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Düsseldorf
Jamie Gerits bringt den Bambus ins Rollen

Düsseldorf. Der 31-Jährige will mit seinem Vater das Bambusrad in Düsseldorf bekannt machen. Die Idee dazu stammt aus den USA. Von Oliver Burwig

Leichter als Stahl, flexibler als Carbon und ein absoluter Hingucker - wäre da nicht der Preis. Doch Maschinenbau-Student Jamie Gerits glaubt an seine Idee, handwerklich gefertigte Bambusräder auch in Düsseldorf auf die Straße zu bringen. Der 31-Jährige lernte die besonderen Fahrräder während eines Praktikums in der kalifornischen Werkstatt von Craig Calfee kennen, der in den 80er Jahren die Carbonrahmen im Profibereich bekannt machte. Heute ist Carbon in Wettkämpfen wie der Tour de France und unter Rennrad-Cracks fast schon Standard, Bambus jedoch auf kaum einer deutschen Straße zu finden.

"Früher war Radfahren für mich nur ein Mittel zum Zweck", sagt Gerits. Seit er im kalifornischen La Selva Beach zum ersten Mal auf einem Bambusrad saß, das an seine Körpergröße angepasst war, ist das anders. Gemeinsam mit seinem Vater, der ihn während seines Praktikums besuchte, entwickelte er die Idee, die aufwendig hergestellten Rahmen nach Deutschland zu bringen. Diese fertigen die Mitarbeiter der "Calfee"-Werkstatt von Hand, denn Bambus lässt sich weder schweißen noch in Formen pressen. Geharzte Faserbündel halten die Bambusrohre zusammen, nur Tretlager und bewegliche Teile des Fahrrads sind aus Metall. Das Ergebnis ist ein Rad, das keine Federung braucht, fast so leicht wie die Konkurrenz aus Leichtmetall ist und aus einem Rohstoff besteht, an dem keine Knappheit besteht. Bisher gibt es - neben Gerits eigenem Untersatz und der Internetseite www.2radtraum.de nur eines der Räder im "Ricci Sports" (Grunerstraße 35) zu sehen, weitere Geschäfte haben bereits zugesagt.

Da die Rahmen aus den USA stammen, schlagen sich im Kaufpreis um die 5000 Euro auch die dortigen Lohnkosten nieder. "Ich bin der Meinung, dass Menschen, die hart und körperlich arbeiten, auch entsprechend bezahlt werden müssen" - so erklärt Gerits den Preisunterschied zu fernöstlichen Fabrikaten. Dennoch habe er die Erfahrung gemacht, dass nur wenige Leute bereit sind, diesen Preis zu bezahlen. Gerits hofft auf ein Umdenken: "Ich sehe so viele Leute auf falschen Fahrrädern, die an ihre Körperproportionen nicht angepasst sind." Das sei in etwa so, als trüge man Schuhe, die zwei Größen zu klein sind. "Es macht viel mehr Spaß, ein passendes Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Man müsste einfach nur weniger Geld ins Auto und mehr ins Fahrrad stecken." Allerdings müssten für das Fahrgefühl, das Gerits sich für die Düsseldorfer wünscht, auch die passende Infrastruktur bestehen. "Das geht hier natürlich nur begrenzt. In den Niederlanden und skandinavischen Ländern haben die Städte schon viel früher vorausgedacht als in Düsseldorf und die Straßen an den Radverkehr angepasst."

Quelle: RP
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