| 18.26 Uhr

Terrorpläne des IS aufgedeckt
Polizei zeigt in der Düsseldorfer Altstadt deutlicher Präsenz

IS nahm Altstadt ins Visier: Düsseldorfer Polizei wusste von Terror-Plänen
Die Polizei will in der Altstadt Ansprechbarkeit zeigen. FOTO: dpa, mjh fdt
Düsseldorf. Die Polizei hat eine mutmaßliche IS-Terrorzelle ausgehoben. Sie soll einen Anschlag nach Pariser Vorbild in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben. Die Düsseldorfer Polizei wusste nach eigenen Angaben schon seit Monaten von den Plänen. Am Donnerstag zeigte sie mehr Präsenz. Von S. Geilhausen, A. Lieb, T. Reisener, C. Sieben und C. Siedentop

"Nach den bisherigen Ermittlungen hatten die vier Beschuldigten vor, für die ausländische terroristische Vereinigung "Islamischer Staat Irak und Großsyrien (ISIG)" in Deutschland einen Anschlag zu  begehen", heißt es in der Pressemitteilung der Generalbundesanwaltschaft.

Auftraggeber war demnach der sogenannte "Islamische Staat". Drei der mutmaßlichen Terroristen wurden heute festgenommen. Der vierte Verdächtige sitzt derzeit in Frankreich in Untersuchungshaft. Bei den drei jetzt Verhafteten handelt es sich um den 27-jährigen Hamza C., den 
25-jährigen Mahood B. und den 31-jährigen Abd Arahman A. K.. Alle drei Männer stammen aus Syrien. Mehr zu den mutmaßlichen Tätern lesen Sie hier. 

Anschlag stand wohl nicht unmittelbar bevor

Einer der Männer wurde am Donnerstag bereits dem Haftrichter vorgeführt. Wie die Generalbundesanwaltschaft weiter berichtet, sollten zwei Selbstmordattentäter nahe der Heinrich-Heine-Allee Sprengwesten zur Explosion bringen. Weitere Terroristen sollten im Anschluss mit Gewehren und Sprengsätzen noch mehr Menschen töten. Die U-Bahnhaltestelle Heinrich-Heine-Allee gilt als Tor zur Düsseldorfer Altstadt, die für ihre auch im Umland beliebten Brauhäuser, Kneipen und Clubs bekannt ist. Mehrere Linien des Nahverkehrs laufen hier zusammen. 

Sicherheitskreisen zufolge soll es allerdings keine Hinweise darauf gegeben haben, dass dieses Attentat unmittelbar bevorgestanden habe. Auch gebe es keine Hinweise auf konkrete Vorbereitung seitens der Täter.

Dies sei auch verhindert worden, weil sich einer der Verdächtigen im Februar 2016 in Paris den französischen Behörden offenbarte. Ein Zusammenhang zur anstehenden Fußball-Europameisterschaft bestehe laut Bundesanwaltschaft nicht.

Polizei wusste seit Monaten von Plänen

Die Düsseldorfer Polizei wusste schon seit Monaten von den Plänen. "Wir waren von Anfang an in die Ermittlungen eingebunden", sagt Düsseldorfs Polizeipräsident Norbert Wesseler. Seine Dienststelle habe nicht nur maßgeblich dazu beigetragen. "Alles, was wir im Rahmen der Ermittlungen erfuhren, ist natürlich in unser laufend aktualisiertes Sicherheitskonzept eingeflossen." Das gelte insbesondere auch für Großveranstaltungen in der Innenstadt.

Am Donnerstag zeigte die Polizei mit gelben Westen in der Altstadt deutlich Präsenz. Offiziell wird eine Verstärkung der Präsenz nach Bekanntwerden der Anschlagspläne nicht bestätigt. Die Beamten sollten lediglich deutlicher erkennbar sein, hieß es. Tatsächlich sind nicht nur die üblichen Fußstreifen unterwegs, sondern  auch der schnelle Eingreiftrupp Prios, der sonst eher in den brenzligen Wochenendnächten in der Altstadt eingesetzt wird.  

Golland fordert Überprüfung aller Flüchtlinge

Der Sicherheitsexperte der CDU im Landtag, Gregor Golland, fordert eine sofortige Sicherheitsüberprüfung aller Flüchtlinge in NRW. Golland sagte unserer Redaktion: "NRW-Innenminister Ralf Jäger hat behauptet, über die Balkan-Route kämen keine Terroristen nach Deutschland. Das ist offensichtlich naiv. Wir kennen bis heute nicht die Identitäten aller Flüchtlinge. Die Sicherheitsbehörden in NRW müssen eine sofortige Sicherheitsüberprüfung aller im Land lebenden Flüchtlinge organisieren." 

Monika Düker, flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen im Landtgag, widerspricht: "Was wir jetzt nicht brauchen, sind irrationale Vorschläge, die nicht weiterhelfen und Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen. Auch wenn alle Flüchtlinge durch das Land registriert sind, befinden sich immer noch 100.000 von ihnen in NRW in den Kommunen, ohne dass sie ihren Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge überhaupt stellen konnten.

Düsseldorfer OB Geisel lobt Ermittler

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel findet es in einer ersten Reaktion "beruhigend", dass es durch die Ermittlungen gelungen ist, die Terror-Verdächtigen vor Ausführung der Tat zu fassen. Die Stadt tue alles, um die Sicherheit der Bürger in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden zu gewährleisten.

"Es gibt aber nie einen hundertprozentigen Schutz. " Zum Public Viewing will Geisel gehen. "Wenn wir wegen der diffusen Gefährdungslage unser Leben ändern würden, hätten die Terroristen gewonnen."

"Gefährdungslage in Deutschland unverändert"

Ordnungsdezernent Stephan Keller hat von den Festnahmen auch erst aus den Medien erfahren. Es sei noch zu früh, über mögliche Folgen etwa für das Sicherheitskonzept für das Public Viewing in der Altstadt nachzudenken. "Zunächst einmal muss man sagen, dass die Festnahmen die Sicherheit erhöhen", sagt Keller. Man stehe aber in engem Austausch mit der Polizei, um auf neue Erkenntnisse zu reagieren.

Auch das Bundesinnenministerium reagierte: "Die Gefährdungslage in Deutschland ist unverändert. Deutschland befindet sich ebenso wie andere europäische Staaten im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Wir müssen weiterhin von einer hohen Gefährdung durch den internationalen Terrorismus ausgehen", ließ ein Sprecher ausrichten.

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