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Düsseldorf
In Düsseldorf fehlen Sonderpädagogen

Düsseldorf: In Düsseldorf fehlen Sonderpädagogen
Andrea Göbel (41) sagt: "Wer meine Arbeit macht, darf Konflikten nicht aus dem Weg gehen." Seit einigen Jahren unterrichtet sie am Hermannplatz. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Ob Inklusion oder Integration von Flüchtlingskindern - beides schaffen die Schulen nur mit besonderem Personal. Und das fehlt in Düsseldorf. Von Jörg Janssen

Andrea Göbel mag ihren Job. Als Sonderpädagogin kümmert sie sich an der Montessori-Gesamtschule in Flingern um elf Jungen und Mädchen, die einen besonderen Förderbedarf haben. Kinder mit Down-Syndrom und Autismus sind darunter. Aber auch einige, die verhaltensauffällig sind und sich nur schwer in eine Gemeinschaft einordnen lassen. "Eine Wundertüte sind meine Schüler, man weiß nie, was einen erwartet", sagt die 41-Jährige.

Das sei doch etwas für die "Harten der Harten", sagte man ihr, als sie mit dem Studium (Schwerpunkt Lernbehinderung und Erziehungsschwierigkeiten) begann. Doch Göbel schreckte das nicht ab. "Was gibt es Besseres als einem Kind mit Handicap den Weg so zu ebnen, dass es in Gesellschaft und Beruf später gut zurechtkommt?", sagt sie.

Große Lücken bei den Sonderpädagogen

Doch zu wenige denken so wie Andrea Göbel. An den meisten Düsseldorfer Schulen fehlen Sonderpädagogen für die Schwerpunkte "körperliche/motorische Entwicklung", "Lernen/Sprache", "emotionale/soziale Entwicklung", "geistige Entwicklung", "Hören/Kommunikation" und "Sehen", obwohl Stellen eingerichtet wurden und das Geld bereitsteht.

Für unsere Redaktion recherchierte die Bezirksregierung - sie stellt die Lehrer ein - die aktuellen Zahlen für Düsseldorf. Und die dokumentieren größere Lücken: So liegt die Ausstattungsquote (das Verhältnis von Stellenbedarf und tatsächlicher Ausstattung mit Personal) an den Gymnasien bei nur 72 Prozent, an den Grundschulen bei 79 Prozent, an Haupt- und Realschulen bei jeweils 87 Prozent. Lediglich die Gesamtschulen (106 Prozent) und die Förderschulen (94 Prozent) sind gut ausgestattet.

Inklusion ohne Sonderpädagogen schwierig

CDU-Schulexperte (und Lehrer) Pavle Madzirov sieht das kritisch. "So kann Inklusion an Regelschulen nicht gelingen", sagt er. Schultern müssten es am Ende Pädagogen, "die weder die Ausbildung noch die zeitlichen Ressourcen für eine so anspruchsvolle Aufgabe haben." Jemanden mit normalem Lehrerstudium zwei Mal auf eine Fortbildung zu schicken, reiche eben nicht aus.

Lehrer für Deutsch als Fremdsprache fehlen auch

Engpässe zeichnen sich auch bei den so genannten Integrationsstellen ab. Hier arbeiten Pädagogen, die Migranten beim Erwerb der deutschen Sprache unterstützen. In der Regel verfügen sie über eine Zusatzqualifikation für "Deutsch als Fremdsprache" beziehungsweise "Deutsch als Zweitsprache".

Ende August 2015 gab es an den Grundschulen 900 Seiteneinsteiger (Flüchtlinge und andere Migranten) mit besonderem sprachlichen Förderbedarf. 41 Integrationsstellen waren in dieser Schulform besetzt. Inzwischen gehen 1438 Seiteneinsteiger in die Grundschulen, aber es gibt nur acht Integrationsstellen mehr. Und an den Hauptschulen stieg zwar die Zahl der Seiteneinsteiger von 323 auf 353, die der Integrationsstellen sank jedoch von 21 auf 20.

Aus Sicht der Bezirksregierung ist das alles kein Problem. "36 Seiteneinsteiger pro Integrationsstelle sind der Richtwert", sagt eine Sprecherin. Zum Vergleich: Bei den Düsseldorfer Grundschulen liegt das Verhältnis derzeit bei 1:40.

Der städtische Schuldezernent Burkhard Hintzsche (er hat keinen Einfluss auf die Lehrerstellen) bedauert den Mangel an Sonderpädagogen und Sprachförderern. "Beides kann dazu führen, dass der Wunsch nach kleineren Klassen nicht erfüllt wird oder dass Schulen unnötig improvisieren müssen." Zwar könne die Stadt nicht viel tun, "wenn aber eine Sonderpädagogin nach Düsseldorf kommen will und es am Kita-Platz hängt, werden wir ihr die notwendige Brücke bauen."

Quelle: RP
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