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In Düsseldorf sind immer mehr Alte arm

Düsseldorf: In Düsseldorf sind immer mehr Alte arm
FOTO: dpa-Infografik
Düsseldorf. Die Zahl der Rentner, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind, steigt von Jahr zu Jahr. Aufhorchen lässt auch der Anteil der geringfügig Beschäftigten. In keiner Großstadt ist der Wert höher. Von Jörg Janssen

Wachstum und Erfolg der Landeshauptstadt haben auch Kehrseiten. Nicht alle Bürger profitieren vom Boom der Metropole am Rhein.

Rentenkaufkraft "Städte mit hoher Wertschöpfung, zunehmender Erwerbstätigkeit, starker Einkommensentwicklung und niedriger Arbeitslosigkeit bieten zwar gute Voraussetzungen, um hohe Rentenansprüche zu erwerben, sind aber keine guten Orte zum Leben für Rentner", sagt Sozialdezernent Burkhard Hintzsche. Mit ihrer Rente könnten sich Ältere in diesen urbanen Zentren weniger leisten, weil Mieten und Lebenshaltung eben teurer seien als andernorts. So hätten München und Hamburg im Bundesvergleich die niedrigste Rentenkaufkraft, "nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer großen Wirtschaftskraft". In ähnlicher Weise gelte das für Düsseldorf. 1013 Euro verdient hier ein Bürger, der exakt an der Armutsgrenze lebt. Die liegt eigentlich bei 917 Euro (60 Prozent des bundesweiten Durchschnittseinkommens). Den höheren Betrag von 1013 Euro hat in einer aktuellen Studie das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ermittelt. Die Autoren haben berücksichtigt, was man in einer bestimmten Stadt oder Region tatsächlich für sein Geld bekommt und dabei ermittelt, dass Bürger in Düsseldorf eben 1013 Euro aufwenden müssen, um all das zu bekommen, was im Bundesschnitt 917 Euro kostet. Gerade Rentner haben häufig weniger als 1013 Euro.

Sozialleistungen Tatsächlich wächst die Zahl jener, die im Alter (ab 65) auf staatliche Unterstützung (Grundsicherung nach SGB XII) angewiesen sind. 2010 waren das in Düsseldorf 6701 Frauen und Männer, 2015 bereits 8742. Entsprechend steigen die Ausgaben. Inklusive der Erwerbsgeminderten auch unterhalb von 65 Jahren wandte die Stadt für diese Grundsicherung 2010 exakt 53,8 Millionen Euro auf. im Jahr 2015 waren es bereits 79,5 Millionen Euro. Und der planerische Ansatz für 2016 liegt bei 84 Millionen Euro.

Transferleistungsdichte Im Vergleich mit anderen Städten beziehen in der Landeshauptstadt überdurchschnittlich viele Menschen ab 65 Jahren Grundsicherung. In Düsseldorf waren das 2015 genau 73 von 1000 Bürgern ab 65 Jahre. Einen Wert oberhalb von 70 erreichen nach Angaben des Amtes für soziale Sicherung nur wenige Großstädte, darunter Köln (74), Hannover (75) und Frankfurt mit dem Spitzenwert von 88.

Geringfügig Beschäftigte Dass sich die Perspektiven beim Thema Altersarmut ändern, ist unwahrscheinlich. Zum einen sinkt das Rentenniveau insgesamt. Zum anderen ist der Anteil geringfügig Beschäftigter in Düsseldorf besonders hoch. Kommen im Mittelwert auf 1000 Einwohner 91 geringfügig Beschäftigte, sind es in Düsseldorf mit 113 sowie in Stuttgart mit 112 Beschäftigten pro 1000 Einwohner deutlich mehr. In Berlin sind es 57, in Leipzig 62 von 1000 Einwohnern. "Düsseldorf erreicht hier innerhalb der von uns verglichenen Großstädten den Spitzenwert", sagt Hintzsche. Der Stadtdirektor wertet das als Indiz dafür, dass in Metropolen wie der Landeshauptstadt "das Einkommen aus Erwerbsarbeit nicht ausreicht beziehungsweise Haushalte auf ein zusätzliches Einkommen aus geringfügig entlohnter Beschäftigung angewiesen sind".

Quelle: RP
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