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Kolumne Auf Ein Wort
Ich mag den Herbst

Düsseldorf. Jedes Jahr im Spätsommer genieße ich es ganz bewusst, an den letzten warmen Tagen draußen zu sein und die Wärme der Sonne im Gesicht zu spüren, gemütlich am Rhein zu sitzen oder bei angenehmen Temperaturen Fahrrad zu fahren.

Denn das fehlt mir in der kalten Jahreszeit. Und doch mag ich auch den November, selbst wenn es draußen oft grau, regnerisch und ungemütlich ist - so richtiges rheinisches Schmuddelwetter. Diese Wochen gehören zum Jahresrhythmus einfach dazu. Frühling, Sommer, Herbst und Winter - alles hat seine Zeit. Ich möchte keine der Jahreszeiten missen. Sie ergänzen sich. Jede ist auf besondere Weise kostbar.

Die trüben Herbsttage führen einem das Ende des Kirchenjahres deutlich vor Augen. Die Blätter fallen, die großen Kastanien hinterm Haus haben längst ihre Früchte abgeworfen und werden zusehends kahl. Der Anblick der Natur zwingt förmlich dazu, sich mit Vergänglichkeit, Tod und Trauer auseinander zu setzen. Den Rest des Jahres über kann man solche Gedanken leichter verdrängen, aber jetzt kann man ihnen nicht mehr ausweichen.

Nicht von ungefähr gedenkt man in diesen Tagen der Verstorbenen ganz besonders und besucht die Gräber. Volkstrauertag und Totensonntag lassen uns deutlich erfahren: Ob wir es wollen oder nicht, alles Leben ist begrenzt. Diese Erkenntnis tut weh. Doch sie ändert auch den Blick auf das eigene Dasein.

Wie gehen wir eigentlich mit unserer persönlichen Zeit um? Machen wir das Beste aus jedem Tag und seinen Möglichkeiten?

"Alles hat seine Zeit," sagt der Prediger Salomo in der Bibel (Prediger 3,3). Geboren werden und sterben, lachen und weinen.

Unsere Zeit ist uns von Gott anvertraut, damit wir sie füllen. Mir wird deutlich, wie wichtig es ist, dass ich jeden Tag überlegt gestalte. Ich nehme mir vor, Pläne auch wirklich umzusetzen und jede einzelne Minute auszukosten, die sich mir bietet. So gesehen ist der Herbst für mich auch eine Chance, bewusster zu leben und, wo nötig, neue Weichen zu stellen.

Quelle: RP
 
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