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Düsseldorf
Investoren müssen bei Wohnungen bald weniger Parkplätze bauen

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Leben in Düsseldorf: Leserstimmen auf Facebook FOTO: Werner Gabriel
Düsseldorf. Um die Kosten bei Neubauten zu senken, will die Stadt die Stellplatzsatzung überarbeiten. Bei kleinen, sozial geförderten und zentral gelegenen Wohnungen sind weniger Plätze für Autos nachzuweisen. Von Denisa Richters und Uwe-Jens Ruhnau

Düsseldorf ist als Wohnstadt teuer. Dazu tragen auch die Parkplätze für Autos bei, die bei Neubauten mit errichtet werden müssen. Eine Wohnung, ein Stellplatz: Diese in der sogenannten Stellplatzsatzung festgelegte Regelung will die Stadtspitze aufbrechen. "Wir wollen eine neue Satzung vorlegen, weil sich das Verkehrsverhalten der Menschen ändert und die Wohnprojekte dadurch preisgünstiger werden", hat Oberbürgermeister Thomas Geisel bei seiner Bilanz nach einem Jahr im Amt angekündigt. Dies war Anfang September. Bereits seit längerem soll im Rathaus ein Konzept vorliegen, den strengen Stellplatzschlüssel zu lockern. Die städtischen Behörden stimmen zurzeit die neue Regelung ab. Noch im Herbst sollen sich die Ratsgremien mit dem Thema befassen.

Laut Planungsdezernent Gregor Bonin soll der Stellplatzschlüssel abhängig von Größe, Lage und Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelockert werden. "Das passt gut zusammen mit der Evaluierung des Handlungskonzepts Wohnen." Denn es gehe vor allem darum, die Kosten fürs Wohnen in Düsseldorf zu senken.

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Das Handlungskonzept Wohnen, das derzeit auf dem Prüfstand steht, sieht bei Neubauvorhaben im Bereich Wohnen verpflichtend jeweils 20 Prozent sozial geförderte und preisgedämpfte Wohnungen (bis 8,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter) vor. Mit einem gelockerten Nachweis von Stellplätzen könnte Wohnbau günstiger werden: Denn nicht nur der Bau von Parkplätzen verursacht Kosten. Kann ein Investor nicht den derzeit geltenden Schlüssel - ein Stellplatz pro Wohnung - erfüllen, muss er eine Stellplatzablöse an die Stadt zahlen. Da können leicht sechsstellige Summen zusammenkommen.

Nach Informationen unserer Redaktion sieht das bislang vorliegende Konzept bei Wohnungen bis 40 Quadratmeter einen Schlüssel von einem Stellplatz pro drei Wohneinheiten vor, bis zu 130 Quadratmetern zwei Stellplätze auf drei Wohneinheiten, bei noch größeren gilt wie bisher eins zu eins. Bei Sozial- und Studentenwohnungen soll der Schlüssel deutlich gelockert werden, ebenso bei Wohnungen, die innenstadtnah liegen oder eine gute ÖPNV-Anbindung haben. Bei Gewerbeimmobilien soll es individuelle Lösungen geben.

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Bei den Investoren und Nutzern stößt die Idee auf fruchtbaren Boden. Es soll nicht wieder vorkommen, dass Studentenwohnungen nicht errichtet werden, weil pro Einheit ein Stellplatz gebaut werden sollte - so in der Nähe der Uni im Falle eines privaten Investors geschehen. Die Entwickler der Firma Bema, die mit einem Partner ein fast 20.000 Quadratmeter großes Areal an der Worringer Straße gekauft haben und dort bis Mitte 2018 rund 400 Wohnungen bauen wollen, sehen es genauso. "Wir würden am liebsten nur 220 oder 250 Stellplätze errichten und diese mit viel Platz für Car-Sharer und Fahrräder ergänzen", heißt es aus der Geschäftsführung. Diese Perspektive ist angesichts der Nähe zum Wehrhahn und damit zur neuen U-Bahn nachvollziehbar - mit dem Rad sind es zudem keine zehn Minuten bis zur Kö.

Menschen und Verkehrsverhalten ändern sich, dafür steht auch Trivago. Am neuen Standort des Hotelvergleichsportals, das im Hafen bis zu 3500 Menschen beschäftigen dürfte, werden zwar fast 600 Stellplätze errichtet, weil das so sein muss (und die Büros gemietet sind), Trivago braucht sie aber nicht. Die Inhaber der Firma berichten, dass der Straßenbahnanschluss für ihre Mitarbeiter wichtiger sei. Keine zehn Prozent der Belegschaft kämen mit dem Auto zur Arbeit.

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Quelle: RP
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