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Der Mai
Hochzeit mit Sprung ins kalte Wasser

Der Mai: Hochzeit mit Sprung ins kalte Wasser
Kurz vor der Hochzeit: Stefanie und Thomas Schwarz beim Gang zum Ufer. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Düsseldorf. Wer möchte schon am Freitag, den 13., heiraten? Thomas und Stefanie Schwarz zum Beispiel. Die Geschichte einer etwas anderen Hochzeit. Von Ludwig Krause

Zu schwärmen, dass Ehepaar sei so verliebt wie am ersten Tag, ist eigentlich ziemlich abgedroschen. Bei Thomas und Stefanie Schwarz kann man es trotz alledem sagen: Der 56 Jahre alte Bräutigam und seine 30-jährige Braut haben sich am Freitag das Ja-Wort gegeben, ein Paar sind sie erst seit frischen 26 Wochen. "Für mich war von Anfang an klar, dass ich sie heiraten möchte", sagt Thomas Schwarz.

Nach drei Wochen habe er ihr dann den Antrag gemacht. "Ich hatte also genug Zeit, mir etwas auszudenken." Wirklich überrascht habe seine Stefanie, damals noch eine Habicht, dann aber nicht geschaut. "Er hat ja genug Andeutungen vorher gemacht", sagt sie. Ganz romantisch sei er damals bei einer Flasche Wein auf die Knie gegangen, zwischen Musik von Pink Floyd und Marillion. Etwas überraschter waren dann doch die Schwiegereltern in spe, bei denen Tags darauf um die Hand der Tochter angehalten wurde. Mit glücklichem Ausgang, versteht sich.

Hand in Hand sind die beiden bereit, in den Unterbacher See zu steigen. Der Blick gilt der Hochzeitsgesellschaft. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Roter Teppich führt ins Wasser

Zwei Stunden vor der Trauung stehen die Verlobten am Ufer des Unterbacher Sees. Ein roter Teppich führt über die ins Wasser ragende Mole zum dort vertäuten Traufloß, in den Bäumen ringsum flattern weiße Schleifen. Zweifelsohne ein traumhafter Ort zum Heiraten - wenn das Wetter mitspielt. "Einen wirklichen Plan B haben wir eigentlich nicht", sagt Thomas Schwarz.

Überraschung geglückt: Mit der Leiter geht es auf die ins Wasser ragende Mole. Die Hochzeitsgesellschaft wartet schon auf dem roten Teppich. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Die unkenden Wetterberichte haben sie einfach weggewischt, und wieder haben sie Glück. Überhaupt: Dass sie in der kurzen Zeit den Zuschlag für die Trauung am Wasser bekommen haben, ist wohl vor allem dem Datum zu verdanken. "Am Freitag, den 13., will ja nicht unbedingt jeder heiraten", sagt Stefanie Schwarz. Und weil gestern der einzige Freitag, der 13., in diesem Jahr sein wird, haben sie eben sofort zugeschlagen.

Kennengelernt haben sich beide über ihre Arbeit bei der Bädergesellschaft, die Hochzeit am See passt also irgendwie. "Bevor ich Thomas getroffen habe, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal so heiraten würde", sagt Stefanie Schwarz. Denn einfach nur am Wasser, war den beiden dann doch zu normal. "Ihr Vater ist Tauchlehrer, sie hat einen Tauchschein, also ist uns die Idee gekommen, zur Hochzeitsgesellschaft zu tauchen", sagt der Bräutigam. "Gemeinsam ins neue Leben einzutauchen fanden wir irgendwie passend."

Strahlend blauer Himmel, gerührte Verwandtschaft und ein glückliches Ehepaar. Der Kuss vor dem vertäuten Hochzeitsfloß. FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Florist besorgt blaue Rosen

Aber was ist mit den Haaren? Dem Make-up? Dem Kleid? Und überhaupt? Wo andere Bräute und Brautjungfern schlagartig Schnappatmung bekommen würden, bleibt das Hochzeitspaar ganz entspannt. "Wir sind beide Harley-Fahrer, also ganz locker", sagt Thomas Schwarz.

Dass er eigentlich gar kein erfahrener Taucher ist, erst eine Woche zuvor das erste Mal mit Flasche in einem See getaucht ist? Egal. Dass nur ein einziger Florist in letzter Sekunde die passenden Blumen organisieren konnte (es sollten blaue Rosen sein)? Egal. Dass sie gar keine Zeit hatten, sich mit dem Standesbeamten zu unterhalten? Egal, der muss eh kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Ein Kollege springt ein, mit dem versteht sich das Brautpaar auf Anhieb.

Unterwasser-Romantik

Dann geht es für die beiden ins Wasser, gut versteckt hinter Gebüschen - schließlich ahnt die Hochzeitsgesellschaft noch nichts. Die Familien haben sich tags zuvor auf der Ratinger Straße in Düsseldorf angenähert, vorher war eben noch keine Zeit dafür.

Hand in Hand taucht das Hochzeitspaar los, teilt sich dabei eine Pressluftflasche. Unterwasser-Romantik pur. Auch wenn sie die Blasen an der Wasseroberfläche schon ankündigen, ist die Überraschung nach dem Auftauchen so groß wie der Empfang, der den Brautleuten bereitet wird. Das habe man so auch noch nicht gesehen, erzählen die Verantwortlichen vom Unterbacher See - und ungewöhnliche Trauungen habe man durchaus schon einige erlebt.

Natürlich heiraten die beiden aber nicht im Neopren-Anzug. Nach dem Empfang geht es kurz zum Umziehen. "Ich muss ein wenig früher zurück, weil ich das Brautkleid noch nicht gesehen habe", meint Thomas Schwarz. Also wartet er gemeinsam mit dem Standesbeamten und der Gesellschaft, als seine Stefanie im weißen Kleid vom Brautvater über den roten Teppich geführt wird. "Ich habe versprochen, dass ich ihr alles schenke, nur keine Langeweile", sagt der Bräutigam. Dann hat die Ehe ja schon richtig gut angefangen.

Quelle: RP
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