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Interview Katrin Bauerfeind
"Das Buch ist eine einzige Lieblingsstelle"

Interview Katrin Bauerfeind: „Das Buch ist eine einzige Lieblingsstelle“
Die Autorin ist bald in Düsseldorf bei der Lesung ihres neuen Buches zu sehen. FOTO: Tibor Bozi
Düsseldorf . In "Hinten sind Rezepte drin" erzählt die Autorin Katrin Bauerfeind Geschichten, die Männern sicher nie passieren. Am 9. Juni liest sie im Zakk. Wir haben mit der Autorin gesprochen. Von Nicole Scharfetter

Frau Bauerfeind, in Ihrem neuen Buch "Hinten sind Rezepte drin – Geschichten, die Männern nie passieren würden" schreiben Sie über mehr oder minder verkorkste Frauen, die weder Kritik austeilen noch einstecken können, total verkopft und manchmal einfach nur doof sind. Wie viel steckt von Ihnen in dem Buch? Wie viele Geschichten haben Sie selbst erlebt?

Bauerfeind Es ist es eine Sammlung von Kurzgeschichten zum Thema Frau. Der selbsterlebte Anteil ist deutlich höher als bei Karl May oder E.L. James, aber manchmal hab' ich es auch gemacht wie die Evangelisten und einfach was erfunden.

Was erwartet den Leser, wenn er Ihr Buch kauft?
Bauerfeind Das Meiste ist lustig, auch wenn viele immer noch denken, lustige Frauen gibt's so häufig wie sensible AfDler. Viele Frauen in meinem Alter denken auch, Emanzipation ist ähnlich altmodisch wie Bundfaltenhosen, bis sie merken, dass sie sich im Berufsleben recht zügig den Kopf an der gläsernen Decke stoßen.

Sie sind ganz schön ehrlich mit sich selbst und der Frauenwelt.
Bauerfeind In den Etikettenfibeln stand bis in die 60er Jahre: "Die Dame halte sich mit der Darbietung von Scherzen bei Tische zurück!" Dass Frauen sich überhaupt laut zu etwas äußern, das über Kind, Kirche und Küche hinausgeht, ist ja ein relativ neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte. Aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen.

Welche Eigenschaft ist die beste, die Frauen haben? Und welche die schlechteste?
Bauerfeind Viele Frauen entschuldigen sich oft unnötig und denken, wenn etwas nicht klappt, liegt die Schuld bei ihnen. Wenn meiner Mutter der Lockenstab kaputt gegangen ist, dachte sie, ihre Haare seien eine Zumutung fürs Gerät. Wenn mein Vater dagegen nicht mit dem Drucker klar kam, lag's nie an ihm, sondern immer an der Technik. Selbst der Umgang mit Komplimenten hat bei Frauen oft etwas Verlegenes. "Tolle Bluse hast du da an!" – "Aber die war ganz billig!". Dabei reicht ja auch ein "Danke". Selbst ich fange jetzt mit den negativen Eigenschaften der Frauen an. Dabei überwiegen natürlich die positiven.

Haben Männer denn schlechte Eigenschaften? Und warum passieren Männern die Geschichten, von denen Sie erzählen, nicht?
Bauerfeind Naja, ich hab' ein Buch aus meiner Sicht geschrieben, das ist nun mal die Sicht einer Frau. Es gibt auch Geschichten, die Frauen nicht passieren würden, aber das wäre wieder ein anderes Buch, das auch jemand anders schreiben müsste. Zum Beispiel Horst Seehofer.

Wie lange haben Sie an Ihrem neuen Buch gearbeitet?
Bauerfeind So ein Buch braucht in meinem Fall fast zwei Jahre, von der ersten Idee bis zum Erscheinungstermin.

Was hat Sie zu den Geschichten inspiriert?
Bauerfeind Für mich ist Schreiben wie Meditieren: Blöd, dass man dafür so lange sitzen muss, aber ein geiles Gefühl, wenn's vorbei ist.

Sie schreiben in einem Kapitel vom Erwachsensein, spätestens mit 30 sollte man sich von der Jugend verabschieden. Sie selbst sind jetzt 33. Sind Sie erwachsen?
Bauerfeind Mit 30 habe ich festgestellt, dass manche Träume sich nun auch nicht mehr erfüllen lassen. Im Ausland studieren zum Beispiel. Könnte ich zwar immer noch, aber eigentlich bin ich mittlerweile darüber hinaus, jeden Abend in Frankreich feiern gehen zu wollen. Topmodel, Leistungssportlerin, Wunderkind, für alle diese Träume ist es jetzt zu spät. Bis wir 30 sind, erzählt uns jeder, uns gehöre die Welt, alle Türen stünden uns offen. Dann wird man eines Tages wach, fühlt sich unverändert, ist aber plötzlich 30 und stellt fest, dass die Zahl der offenen Türen sich drastisch reduziert hat.

Sie kommen am 9. Juni nach Düsseldorf ins Zakk. Wie gut kennen Sie die NRW-Landeshauptstadt?
Bauerfeind In Düsseldorf zeichne ich die Moderationen für meine 3sat-Sendung "Bauerfeind assistiert . . ." auf. Ich bin also ständig da.

Haben Sie eine Lieblingsstelle in Ihrem Buch?
Bauerfeind Das ganze ist eine einzige Lieblingsstelle, da können Sie gerne auch jede andere Stadt fragen, in der ich bisher war.

Dann hoffen wir, dass die Düsseldorfer das auch so sehen.
Bauerfeind Das wird ein lustiger Abend. Bei mir gibt's für Männer wie Frauen gleichberechtigt viel zu lachen. Da nehme ich es ganz genau.

Sie sind Journalistin, Moderatorin, Autorin – ein Multitalent sozusagen. Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Bauerfeind Es macht mich schon froh, abends auf eine Bühne gehen zu dürfen. Auch weil es live ist und unwiederholbar. Das ist ja heutzutage fast schon etwas Besonderes und so empfinde ich das auch.

Gibt es ein neues Projekt, an dem Sie arbeiten?
Bauerfeind Gleich nachdem ich fertig bin mit Lesen, fliege ich nach Berlin und spiele in der neuen Amazon-Serie von und mit Matthias Schweighöfer, "You are wanted", mit. Da freu' ich mich sehr drauf.

Das klingt nach viel Arbeit. Haben Sie denn auch mal Zeit fürs Privatleben? Wer ist Katrin Bauerdfeind abseits der Bühne?
Bauerfeind Wir sind ja nicht in Amerika, wo es normal ist, der Öffentlichkeit mitzuteilen, wie das letzte Date gelaufen ist. Die Deutschen gehen im Gegensatz zu den Amis zwar nackt in die Sauna, das Private soll aber bitte privat bleiben. So halte ich es auch.

Das Private soll privat bleiben, in Ordnung. Trotzdem noch ein Versuch: Wie steht es bei Ihnen mit der Familienplanung? Die kommt in Ihrem Buch mehr als in nur einem Kapitel vor.
Bauerfeind Das Thema kommt vor, weil ich finde, dass Frauen ab einem bestimmten Alter sehr damit konfrontiert werden. Vor allem mehr als Männer, bei denen das anscheinend unter Privatleben fällt. In einem meiner Texte vergleiche ich die Möglichkeit der Wehrdienstverweigerung für Männer mit einer von mir ausgedachten Gebärdienstverweigerung für Frauen. Fand ich eine ganz lustige Vorstellung, wenn es für Frauen auch eine Art Musterung vor dem Kinder kriegen gäbe und man eine Kommission davon überzeugen müsste, dass man nicht geeignet ist für den Dienst am Kind.

Die Vorstellung ist gut, ja. Es gibt aber sicher auch Frauen, die über Kind- oder Karrieresprüche nicht mehr lachen können.
Bauerfeind Der Druck auf Kinderlose steigt ab einem gewissen Alter enorm. Ich finde jede Frau sollte selbst entscheiden dürfen, worin sie ihr Glück finden möchte. Das ist der ernste Punkt dieser Geschichte.

Zurück zum Spaß. Wer zahlt nun im Restaurant die Rechnung?
Bauerfeind Ja, das scheint immer noch ein großes Thema zu sein. Aber ich halte das ganz modern und offen: mal sie, mal er.

Für alle, die sich das Buch gekauft haben und immer noch die Rezepte hinten drin suchen: Haben Sie ein schnelles, gutes Rezept – zur Wiedergutmachung sozusagen?
Bauerfeind Lustigerweise denken ja anscheinend immer alle, dass man Frauen eben vor allem mit Kochrezepten geködert bekommt. So ist das aber nicht. Der Titel ist ironisch, und wenn da tatsächlich Rezepte drin wären, dann wäre das Buch ernst und damit unlustig. Deswegen kann ich da jetzt nicht einknicken.

Geben Sie sich einen Ruck.
Bauerfeind Das einzige Rezept, das ich mit meinen Fähigkeiten wirklich fehlerfrei und in allen Schritten drauf habe, ist Wasser zum Kochen bringen, auf zwei gehäufte Löffel Kaffee schütten und wahlweise mit Milch, Zucker oder Alkohol verfeinern.

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