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Erfinderregion Rheinland Rp und Cohausz & Florack stellen vor
Im Schlamm steckt Zukunft

Erfinderregion Rheinland Rp und Cohausz & Florack stellen vor: Im Schlamm steckt Zukunft
Marc Buttmann vor einer Halde mit Biokohle. "Die sichere Entsorgung von Klärschlamm ist ein weltweit drängendes Problem", sagt er. FOTO: privat
Düsseldorf. Ein Düsseldorfer Unternehmen baut in China die weltweit erste Anlage, in der die Abfallprodukte von Kläranlagen in Biokohle verwandelt werden. Von Ute Rasch

Aus Abfall Geld zu machen, dürfte der Traum eines Erfinders sein. Marc Buttmann scheint der Lösung ganz nah zu sein. Der Unternehmer hat jede Menge Kohle, denn er erzeugt seinen Bio-Brennstoff aus einem Material, das niemals knapp wird: Klärschlamm. Mehrfach wurde seine Idee ausgezeichnet, mit ihr Geld zu verdienen, erwies sich lange als schwierig. Doch jetzt ist der Vertrag für einen ersten Großauftrag in China unterschrieben.

"Die sichere Entsorgung von Klärschlamm ist ein weltweit drängendes Problem", erläutert Marc Buttmann. Allein in Deutschland fallen jedes Jahr zehn Millionen Tonnen Klärschlamm an, ihn zu verbrennen, kostet viel Energie und somit Geld. "Deshalb landet er immer noch als Dünger auf den Feldern, obwohl er Schadstoffe enthält." Stattdessen sei es möglich, den Klärschlamm in pure Energie zu verwandeln.

Wie die Zukunft buchstabiert werden könnte, demonstriert Buttmann auf einem Industriegelände in Lierenfeld. Dort betreibt sein Unternehmen TerraNova Energy eine Versuchsanlage, die aus drei organge-farbenen Containern besteht. Vereinfacht gesagt wird oben Schlamm aus Kläranlagen eingefüllt. Was dann passiert, ist ein chemischer Prozess, der der Natur abgeguckt wurde. Buttmann: "Wie bei der Entstehung der Kohle, arbeiten auch wir mit hohen Temperaturen und starkem Druck." Und mit einem speziellen Katalysator. Der Unterschied: Wofür die Natur Millionen Jahre brauchte, entsteht in Lierenfeld in wenigen Stunden: Biokohle. Buttmann: "Schadstoffe, die im Klärschlamm stecken, werden dabei vernichtet, wertvolle Rohstoffe wie Phosphor wieder gewonnen und als Flüssigdünger verwendet."

Marc Buttmann (l.) erklärt sein Geschäftsmodell.

Die Idee stammte ursprünglich von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts. Buttmann hat mit seinem Team darauf aufgebaut, die Idee weiterentwickelt, mittlerweile mehrere Patente angemeldet und etliche Schlagzeilen bundesweit produziert. Im vergangen Jahr wurde TerraNova Energy mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet, einige Monate später wurde Buttmann zum "Düsseldorfer des Jahres" in der Kategorie Innovation und Nachhaltigkeit gewählt.

Wirtschaftlichen Erfolg bescherte ihm dies alles lange nicht. Dabei kämpfen alle Kommunen damit, den Schlamm ihrer Kläranlagen loszuwerden. Buttmann: "Das Problem ist, dass die Städte über die Umlagefinanzierung ihrer Kläranlagen keine finanzielle Not haben, ein neues Verfahren einzusetzen, auch wenn dadurch die Betriebskosten gesenkt würden." Außerdem wolle wohl niemand der erste sein. In Deutschland, lautet sein Fazit, setze man eher auf Bewährtes als auf eine Innovation.

Das sei in anderen Ländern ganz anders. "In China will man das Neueste", so Buttmann. Und deshalb wird in der Nähe von Peking soeben die weltweit erste Anlage gebaut, die Biokohle aus Klärschlamm gewinnt. Andere chinesische Metropolen seien ebenfalls interessiert. Außerdem hat Buttmann soeben einen Kooperationsvertrag mit einem französischen Unternehmen unterschrieben, das Wasserwerke, Klär- und Müllverbrennungsanlagen baut. Seine Partner sind wie der Düsseldorfer Unternehmer von der Idee fasziniert: Im Schlamm steckt Zukunft.

Quelle: RP
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