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Interview Thomas Schmied und Britta Damm
"Früher war es die Postkutsche, jetzt ist es das Internet"

Interview mit Schützenkönig Thomas Schmied und Britta Damm
Jecke Schützen: Stadtkönig Thomas Schmied und Verbandschefin Britta Damm FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Schützenuniformen und Facebook-Auftritte schließen sich nicht aus, sagen der Stadtkönig und die Chefin der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützen. Diese vertritt rund 15.000 Mitglieder.

Herr Schmied, bitte verraten Sie uns Nicht-Schützen: Wie wird man Stadtkönig?

Thomas Schmied Mit der Armbrust. Das ist ein Wettbewerb unter den 47 Regimentskönigen. Weil darunter viele sind, die im Schießsport aktiv sind, hatte ich mir keine großen Chancen ausgerechnet. Ich bin da ganz locker hingegangen und war selbst überrascht, als ich gewonnen habe.

Und wie fühlen Sie sich damit?

Schmied Ich fühle mich klasse.

Was ist das Besondere dieses Amtes?

Schmied Im letzten halben Jahr hatte ich viele Termine, bei denen ich sehr herzlich aufgenommen wurde. Das hätte ich so nicht gedacht. Das Besondere aber sind die nicht-alltäglichen Begegnungen. In der Vorweihnachtszeit zum Beispiel habe ich bei der Aktion "Hand in Hand für Flüchtlinge" auf dem Burgplatz mit Oberbürgermeister Thomas Geisel Hand in Hand gesungen.

Im Juli müssen Sie Ihre Königskette wieder abgeben. Bedauern Sie das?

Schmied Das ist schon ein wenig traurig. Andererseits freue ich mich, wieder unten bei meinen Regimentskameraden zu sein. Als Regimentskönig und Stadtkönig habe ich in den vergangenen zwei Jahren bei den Veranstaltungen immer auf dem Schützenthron gesessen. Da muss man auf die Etikette achten und ist auch ein Vorbild. Da kann man nicht den Schlips um den Kopf binden und auf dem Tisch tanzen.

Warum sind Sie Schütze geworden?

Schmied Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr bei den Heerdter Schützen. Dieses Brauchtum vor Ort, das geht vom Herzen aus.

Sie sind dann 2015 Schützenkönig der Heerdter Schützen geworden.

Schmied Ja, ein Freund hatte mir vorgeschwärmt, wie toll das wäre. Und dann ist zuerst er Schützenkönig gewesen, das Jahr darauf ich. Und dabei habe ich viele schöne Momente erlebt.

Welcher kommt Ihnen als erstes in den Sinn?

Schmied Auf einer Veranstaltung stand ich mit meiner Frau zusammen, die ihr Königinnen-Kleid trug und ein Diadem. Da blieb ein kleines Mädchen vor uns stehen, schaute uns an und sagte: "Eine Prinzessin." Das war sehr berührend.

Was kostet denn die Kleidung?

Schmied Bei den Männern ist es recht einfach: Eine normale Uniform-Jacke kostet um die 260 Euro, eine aufwendige Husarenuniform kann schnell 600 Euro kosten. Für ein Königinnenkleid zahlt man ab 500 Euro aufwärts. Aber man kann wirklich tolle Kleider auch ausleihen, was völlig ok ist.

Frau Damm, als Vorstand der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine (IGDS), begleiten Sie den Stadtkönig auf Veranstaltungen und unterstützen die Düsseldorfer Vereine. Welche Rolle spielen Traditionen für moderne Schützen?

Britta Damm Für Schützen hängen Traditionen und Uniformen zusammen. Man muss aber eine Uniform nicht als altertümliches Kleidungsstück sehen. Es kann auch einfach ein Markenzeichen sein. Man kann stolz darauf sein, eine solch gut gefertigte Kleidung zu tragen und Teil einer Gruppe zu sein.

Wie passt es zu den Traditionen, auf Facebook aktiv zu sein?

Damm Gut. Die Tradition leidet ja auch nicht darunter, dass man telefoniert und nicht mehr trommelt.

SCHMIED Früher war es die Postkutsche, jetzt ist es das Internet. 

DAMM Wir haben bei der IGDS ein tolles Team, das daran arbeitet, unsere Internetseite als Informationsplattform hochaktuell zu halten. Mit den einzelnen Vereinen sind wir verlinkt. Fast alle haben mittlerweile eine Homepage.

Schauen wir auf die startende Saison. Was sind Ihre Highlights?

Schmied Der Ball der Könige am Samstag war für mich natürlich etwas ganz Besonderes. Unter den 900 Schützen waren ja die 46 Regimentskönige, die auch Stadtkönig werden wollten. Und auf das Heerdter Schützenfest freue ich mich immer das ganze Jahr.

DAMM Als IGDS haben wir zwei Veranstaltungen: Den Ball der Könige und den Tag der IGDS, am letzten Sonntag auf der Kirmes, wenn über den neuen Stadt- und den Jungschützenkönig entschieden wird. Das ist immer ein schöner Schützenfamilientag. Außerdem sind wir beim NRW-Fest zum 70-jährigen Bestehen der Landeshauptstadt dabei und gestalten vom 26. bis 28. August mit dem Comitee Düsseldorfer Carneval und der Aktionsgemeinschaft Heimatvereine auf dem Rathausplatz das Programm. Nicht zu vergessen auch die 700-Jahr-Feier der Schützen 1316 Stadtmitte.

Das scheint ein ereignisreiches Jahr für die Schützen zu werden.

Damm Es findet sich immer ein Anlass zum Feiern. Wenn nicht, schaffen wir uns eben einen. Im nächsten Jahr feiert die IGDS 90. Geburtstag.

Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der Vereine. Dürfen Frauen dort mittlerweile auch schießen?

Schmied In Heerdt dürfen sie, und es öffnen sich immer mehr.

DAMM Wenn Frauen Mitglieder werden können, sollten sie auch schießen können. Ein bisschen schwanger geht nicht. Aber das sollte jeder Verein für sich entscheiden. Das muss wachsen, und es ist kein Allheilmittel, um als Verein mehr Mitglieder zu gewinnen. Das muss schon aus dem Herzen kommen.

SONJA SCHMITZ FÜHRTE DAS GESPRÄCH. BERICHT SEITE D8

Quelle: RP
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