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Düsseldorf
Ja-Wort in der Wendeschleife

Düsseldorf: Ja-Wort in der Wendeschleife
Clara Venjakob und Christian Tesic haben sich in der U75 kennengelernt. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. In einem Zug der Linie U75 haben sich zwei Düsseldorfer kennengelernt und später sogar verlobt. Nun ließ sich das Paar auch in der Bahn trauen – eine Premiere für die Rheinbahn. Von Julia Brabeck

Mit einer festlich geschmückten Oldtimer-Bahn aus dem Jahr 1926 sind gestern Clara Venjakob und Christian Tesic in den Hafen der Ehe gefahren. Das Brautpaar ließ sich von dem alten Gefährt zusammen mit der gesamten Hochzeitsgesellschaft am Nikolaus-Knopp-Platz in Heerdt abholen und bis zur Haltestelle "Neuss-Stadthalle" transportieren, an der ein Standesbeamte zustieg, um die erste Trauung an Bord einer Rheinbahn zu vollziehen.

Die Geschichte, wie es zu dieser ungewöhnlichen Eheschließung kam, hört sich an wie aus einem wunderbar kitschigen Groschenroman: Eigentlich ist es nur einem großen Zufall zu verdanken, dass sich die beiden Düsseldorfer überhaupt vor acht Jahren in einer Straßenbahn über den Weg gelaufen sind, denn normalerweise sind sie nur im Auto unterwegs. Aber an Altweiber 2007 wollte Clara ordentlich feiern und hatte deshalb ihren Wagen daheim stehen gelassen. "Eigentlich wollte ich gegen Mitternacht mit dem Taxi nach Hause fahren, aber ich konnte kein freies finden und war darüber eigentlich verärgert, als ich an der Heinrich-Heine-Allee in die U75 stieg", sagt die 36-Jährige. Dort wählte sie den Platz gegenüber eines Mannes, der sich auf den "ersten Bissen" in sie verlieben sollte. "Ich biss nämlich gerade herzhaft in einen Hamburger und blickte dabei Carla direkt in die Augen, und da hat es sofort gefunkt", sagt Tesic. Nur bis zur Oberkasseler Brücke dauerte es, bis Christian Clara, die damals als Drill-Sergeant verkleidet war, seine Portion Pommes anbot, die die hungrige Clara dankbar annahm. An der Haltestelle "Nikolaus-Knopp-Platz" stieg man dann gemeinsam aus, kehrte in eine Eckkneipe ein und verquatschte sich dort bis in die frühen Morgenstunden. Und seitdem sind die Beiden ein glückliches Paar und inzwischen auch Eltern.

"Dass sie nun endlich heiraten, wurde auch Zeit, schließlich wird ihr Sohn Aleksander bald drei Jahre alt", sagt Brautmutter Karin Venjakob. Die Idee, die Hochzeit in einer Straßenbahn abzuhalten, findet sie originell und gut, denn schließlich hat dort die Liebesgeschichte noch eine Fortsetzung erhalten: Vor drei Jahren hat Christian nämlich seine Freundin unter einem Vorwand in die U75 gelockt. "Es war ein sonniger Sonntagnachmittag, und ich habe einen Spaziergang am Rhein vorgeschlagen", sagt Christian. In der Bahn fiel er dann vor seiner geliebten Clara auf die Knie und hat mit den Worten "Magst du noch einmal eine Pommes" um ihre Hand angehalten. Dabei zauberte er eine Schale Fritten hervor, in der der Verlobungsring steckte. "Zwei ältere Damen hat das damals zu Tränen gerührt", erinnert sich Clara und lacht dabei.

Die – nach dieser Vorgeschichte nachvollziehbare Idee – Trauung in der Bahn zu gestalten, wollte die Rheinbahn sofort unterstützen, zumal es sich dabei um eine Premiere handelt. Zwar werden immer wieder Oldtimer-Bahnen für Fahrten zum Standesamt gebucht, aber die offizielle Zeremonie wurde darin noch nie vollzogen. Die Umsetzung der Idee, dafür einen Standesbeamten zu finden, erwies sich dagegen schwieriger als erwartet und war in Düsseldorf gar nicht erst möglich. Deshalb fuhr gestern die Hochzeitsgesellschaft bestens gelaunt und unter dem neugierigen Blick vieler Passanten in der Oldtimerbahn nach Neuss, denn das dortige Standesamt spielte mit und schickte einen Standesbeamten zur Straßenbahn, die für die Zeremonie Halt in der Wendeschleife vor der Stadthalle machte.

Mit der Aufschrift "Just Married" in der Fahrzielanzeige fuhr der innen und außen mit Luftballons und Schleifen geschmückte Oldtimer die Hochzeitsgäste anschließend noch zu einem Restaurant. "In unsere Flitterwochen, die wir in einem Wellness-Hotel verbringen, fahren wir aber mit dem Auto", sagt der Bräutigam.

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