Noah, der von der Arche, während der großen Flut eine Taube losschickte. "Als sie zurückkehrte, hatte sie im Schnabel einen frischen Olivenzweig, da wusste Noah, dass irgendwo wieder Land sein muss", erzählt Ursula Hönsch. Und mehr: "Zur Zeit von König Salomon wurde das besonders harte, schön gemaserte Olivenholz zum Tempelbau verwendet. Ein Ölzweig symbolisiert bis heute Leben und Hoffnung."

Als sie vor 30 Jahren mit ihrem Mann nach Rath zog, fand sie hinterm Haus die übliche Wiese mit Obstbäumen und ein paar Rosen. Dann aber besuchte das Paar den Bibelgarten in Erlangen - das muss ein Wink des Himmels gewesen sein. "Wir stellten fest, dass wir bereits einige Pflanzen hatten, die in der Bibel erwähnt werden. Das wollten wir ausbauen." Heute wachsen 64 der insgesamt 112 biblischen Pflanzen in ihrem Garten - nach jeder Reise wenigstens eine mehr - wie die Bananenstaude, die mal auf Sri Lanka klein angefangen hat.

Auch zwei alte Apfelbäume tragen in ihrem Garten Früchte, obwohl das mit Eva und dem Apfel so eine Sache ist. "Wenn wir davon ausgehen, dass das Paradies in Mesopotamien war, dann gab es dort überhaupt keine Apfelbäume", erläutert die Fachfrau. Zumal die Bibel sich auch gar nicht festlegt, da stünde schließlich nur: "Und Eva reichte Adam eine Frucht." Wird wohl ein Granatapfel gewesen sein, zitiert Ursula Hönsch die neueste Forschung. Dieser Baum sei eh' von biblischer Dimension: "Er hat 613 Kerne, exakt so viele Gesetze stehen im Alten Testament." Hat sie nachgezählt, die Kerne? Gelächter.

Woher sie das alles weiß? Zunächst mal besitzt sie selbstverständlich das wichtigste Nachschlagewerk: die Bibel. Ansonsten recherchiert auch eine Paradies-Gärtnerin ganz zeitgemäß im Internet. Apropos zeitgemäß: Im hintersten Winkel des Gartens steht ein gläserner Pavillon.

Dort baumelt das Gebiss eines Blauhais aus Marokko von der Decke. Piratenflaggen, Schatztruhen und Trommeln weisen den Weg in eine Phantasiewelt, auf Sand gebaut: Das ist das Reich ihres Enkels Marius (13), der eine Kindheit lang seine Abenteuerlust hier ausleben konnte. Nur wenige Schritte entfernt vom Garten Eden seiner Großmutter.

Quelle: RP
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