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Serie Der Mai
Im Maien der Bauer

Serie Der Mai: Im Maien der Bauer
Johannes und Angelika Baum in einem ihrer Gewächshäuser. Ihr Wecker klingelt meist um fünf, gemeinsame Urlaube sind eine Ausnahme. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Nicht nur für Heiratswillige ist der Mai wichtig, für Gemüse- und Blumenbauern gehört er ebenfalls zu den wichtigsten Monaten im Jahr. Von Beate Werthschulte

Johannes Baum (54) führt gemeinsam mit seiner Frau Angelika (52) in Volmerswerth einen kleinen Familienbetrieb für Gemüse- und Pflanzenbau. Als ältester Sohn hat er den Betrieb nach seiner Gärtner-Lehre im Blumen- und Zierpflanzenbau von seinen Eltern Johannes und Mathilde übernommen und damit eine Tradition fortgesetzt. Bereits sein Vater hatte den Hof als jüngster Sohn von elf Geschwistern ebenfalls von den Eltern übernommen.

Hatten die Volmerswerther und Hammer Bauern in früheren Jahren noch Tiere, beispielsweise Schweine oder Hühner, schafften die meisten Betriebe das in den 1950er Jahren ab, weil sich die Tierhaltung einfach nicht mehr lohnte. So war es auch bei Familie Baum. Die ging dazu über, nur noch Gemüse anzubauen, zunächst alle möglichen Kohlsorten, später auch feinere Gemüse wie Salate oder Tomaten. Diese wurden dann auf dem Großmarkt verkauft. Als Johannes Baum den Betrieb übernahm, lohnte sich das finanziell auch schon nicht mehr wirklich. "Ich wollte nicht weiterhin für "'nen Appel und 'n Ei" Gemüse auf dem Großmarkt verkaufen und habe den Betrieb zunächst auf den Anbau von Blumen umgestellt", sagt er.

Seitdem verkauft Baum Blumen gemeinsam mit seiner Frau auf verschiedenen Wochenmärkten in der Umgebung von Düsseldorf, beispielsweise dienstags und freitags in Langenfeld. Dies sei natürlich ein Saisongeschäft und lohne sich insbesondere von März bis Juni. Deshalb sei der Mai einer der wichtigsten Monate des Jahres. Traditionell werden im Mai, gleich nach dem 15., wenn als letzte der fünf so genannten Eisheiligen die "kalte Sophie" vorüber ist, in den Gärten und auf Terrassen und Balkonen die Sommerblumen gepflanzt. Also müssen in dieser Zeit täglich die Blumen gepackt und für den Verkauf vorbereitet werden. Einen anderen Teil seiner Blumen verkauft der Volmerswerther über die Erzeugergenossenschaft Landgard. Diese, sagt er, habe die kleinen Bauern nicht vergessen - ein guter Grund sei das, die Partnerschaft zu pflegen.

Um im Anschluss an die Blumensaison das Sommerloch zu schließen, baut der 54-Jährige längst auch wieder Gemüse an, allerdings nicht mehr wie früher für den Großmarkt. Alles, was er anbaut, wird ausschließlich selbst vermarktet, also auf den Wochenmärkten verkauft. Und natürlich wird der Eigenbedarf der Familie, zu der neben den Eltern die beiden inzwischen erwachsenen Kinder Vanessa (26) und Patrick (23) gehören, gedeckt. Neben Salaten und verschiedenen Kräutern werden Bohnen, Gurken, Tomaten und Paprika angebaut. Auch für den Gemüseanbau ist der Mai ein ganz wichtiger Monat, denn um beispielsweise Bohnen oder Gurken ungefähr ab Mitte Juni verkaufen zu können, müssen sie im Mai angepflanzt werden. Bei der Schädlingsbekämpfung setzt Baum übrigens verstärkt auf den Einsatz so genannter Nützlinge, die den Pflanzenschutz unterstützen.

Da heutzutage viele Menschen Gemüse gerne im eigenen Garten anbauen, bietet Familie Baum neben Blumen und Gemüse auch die meisten Nutzpflanzen wie beispielsweise Salate, verschiedene Kohlsorten, Tomaten, Zucchini oder Auberginen als Setzlinge an. Deshalb gehört zu den Hauptarbeiten im Mai auch das so genannte, recht aufwendige Pikieren der vielen jungen Pflänzchen. Sie werden einige Wochen nach der Aussaat in kleine Schälchen umgepflanzt und dann auf den Wochenmärkten verkauft.

Baum und seine Frau, die selbst aus einer Gemüsebauernfamilie stammt, lieben ihre Arbeit. Sie machen fast alles selbst und beschäftigen nur zeitweise eine Saisonkraft. Das bedeutet zwar, dass die beiden meistens an sieben Tagen in der Woche arbeiten, morgens in der Regel um fünf Uhr aufstehen und gemeinsame Urlaube nicht oft möglich sind, aber es macht ihnen eben Freude. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen Eltern und Kinder die beiden natürlich, wenn mal "Not am Mann" ist. Allerdings, so Baum, seien in den letzten Jahren vielfältige administrative Aufgaben dazu gekommen, die ein kleiner Familienbetrieb wie seiner kaum noch bewältigen kann. Sicherlich ist dies einer der Gründe dafür, dass ihre Kinder sich beruflich ganz anders orientiert haben und den elterlichen Betrieb nicht übernehmen wollen.

Quelle: RP
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