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Kolumne Auf Ein Wort
Im Gespräch bleiben

Düsseldorf. Ordensschwester Elisabeth Jansen über Dialog und Glauben

"Es ist wichtig, dass der Gesprächsfaden nicht abreißt ..." so hören wir es in den Konflikten der Welt aus dem Mund der Politiker/-innen. Katholische und evangelische Bischöfe besuchen gemeinsam das Heilige Land, sie knüpfen den Dialogfaden weiter, der Voraussetzung für den ökumenischen Prozess ist. Wir alle wissen, wie wichtig das Gespräch, der Austausch, der kritische Dialog in vielen Alltagssituationen ist.

Im Gespräch bleiben - gilt das nicht für uns Christen auch für unseren Glauben? In unserem gesellschaftlichen Kontext ist christlicher Glaube nicht mehr selbstverständlich, aus der Volksreligion ist immer mehr eine Entscheidungsreligion geworden. Was glaube ich wirklich? Wie ist meine Beziehungsgeschichte mit Gott? Jede und jeder Einzelne ist gefragt, einen Standpunkt zu haben und den auch vertreten zu können. In einer immer vielfältigeren Gemeinschaft sind wir herausgefordert, nicht nur das christliche Abendland und die Werte zu beschwören, sondern auch über sie sprechen zu können, sie zu leben.

Immer wieder begegnen mir Menschen, die einen Ort suchen, wo sie offen über ihre Erfahrungen mit Gott, über ihren Glauben, ihre Fragen und Zweifel sprechen können. In vielen Pfarrgemeinden und kirchlichen Einrichtungen, etwa im Maxhaus in der Carlstadt, gibt es Angebote, wo Menschen ihr Glaubenswissen vertiefen und sich über ihre Glaubenserfahrungen austauschen können. Wir brauchen auch bei uns kleine "christliche Gemeinschaften", wie wir sie aus anderen Ländern kennen, die Begegnungsorte sind für glaubende und suchende Menschen.

Ich gehöre zur Ordensgemeinschaft der Servitinnen, die in ihrem Kloster mitten in der Stadt eine Gesprächsoase anbietet - einen Ort, wo Menschen über ihre Lebenssituationen und Glaubensfragen sprechen können oder wo sie im längeren Prozess einer geistlichen Begleitung ihren Weg mit Gott finden und vertiefen können.

Gott bleibt im Gespräch mit den Menschen - das zeigt uns das Weihnachtsgeheimnis. Der Advent kann uns einladen, den Dialog mit Gott neu zu beginnen, ihn zu vertiefen oder neue Wege zu suchen, Mit-suchende, Mit-glaubende - für den eigenen Weg und zur Befähigung zum christlichen Engagement in unserer Gesellschaft.

ELISABETH JANSEN IST ORDENSSCHWESTER IN DÜSSELDORF

Quelle: RP
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