| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Immer mehr Schrotträder im Stadtbild

Düsseldorf: Immer mehr Schrotträder im Stadtbild
Wird das noch gebraucht oder kann das weg? Diese Frage muss sich das Ordnungsamt regelmäßig bei Fahrrädern wie diesen stellen. FOTO: Anne orthen
Düsseldorf. Sie blockieren Ständer und Wege: Räder, deren Besitzer sie nicht mehr abholen. Bis die Stadt sie entfernen darf, vergehen Wochen. Von Laura Ihme

Sie sind schmutzig und von der Witterung mehrerer Jahreszeiten gezeichnet, ihre Einzelteile sind verbogen und ihre Körbe werden von den vorbeilaufenden Passanten längst als Mülleimer genutzt: Schrotträder bestimmen mehr und mehr das Stadtbild von Düsseldorf - und blockieren damit Fahrradständer und Bürgersteige. In Zeiten steigender Radfahrerzahlen sind sie damit zum besonderen Ärgernis für alle Radler geworden. Doch sie zu entfernen, ist schwierig.

Diese Hinweiszettel bringt die Stadt an vermeintlichen Schrotträdern an. FOTO: Anne Orthen

"Um ein Schrottfahrrad entsorgen zu dürfen, müssen wir zunächst den Besitzer darauf hinweisen, dass wir den Verdacht haben, dass das Fahrrad nicht mehr genutzt wird", sagt Sebastian Veelken vom Düsseldorfer Ordnungsamt. Denn selbst wenn ein fragliches Fahrrad noch so ungenutzt und kaputt aussieht: Es kann immer sein, dass der Besitzer es mit Absicht dort, wo es gefunden wurde, abgestellt hat und es weiter nutzen will. Es ist nicht verboten, sein Rad über eine längere Zeit im öffentlichen Raum, etwa an einem Fahrradständer abzustellen.

Sonderlich wahrscheinlich ist das allerdings nicht. "Wir unterscheiden dabei zwei Fälle: Es gibt jene, die ihre Räder einfach vergessen. Das ist in einer Stadt mit einer so hohen Fluktuation wie Düsseldorf gar nicht so unwahrscheinlich", erklärt Veelken. Da würde das Rad etwa beim Umzug vergessen. Der zweite Fall, mit dem es das Ordnungsamt zu tun hat, sind stark beschädigte, demolierte Räder, die nicht mehr fahrtüchtig sind. "Die finden wir oft in der Altstadt. Die Besitzer sind dann meist zum Feiern in die Altstadt gefahren und ihr Rad wurde Opfer von Vandalismus. Sie nehmen das kaputte Rad dann nicht mehr mit nach Hause", sagt Sebastian Veelken.

Um festzustellen, ob ein Rad tatsächlich besitzerlos geworden ist, bringt ein Team von Mitarbeitern des Ordnungsamtes und des Amtes für Verkehrsmanagement einen Hinweiszettel an dem Fahrrad an. Steht das Fahrrad beim nächsten Rundgang einige Wochen später noch immer samt Zettel an Ort und Stelle, wird es entfernt. Für den Fall, dass sich danach doch noch ein Besitzer meldet, wird es anschließend noch vier Wochen im Fundbüro aufbewahrt, bevor es entsorgt oder versteigert wird.

Seit 2003 verfährt die Stadt nach diesem Prinzip. Das Team zur Entsorgung der Schrotträder fährt dabei sowohl auf eigene Faust das Stadtgebiet ab und prüft vor allem bekannte Stellen für Schrottfahrräder wie den Hauptbahnhof, den Bilker S-Bahnhof sowie die Altstadt, nimmt aber auch immer Meldungen von Bürgern entgegen. Pro Jahr werden nach Angaben des Ordnungsamtes auf diese Weise rund 1200 Fahrräder sichergestellt. Einen Anstieg der Zahl will man nicht bemerkt haben.

Und doch wirkt es in Zeiten, in denen Stellplätze für die vielen Radfahrer ohnehin schon knapp bemessen sind, so, als sei die Stadt voll von Schrotträdern. "Sie sind immer wieder ein Ärgernis", sagt auch Lerke Tyra vom ADFC Düsseldorf. Und das ist ein Grund mehr für sie, die Aufstellung von mehr Fahrradständern im gesamten Düsseldorfer Stadtgebiet zu fordern. "Man findet inzwischen oft keinen Platz mehr", sagt sie. Auch solle das Online-Formular zur Meldung von Schrotträdern sichtbarer auf der Fahrrad-Internetseite der Stadt platziert werden. "Das ist fast nicht zu finden", kritisiert sie.

Theo Hilger vom Bürger- und Heimatverein Volmerswerth, selbst immer mit dem Rad unterwegs, fordert zudem, die Stadt müsse noch stärker kontrollieren. "Am Bilker S-Bahnhof stehen ständig Schrotträder herum. Dass da regelmäßig kontrolliert wird, kann ich mir nicht vorstellen", sagt er.

Eine schnelle Lösung des Problems kann und wird es jedoch nicht geben, ist sich der Fahrradbeauftragte der Stadt, Steffen Geibhardt, sicher: "Die Rechtslage ist einfach zu schwierig. Man darf eben nicht einfach so ein Fahrrad mitnehmen, sondern muss sich mit dieser Zeitlösung behelfen", sagt er. Eine gesetzliche Anpassung könne da vielleicht helfen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Immer mehr Schrotträder im Stadtbild


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.