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Kolumne Mein Düsseldorf
Humor gab der Stadt immer ein Profil

Düsseldorf. Düsseldorf ist profillos? Von wegen. Die Stadt hat großartige Humoristen hervorgebracht. Neben bekannten wie Heinrich Heine und Lore Lorentz zählen dazu auch weniger populäre Persönlichkeiten wie Hermann Harry Schmitz.

Angenommen, Sie werden gefragt, wofür Düsseldorf steht - was würden Sie sagen? Vielen fällt da nur die Altstadt oder die Kö ein, manche nennen noch den Rhein, ganz Kühne sprechen von Fortuna oder DEG, Alt mit Flönz, der Begriff Einkaufsstadt wird auch gerne erwähnt. Dass Düsseldorf einst die Stadt war, in der das private Telekommunikations-Netz (D 2 Mannesmann) startete, haben die meisten schon wieder vergessen, der Begriff Handy-City hat sich zurecht nicht durchgesetzt. Ganz klar - anders als Köln (Dom und Karneval), München (Oktoberfest und Beckenbauer) oder Hamburg (Reeperbahn und Hafen) hat Düsseldorf kein klares Profil. Und das wird sich so schnell nicht ändern, auch wenn die Rathaus-Chefs immer wieder versuchen, gegenzusteuern. Joachim Erwin hat das bereits getan und immerhin eine respektable Olympia-Bewerbung auf den Weg gebracht, sein Nachfolger Dirk Elbers blamierte sich mit einem lachenden D (das, wie man erst nach Begleichung einer saftigen Rechnung merkte, auch von anderen gern genommen wurde), und der derzeitige Amtsinhaber hat womöglich Handlungsbedarf erkannt und ist dabei, die städtische Marketinggesellschaft umzukrempeln.

Warum wir das erwähnen? Weil wir uns seit geraumer Zeit wundern, wie blind manche sind, wenn es darum geht, Naheliegendes zu sehen - Düsseldorfs Humoristen nämlich. Man kann sie auch als Comedians, Narren, Witzbolde, Satiriker bezeichnen. Weil jeder anders ist oder war. Aber in seinem Fach berühmt, teilweise sogar weltberühmt. Wer jemals mit Bedacht Heines Texte gelesen hat, wird in einigen den großartigen Humor des Dichters wiederfinden, die feine Ironie, mit der er seine Umwelt und die Menschen beschreibt. Zurecht wird er mit anderen großen deutschen Dichtern in einer Liga gesehen. Düsseldorf brauchte jedoch lange, um diesen (jüdischen) Mann und seine Bedeutung zu erkennen. Oder Hermann Harry Schmitz - leider viel zu wenig bekannt, obwohl sein Humor großartig, schrill, grotesk, chaotisch und immer wieder absolut atemberaubend unberechenbar ist. Gäbe es nicht die kleine, agile Harry-Schmitz-Gesellschaft und deren winziges Domizil (ein ehemaliger Uhrenturm an der Grafenberger Allee), der gute Herr Schmitz wäre wohl längst vergessen. Populärer und unvergessen dagegen Lore Lorentz, große Dame des deutschen Kabaretts bis zu ihrem Tod, Leitfigur für viele, die heute noch in dieser Branche unterwegs sind. Ihr Sohn Kay, seit Jahren aus dem Schatten der Eltern getreten, macht heute im Kom(m)ödchen zwar weniger politisches Kabarett, aber mehr denn je ein Programm, das sich großartig ironisch, manchmal zynisch, aber immer auf den Punkt und treffsicher mit all den Dingen beschäftigt, die den Deutschen auf der Seele oder anderen Köperteilen liegen. Dass sein Kom(m)ödchen-Gewächs Christian Ehring im TV Erfolge feiert, ist kein Zufall.

Am bildmächtigsten jedoch ist - ganz anderes Genre - Jacques Tilly. Der Konstrukteur der Wagen für den Rosenmontagszug beschert der Stadt jetzt schon seit Jahren eine weltweite Medienpräsenz. Egal, ob er Putin, George Bush, Osama bin Laden, Hitler oder andere Figuren auf die Schippe nimmt - die Aussage ist stets so eingängig, dass sie auch in USA, China oder Japan auf Anhieb verstanden wird. Neben der Messe und der Kö dürfte Tilly die Düsseldorfer Institution sein, die den Namen der Stadt am besten verbreitet. Seine dreidimensionalen Karikaturen zeugen von großem Talent und hoher Handwerkskunst. Und was macht die Stadt damit? Ganz einfach - nichts.

Nun wird keiner auf die Idee kommen, Düsseldorf zu einer Narrenhochburg zu erklären und als eine Art Comedian-City zu vermarkten. Aber vielleicht ein paar Kreative mal darauf zu setzen mit der Aufgabe, Ideen zu entwickeln, wäre doch zumindest ein Ansatz.

Ganz im Ernst.

Hans Onkelbach

Quelle: RP
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