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Künftiger Stadtdirektor Abrahams im Interview
"Investitionen prägen das Stadtbild"

Künftiger Stadtdirektor Abrahams im Interview: "Investitionen prägen das Stadtbild"
Von 1981 bis vor wenigen Wochen hat Manfred Abrahams in Krefeld gearbeitet. Seit 1. Juni 2010 steht er in den Diensten der Stadt Düsseldorf und ist hier Kämmerer und Stadtdirektor. FOTO: Lammertz
Düsseldorf. Der 51-jährige Manfred Abrahams (CDU) ist vom Stadtrat zum neuen Kämmerer und Stadtdirektor gewählt worden. Er wird spätestens am 1. Juli Nachfolger von Helmut Rattenhuber, der in den Ruhestand geht. Ein Gespräch über Chancen und Herausforderungen einer schuldenfreien Stadt.

Herr Abrahams, Gratulation, Sie wurden gerade zum neuen Kämmerer von Düsseldorf gewählt. Erleichtert?

Abrahams Die Spannung ist in den vergangenen Tagen natürlich gestiegen, aber das ist ganz normal.

SPD und Grüne haben sich bei der Wahl enthalten. Enttäuscht Sie das?

Abrahams Prinzipiell wünscht man sich immer, von allen gewählt zu werden. Aber ich werte die Enthaltung so, dass es nicht an meiner Person liegt, sondern an politischen Gründen. Ich respektiere ein solches Vorgehen.

Wie war es denn 2003 bei Ihrer Wahl zum Kämmerer in Krefeld?

Abrahams Damals bin ich einstimmig gewählt worden.

Sie sind seit sechs Jahren Kämmerer einer verschuldeten Stadt, haben dort die Finanzen dennoch in Ordnung gebracht. Wie haben Sie das geschafft?

Abrahams Ich habe in Krefeld stets versucht, einen möglichst hohen Interessenausgleich herzustellen zwischen Bürgerschaft, Politik und Verwaltung. Das erhöht die Akzeptanz bei finanziellen Einschnitten. Was wiederum dazu führt, dass man Zuschüsse reduzieren, Verwaltungsstrukturen verändern und – das ist mir wichtig – trotzdem über Investitionen die Stadtentwicklung vorantreiben kann. Wir hatten in Krefeld 2008 nach langer Zeit einen, mit Hilfe von Rücklagen, ausgeglichenen Haushalt. 2009 wollten wir ohne Rücklagen auskommen. Das hat wegen der Krise nicht geklappt.

Was bedeutet es nun für Sie, Kämmerer einer schuldenfreien Stadt zu sein?

Abrahams Das wünscht sich jeder Kaufmann und Kämmerer: keine Zinsen mehr zahlen zu müssen und dieses Geld dafür einzusetzen, dass sich eine Stadt entwickeln kann.

Kritiker sagen, Düsseldorf habe die Schuldenfreiheit teuer erworben durch den Verkauf der Stadtwerke...

Abrahams Dem geht ja stets ein Abwägungsprozess voraus. Am Ende muss der Verkauf von Vermögen ein wirtschaftlicher Erfolg sein. Wichtig ist nicht die rückwirkende Betrachtung, sondern der Zeitpunkt der strategischen Entscheidung.

Weshalb sind Investitionen wichtig?

Abrahams Am sichtbarsten sind Investitionen in die Infrastruktur. Als Mönchengladbacher fahre ich oft über die Rheinkniebrücke nach Düsseldorf. Früher sah ich die Rheinuferstraße und den Industriehafen. Jetzt fließt der Verkehr durch einen Tunnel und der Medienhafen steht für die Lebensqualität dieser Stadt. Diese Investitionen haben also das Stadtbild geprägt. Ebenso wichtig sind Investitionen in Bildung, Schulen und Sportplätze. Das hat Düsseldorf erkannt. Und deutschlandweit wird darüber gesprochen, dass die Stadt modern ist und prosperiert.

Wehrhahn-Linie und Kö-Bogen sind große Projekte. Machen Sie sich Sorgen, dass die Kosten steigen könnten?

Abrahams Davor ist niemand gefeit. Weil ich aber ein positiver Mensch bin, gehe ich davon aus, dass die Kostenschätzung dem Endbetrag entsprechen wird.

Die Krise ist nicht überwunden. Wo sehen Sie mögliches Sparpotenzial, damit die Stadt schuldenfrei bleibt?

Abrahams Das kann ich konkret erst beantworten, wenn ich eine Zeitlang hier gearbeitet habe. Ich betrachte die Dinge lieber von innen als von außen. Klar ist aber, dass ich auf Dauer prüfen möchte, ob sich Prozesse innerhalb der Stadtverwaltung optimieren lassen. Dazu zähle ich übrigens auch die städtischen Töchter, die ja ebenfalls eine öffentliche Aufgabe haben.

Was ist mit Betten-Steuer, Sex-Steuer, wie sie andere Kommunen erheben?

Abrahams Davon halte ich nicht viel. Wenn man neue Steuern erhebt, stellt sich immer die Frage, ob am Ende der Ertrag stimmt.

In Berlin gibt es ernsthafte Überlegungen, die Gewerbesteuer abzuschaffen. Wie stehen Sie dazu?

Abrahams Da bin ich nicht dogmatisch, aber es muss gewährleistet sein, dass die jeweilige Kommune mindestens ihr bisheriges Steueraufkommen aufrecht erhalten kann. Bisher kenne ich kein Modell, das eine adäquate Alternative wäre.

Ärgert es Sie, dass Kommunen immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, Beispiel Sozialausgaben, und dadurch mehr Ausgaben haben?

Abrahams Wir brauchen dringend den Dialog zwischen Bund, Land und Kommunen über den Aufgabenstand generell. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, wie viele Aufgaben ein Staat wahrnehmen und wie das Finanzierungssystem angepasst werden muss.

Ihr Vorgänger ist parteilos, Sie sind CDU-Mitglied. Wie politisch werden Sie als Beigeordneter sein?

Abrahams Es ist mir in Krefeld meist geglückt, wichtige Entscheidungen gemeinsam mit allen Parteien herbeizuführen. Aber ich bin natürlich ein politischer Mensch.

Worauf freuen Sie sich in Düsseldorf jenseits des Rathauses am meisten?

Abrahams Auf das pulsierende Leben dieser Stadt.

Und was werden Sie von Krefeld am meisten vermissen?

Abrahams Die vielen persönlichen Kontakte und Freundschaften.

Quelle: RP
 
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