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Düsseldorf
Intendant muss ohne Theater starten

Düsseldorf: Intendant muss ohne Theater starten
Das Schauspielhaus am Gründgens-Platz schließt im Januar für eine Sanierung. Das Theater muss auf andere Spielstätten ausweichen. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Das Schauspielhaus bleibt möglicherweise die gesamte nächste Spielzeit geschlossen - und will in die Stadt kommen. Von Arne Lieb und Denisa Richters

Der neue Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz muss zunächst ohne seine wichtigste Spielstätte auskommen. Das Theater am Gustaf-Gründgens-Platz kann nicht, wie bislang geplant, zum Start von Schultz' erster Spielzeit im November 2016 wiedereröffnet werden. Zwar ist die Sanierung des Hauses nach derzeitigem Stand rechtzeitig fertig, die Arbeiten an der Tiefgarage unter dem Vorplatz allerdings verzögern sich - und eine lärmende Baustelle vor dem Eingang macht den Spielbetrieb unmöglich.

Kulturdezernent Hans-Georg Lohe bestätigte auf Anfrage entsprechende Informationen der RP. Demnach führten Probleme mit dem Baugrund dazu, dass der Abriss und Neubau der Tiefgarage länger dauert. Ausgerechnet im November 2016 könnte eine besonders "lärmintensive" Phase anstehen. "Dieses Risiko wollen wir nicht eingehen", so Lohe.

Wann das Theater wieder in seine wichtigste Spielstätte zurückkehren kann, ist unklar. Im November wollen Stadt und Land, die beiden Träger des Schauspielhauses, über das neue Konzept informieren. Es gilt als nicht ausgeschlossen, dass Schulz und sein Team für die gesamte Spielzeit ohne das Schauspielhaus planen müssen. Das Kulturministerium wollte sich nicht zu dem Vorgang äußern, auch Lohe wollte zu Details nichts sagen.

Der Intendant hat bereits damit begonnen, den Spielplan zu überarbeiten. Dem Theater bleiben die Probebühne "Central" am Hauptbahnhof - die auch für die zweite Hälfte der laufenden Spielzeit als Hauptspielstätte genutzt wird - sowie das Junge Schauspielhaus an der Münsterstraße. Dabei will es Schulz aber angesichts der massiven Verzögerungen nicht belassen. Er plant, das Theater an verschiedenen Orten der Stadt sichtbar zu machen. "Ich will dem Haus damit Lebendigkeit geben und das Theater zum wichtigen Ort der Stadtgesellschaft machen", sagt er. Der Arbeitskreis, der im Zuge mehrerer Krisensitzungen zum Thema gegründet worden ist, sucht geeignete Plätze in der Stadt.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hatte Schulz bei dessen Präsentation öffentlich zugesichert, dass die Stadt alles in ihrer Macht stehende dafür tun werde, dass das Schauspielhaus rechtzeitig wiedereröffnen kann. Insidern zufolge war der Zeitplan trotzdem von vorneherein sehr eng gestrickt. Um den Wiedereinzug Anfang November nächsten Jahres halten zu können, wäre ein Baubeginn beim Kö-Bogen II im November dieses Jahres nötig gewesen. Jetzt ist damit erst in einigen Monaten, vermutlich sogar nicht vor Sommer 2016 zu rechnen.

Verzögerungen hatte es unter anderem gegeben, weil Geisel beim Preis für ein städtisches Grundstück mit den Investoren neu verhandelte. Nun soll die doppelte Summe fließen, 70 Millionen Euro, womöglich - das vermutet die CDU-Opposition - für ein wesentlich größeres Areal und mit Zusatzleistungen.

Für das Schauspielhaus bedeutet die Verzögerung die nächste von vielen Hiobsbotschaften. In den vergangenen Jahren hatte es mehrere ungeplante Intendantenwechsel gegeben, zudem ein Finanzloch von 5,4 Millionen Euro. Auch die Auslastung sank streckenweise dramatisch. Vom neuen Intendanten Schulz wird erwartet, dass er das größte Sprechtheater in NRW zu überregionaler Strahlkraft zurückbringt - trotz der Bauprobleme.

Quelle: RP
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