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Düsseldorf
Interpack will auch im Ausland vorne sein

Düsseldorf: Interpack will auch im Ausland vorne sein
Markus Rustler auf dem Düsseldorfer Messegelände. Er ist mit seinem exportorientierten Unternehmen Theegarten-Pactec ein enger und langjähriger Partner der Messe. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die Fachmesse war in diesem Monat die größte Messe, die je in Düsseldorf stattgefunden hat. Jetzt will man auch international noch stärker werden. So soll der Interpack-Ableger in China im November stark wachsen. Von Uwe-Jens Ruhnau

Ein witziger Empfang ist es am Stand der Firma Theegarten-Pactec. Eine riesige Walnuss thront über dem Eingang an einer Ecke, ihre Hälften hält ein Reißverschluss zusammen. "Die beste Verpackung, die die Natur erschaffen hat", sagt Markus Rustler im Vorbeigehen, "und wir haben uns dafür noch einen Verschluss ausgedacht." Rustler ist Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, und die Interpack Anfang Mai ist für ihn die wichtigste Messe überhaupt. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf", sagt Rustler und strahlt. 30 Anlagen wird man am Ende verkauft haben, da ist er zwei Tage vor Messeschluss sicher.

Theegarten-Pactec bietet ein gutes Beispiel, um zu erklären, was das Geschäftsmodell der Messe Düsseldorf ausmacht. Auf einer Messe stellt sich eine Branche mit ihren aktuellen Trends ihren Kunden vor. "Messen sind Spiegel der Wirtschaft", sagt Messechef Werner M. Dornscheidt. In Düsseldorf geht es hauptsächlich um Investitionsgüter - Maschinen und Anlagen, die Fachbesuchern vorgestellt werden.

Theegarten-Pactec - Firma mit deutsch-deutscher Geschichte

Vielfach sind Mittelständler Partner der Messe - wie Theegarten-Pactec, das Unternehmen stellt mit der Messe auch an anderen Orten auf der Welt seine Produkte vor. Spezialisiert ist man auf Maschinen für die Verpackung von Süßwaren - des einzelnen Bonbons oder der Schokolade beispielsweise. Das geschieht in hochmodernen Anlagen teils mit einer Leistung von mehr als 2000 Stück pro Minute.

Die Firma hat eine deutsch-deutsche Geschichte. Theegarten, 1934 in Köln gegründet, übernahm nach dem Mauerfall das Staatsunternehmen Pactec in Dresden. Dieses hatte in Spitzenzeiten 3000 Mitarbeiter und war technologisch top, ein Weltmarktführer und Devisenbeschaffer. Bei der Übernahme waren es weniger als 300 Mitarbeiter.

Heute macht der Verpackungsspezialist 90 Prozent seines Umsatzes von 65 Millionen Euro im Ausland. Von den 400 Mitarbeitern sind 90 in Forschung und Entwicklung eingesetzt. Die Messe mit ihrer Internationalisierungsstrategie und den "Global Portfolios", zu denen die "interpack alliance" gehört, ist ein enger Partner. Inhaltlich, aber auch geschichtlich. Denn als die Süßwarenbranche in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts beschloss, eine eigene fachspezifische Messe zu etablieren, wurde 1958 die Interpack als Internationale Messe für Verpackungsmaschinen und Süßwarenmaschinen in Düsseldorf aus der Taufe gehoben. Franz Theegarten hatte sich für die spezielle Messe in der Landeshauptstadt stark gemacht, wie auf der Firmen-Homepage stolz vermerkt wird.

Mehr als 50 Verpackungsmessen in China

Für Markus Rustler, den Nachfolger in der vierten Generation, ist die Interpack - sie war diesmal die größte Messe, die je in Düsseldorf veranstaltet wurde - die absolute Nummer eins. "Hier erfahren wir, in welche Richtung sich der Markt entwickelt; was die Konkurrenz macht, was die Kunden wollen." Auf der Firmen-Homepage stehen bereits die nächsten Auslandstermine. Im Juni geht es zur ProPak Asia in Bangkok, im September zur Pack Expo in Las Vegas. Beides sind keine Veranstaltungen der Messe Düsseldorf. So erklärt sich das Ziel von Bernd Jablonowski, dem zuständigen Global-Portfolio-Director der Düsseldorfer Messe, dass man auch in den Auslandsmärkten die Nummer eins werden wolle.

China etwa hat einen stark aufgesplitterten Markt. Die Messe ist dort sehr aktiv, die Tochtergesellschaft zählt mehr als 70 Beschäftigte. Einer der beiden Chefs ist Heiko M. Stutzinger. Er setzt nach den Vorgaben von Jablonowskis Team die "Swop" um, die Shanghai World of Packaging. Die zweite Auflage findet im November statt, und sie soll größer werden als die Premiere. 2015 zählte man 22.600 Besucher, 21.000 Quadratmeter Hallenfläche wurden vermietet. "Ein sehr guter Start", sagt Stutzinger, jetzt strebe man ein Wachstum von 20 bis 30 Prozent an. Die Konkurrenz sei riesig, es gebe in China mehr als 50 Verpackungsmessen. Die finden meist jährlich statt, die Chinesen lieben das Tempo. Die Messe bleibt in China beim Zwei- und in Düsseldorf beim Dreijahresrhythmus.

Die Düsseldorfer wollen mit ihrer guten Struktur und Sonderangeboten punkten. Die Interpack-Struktur mit acht Schwerpunktbranchen von Food- bis Industriegüterverpackungen wird übertragen, zudem gibt es Konferenzen, Seminare, Workshops, die Initiative "Save Food" gegen Lebensmittelverschwendung - alles echte Wettbewerbsvorteile. Für Rustler ist "nach der Interpack vor der Interpack". Denn auch Theegarten-Pactec ist dabei und versucht wie vor 60 Jahren die Messe zum Erfolg zu machen. Dafür hat er sich mit anderen Lieferanten der Süßwarenbranche zusammengetan. Von der Rohmasse der Leckereien bis zur großen Endverpackung: Die Unternehmen stellen gemeinsam in einem Pavillon aus, um den chinesischen Kunden einen Mehrwert zu bieten. So haben am Ende vermutlich wieder einmal beide einen Erfolg - die Messe und ihre Aussteller.

Unternehmer lobt Düsseldorf als Stadt mit kurzen Wegen

Gleichzeitig ist das Ziel, von allen Auslandsmärkten neue Kunden für die Leitmessen in Düsseldorf zu gewinnen. Davon haben auch andere in der Stadt etwas, die Messe löst an vielen Stellen Umsätze aus, Umwegrentabilität nennt man das. Jetzt im Mai bezog das Theegarten-Team 50 Zimmer im Lindner-Hotel am Airport, für die Interpack 2020 sind die Zimmer schon reserviert - und für die Messe 2023 gibt es eine Vorreservierung. Hinzu, so Rustler, kämen Vertreter aus 100 Ländern, die meist nicht alleine anreisten, auch sie würden in entsprechender Zahl Zimmer in Düsseldorf buchen.

Der Unternehmer lobt Düsseldorf. Die Stadt mit ihren kurzen Wegen habe eine hohe Lebensqualität, die Restaurantszene sei vielfältig. Er gehe mit Gästen ins Kaiserswerther Schiffchen oder andere Top-Lokale, mit den Mitarbeitern gebe es traditionell einen Abend im Füchschen. "Und wenn Sie indische Kunden haben, brauchen Sie vegetarische Angebote - aber die gibt es ja auch." Er selbst habe gerade das "Bread & Roses" von Volker Drkosch besucht und es sehr gut gefunden. Er freue sich schon jetzt aufs Wiederkommen.

Quelle: RP
 
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