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Interview Nico Elze
"Ich träume von Zocker-Turnieren im Kino"

Interview Nico Elze: "Ich träume von Zocker-Turnieren im Kino"
Nico Elze, hier im Eingang des Metropol-Kinos, führt die Geschäfte der Düsseldorfer Programmkinos. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Der neue Geschäftsführer der Programmkinos Atelier, Bambi, Cinema und Metropol über Kino für die jüngere Generation.

Herr Elze, Ihr Vorgänger Udo Heimansberg hat das Metropol und später auch Savoy, Bambi und Cinema seit 1979 geführt. Dass Sie nun die Geschäftsführung übernommen haben, ist also ein echter Generationenwechsel. Was machen Sie anders?

Elze Kino ist Kino, man muss da gar nicht alles anders machen. Ich schätze die Tradition der Programmkinos sehr. Aber interessanterweise fange ich zusammen mit der neuen Technik an. Wir haben ja in den vergangenen Jahren von 35-Millimeter- auf Digitaltechnik umgestellt. Dadurch bieten sich viele Möglichkeiten, auch außerhalb der klassischen Filmvorführungen.

An was denken Sie?

Elze Wir können zum Beispiel die Leinwand für Präsentationen verwenden. Die Fachhochschule hat ja während der Bauzeit bereits das Metropol für Vorlesungen genutzt. Man kann die Kinos auch für Kongresse nutzen, wo sich Ärzte gemeinsam die Übertragung einer Operation anschauen, oder für Tagungen von Firmen. Da ich selbst aus der Generation Spielkonsole komme, habe ich noch einen anderen Traum.

Was denn?

Elze Wir könnten auch Zocker-Turniere ausrichten, bei denen in jedem unserer Kinos ein Team vor der Leinwand sitzt. Aber da müssen wir noch schauen.

Mit 34 Jahren gehören Sie auch zu der Generation, die Filme und Serien über das Internet schaut. Sind Kinos angesichts diese neue Konkurrenz überhaupt noch interessant?

Elze Ja, denn wir leben von zwei Vorteilen. In unseren vier Kinos zeigen wir vor allem Erstaufführungen, also Filme, die zu Hause erst viel später erhältlich sind. So lange wir dieses Privileg haben, kommen die Zuschauer. Außerdem sind Kinos ein sozialer Treffpunkt. Zu Hause lache ich alleine auf der Couch, im Kino mit anderen. Das Persönliche ist für uns sehr wichtig.

Wie meinen Sie das?

Elze Die Programmkinos leben von den Service-Leistungen. Wir kennen uns aus mit Filmen und haben eine Redaktion, die selbst die Texte zu den Filmen erstellt. Darüber hinaus laden wir regelmäßig Regisseure und Schauspieler zu Vorführungen ein. Diese Aktionen sind für uns sehr wichtig. Was ich auch ausbauen möchte, sind die Vorstellungen von Filmen in Originalsprache mit Untertiteln.

Wie wäre es denn, wenn Sie auch wieder mit den legendären "Rocky Horror Picture Show"-Abenden anfangen?

Elze Wir bekommen dazu wirklich manchmal noch Anfragen. Aber dafür fehlt das Publikum. Wir stellen fest, dass vor allem die junge Generation sehr strebsam ist: Wenn ein Film um 21 Uhr beginnt, ist das für viele schon spät.

Wie sind Sie denn eigentlich selbst zum Kino gekommen?

Elze Ich habe schon als Jugendlicher in Herford als Filmvorführer gejobbt. Ich fand das toll: Man hat praktisch was zu tun und kann sich mit den Besuchern über Filme unterhalten. Als ich dann zum Studium der Kunstgeschichte nach Düsseldorf gezogen bin, habe ich mich gleich im Bambi beworben. Nach dem Bachelor habe ich dann vor fünf Jahren in Vollzeit als Theaterleiter im Metropol angefangen. Irgendwann hat mich Udo Heimansberg gefragt, ob ich die Geschäftsführung übernehmen will. Ich habe fast ein halbes Jahr überlegt und Ja gesagt.

Brauchen die Kinos im Zeitalter der Digitalttechnik überhaupt noch Filmvorführer?

Elze Der Job hat sich natürlich sehr verändert. Früher musste man wirklich was von Maschinen verstehen, das habe ich auch noch erlebt. Heute muss man höchstens noch Play drücken, die digitalen Geräte sind sehr wenig störanfällig. Wir schulen die Vorführer heute mehr als Servicekräfte.

Kann man am Kino selbst noch etwas verbessern?

Elze Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann vor allem mehr gute Filme. Der Markt wird leider von Filmen überschwemmt, auch von öffentlich geförderten Produktionen. Da ist aber vieles dabei, was wir schnell wieder aus dem Programm nehmen, weil es die Besucher nicht interessiert.

Welche Filme suchen Sie?

Elze Früher gab es eine klare Aufteilung: Die großen Kinos machen die Blockbuster, die Programmkinos kümmern sich um Art House. Inzwischen gibt es immer mehr Filme, die liegen irgendwo dazwischen. "Interstellar" von Christopher Nolan ist dafür ein gutes Beispiel, oder auch "Ziemlich beste Freunde", der erst in Programmkinos gestartet ist und später auch in den Multiplexen lief. Das sind intelligente Filme mit Anspruch, die aber auch ein großes Publikum unterhalten. Ich wünsche mir darüber hinaus mehr Filme, die junge Leute ansprechen. Ein tolles Beispiel dafür war die deutsche Produktion "Victoria".

Gehen denn überhaupt viele junge Leute ins Programmkino?

Elze Ja. In den vergangenen Jahren kommen wieder deutlich mehr, zum Glück haben uns zugleich auch die Älteren die Treue gehalten. Wir hatten beim Nachwuchs einen Einbruch, als wir die Programme nicht mehr kostenlos an der Uni auslegen durften. Aber inzwischen informieren sich die Jüngeren über das Internet, das merken wir.

Müssen die Düsseldorfer Programmkinos ums Überleben kämpfen?

Elze Nein. Das Kino wurde immer wieder totgeschrieben, schon bei der Einführung der Videokassette. Aber der Branche geht es ganz gut. Das letzte Jahr war sogar bombig, denn der Sommer war schlecht.

Manche großen Kinos sind dabei, besonders luxuriöse Säle einzurichten. Ist mehr Luxus auch was für die Programmkinos?

Elze Wir wollen das Kino für Bildungsbürger bleiben, kein Edelkino. Was ich mir schon vorstellen könnte, ist die Gastronomie auszubauen, damit die Besucher nach dem Film bleiben, um noch etwas zu trinken. Wir richten die Kinos natürlich auch immer wieder her. Wir planen gerade Investitionen in Höhe von 100.000 Euro in die Säle im Bambi und im Metropol und erledigen auch kleinere Arbeiten in Cinema und Atelier. Wir konzentrieren uns aber vor allem auf die Inhalte und wollen nicht mehr Geld rausholen, weil der Saal so schick ist.

Kommen Sie eigentlich selbst noch dazu, ins Kino zu gehen?

Elze Tatsächlich entdecke ich das Kino für mich privat gerade wieder neu. Zu meiner Zeit als Theaterleiter musste ich meistens arbeiten, während die Vorstellungen liefen. Da ich die laufenden Geschäfte nun tagsüber erledigen kann, habe ich den einen oder anderen Abend wieder Zeit für einen guten Film in unseren Kinos.

ARNE LIEB FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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