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Serie Düsseldorf und China
HPP baut in China 260-Meter-Turm

Das sind HPPs China-Projekte
Das sind HPPs China-Projekte FOTO: Jochen Helle
Düsseldorf. Am kommenden Freitag haben Joachim H. Faust und Werner Sübai einen wichtigen Termin in Shanghai. Dann wird mit vielen Gästen der zehnte Geburtstag des HPP-Büros in China gefeiert.  Das Architekturbüro aus dem Medienhafen beschäftigt in Shanghai 58 Planer. Von Uwe-Jens Ruhnau

Das traditionsreiche Düsseldorfer Architekturbüro hat sich im Reich der Mitte einen guten Namen erarbeitet und beschäftigt dort mittlerweile 58 Planer, die meisten von ihnen Chinesen. Jeden Montag gibt es eine Telefonkonferenz mit der Zentrale im Düsseldorfer Medienhafen. Dort freut man sich über die ehrgeizigen Ziele der Kollegen in Fernost: Sie wollen so viele Aufträge akquirieren, dass das Büro möglichst schnell auf 80 Köpfe wächst.

Das Leben ist schnell in China, der Druck hoch, für Wettbewerbe hat man meist weniger Zeit als in Deutschland. "Man muss Stress mögen, wenn man hier lebt und arbeitet", sagt Jens Kump, der das Büro aufgebaut hat und es mit Yu Wei leitet. Das Büro hat sich bislang an 200 Wettbewerben beteiligt und 40 Projekte realisiert.

Das Büro in China wurde von HPP-Partner Jens Kump (l.) gegründet. Er leitet es mit Yu Wei. FOTO: Ruhnau

Am Anfang zog in China vor allem der Name von Gerkan Marg und Partner, wenn es um Architektur aus Deutschland ging, die Hamburger starteten zehn Jahre vor HPP. Heute werden die Düsseldorfer bei immer wichtigeren Projekten eingeladen. So plant die Brics-Bank einen Neubau von rund 200 Metern Höhe in Shanghai, HPP soll einen Entwurf beisteuern. Große Auftraggeber waren in den vergangenen zehn Jahren die Greenland- oder die Wanda-Group, der Internetriese Alibaba. Aktuell das spektakulärste Projekt: ein 257 Meter hoher Turm in der Zwölf-Millionen-Metropole Shenzhen. Eine neue Dimension für die Architekten vom Rhein.

Angefangen hat das Abenteuer China für HPP 1998. Man beteiligte sich am Wettbewerb für die Peking-Oper, kam aber nicht zum Zuge. 2004 plante man noch in Deutschland die Henkel-Zentrale für Asia-Pacific in Shanghai, Mitarbeiter flogen nach China und blieben oft zwei Monate dort. "Das war unser Lernprozess", sagt Joachim H. Faust, geschäftsführender Gesellschafter bei HPP, "wir merkten, dass es besser wäre, vor Ort vertreten zu sein. Wir wollten lernen." So kam es zur Bürogründung 2006, die sich auszahlte, denn Architekten aus dem Ausland müssen eng mit chinesischen Partnern kooperieren. Im Projektablauf sind lokale Designinstitute zunehmend zu beteiligen, bei der Bauantragsplanung etwa örtliche Architektur-Institute. HPP plant anschließend die Leitdetails, die dem Designinstitut als Anleitung zur Erstellung der Bauplanung dienen und HPP zur kontinuierlichen Kontrolle. So geht es weiter, während der Bauphase sind die Deutschen bei Baustellenbesprechungen dabei, jedoch nicht in dem Ausmaß und der Pflicht wie daheim.

Die Fotos spektakulärer Bauten aus China gehen um die Welt. Dem entspricht die für HPP typische Sachlichkeit nicht. Das aber ist gerade gut so, "denn wozu sollte man uns brauchen, wenn wir alles genauso machen würden", sagt Faust und zitiert den Bürogründer Helmut Hentrich: "Ihr könnt alles machen, nur nichts Modisches." Dass Chinas Staatspräsident Xi dem Gigantismus in der Architektur eine Absage erteilt hat, spielt den Düsseldorfern in die Karten. Sie stehen für Qualität in Planung und Ausführung sowie ein besonderes städtebauliches Verständnis. Das Tor zur Stadt in Nanjing ist dafür ein Beispiel. 16 Gebäude, davon zwei 140-Meter-Türme, aber eben auch einen großen Grünzug hat man geplant. Das Expo-Village am Fluss Huangpu in Shanghai, erstes Projekt nach der Bürogründung, mutet in seiner terrassierten Form europäisch an. Um diese Qualität kämpfen Kump & Co bei ihren Auftraggebern immer wieder. "Better Life, better City" lautete das Motto der Weltausstellung in Shanghai. "Das hat man noch nicht geschafft", bilanziert Faust, "in China wird immer noch zu viel verdichtet und zugebaut." HPP will weiter seine Kunden maßgeschneidert bedienen, aber auch dabei helfen, dass sich die Menschen in den Mega-Städten wohler fühlen können.

Quelle: RP
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