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750.000 Menschen in Düsseldorf
Japan-Tag krankt am eigenen Erfolg

Fotos: Japan-Tag 2016: Sehr bunt und sehr, sehr voll
Fotos: Japan-Tag 2016: Sehr bunt und sehr, sehr voll FOTO: dpa, mg nic
Düsseldorf. Das Fest ist beliebt wie noch nie - und das schafft Schwierigkeiten. Besucher beklagen Enge, zu volle Züge und lange Schlangen. Eine Frau kritisiert in einem viel beachteten Brief zudem, dass die Manga-Szene zu dominant geworden sei. Von Arne Lieb

Der Japan-Tag zog am Samstag Hunderttausende Menschen ans Rheinufer - aber nicht alle waren zufrieden. Viele Nutzer beklagen in sozialen Medien, dass die Veranstaltung durch den großen Andrang an ihre Grenzen gerät und an Charme zu verlieren droht. Eine Besucherin löste mit einem offenen Brief eine Debatte aus. Sie beklagt Mängel in der Organisation und eine zu starke Dominanz der Manga-Fans, durch die andere, traditionelle Aspekte der japanischen Kultur kaum noch wahrgenommen würden.

Nach Schätzungen der Organisatoren besuchten erneut 750.000 Menschen die Veranstaltung. Genauere Zahlen gibt es nicht, aber fest steht: Es war enorm voll - mit spürbaren Auswirkungen. Etliche Besucher beklagten überfüllte Züge auf der Hin- und Rückfahrt, am frühen Nachmittag war der Strom von Fußgängern vom Hauptbahnhof so stark, dass viele bereits auf der Steinstraße - also ein ganzes Stück entfernt - über die Fahrbahn liefen. Am Rheinufer schoben sich ohnehin die Massen, vor den Ständen bildeten sich lange Schlangen.

So schön war das Feuerwerk zum Japan-Tag 2016 FOTO: dpa, mg vfd

Aus Sicht einer Besucherin, die unter dem Pseudonym "Rose" für ein Magazin zu japanischer Kultur schreibt, bringt der Andrang die Veranstaltung an ihre Grenzen. "Sicherheit liegt mir als Mutter und Schwangere sehr am Herzen - und ganz ehrlich, von Sicherheit war nicht viel zu spüren", schreibt die Frau in einem offenen Brief an die Veranstalter, der in den sozialen Netzwerken viel Zuspruch bekam. Sie bemängelt, dass zu wenig Helfer im Einsatz seien. Zudem würden Glassplitter und zu viel Alkohol zu einer Gefahr - "Rose" fordert ein Glasverbot wie am Karneval. Darüber hinaus sieht sie ein sehr eigenes Problem des Japan-Tags: Die Cosplayer, also die verkleideten Manga-Fans, brächten teilweise überdimensionale Waffen mit. Die seien zwar nur Teil eines Kostüms, könnten aber andere Besucher im Gedränge verletzen.

"Rose", die nach eigenen Angaben das Fest seit zehn Jahren besucht und mit einem Japaner verheiratet ist, hat noch einen Kritikpunkt: Die Cosplayer sind ihrer Ansicht nach zu dominant geworden. Sie habe zwar nichts gegen diese Szene, aber sie überstrahle andere Teile der japanischen Kultur von Kaligrafie bis zu Kimonos. "Der Wunsch nach mehr Traditionellem ist groß", meint sie.

Fotos: So feiert Düsseldorf den Japan-Tag 2016 auf Instagram

Man werde diese "konstruktive Kritik" gern aufgreifen, sagt Roman von der Wiesche, Sprecher der Düsseldorf Marketing und Tourismus /(DMT). Die städtische Gesellschaft organisiert das Fest im Auftrag des Wirtschaftsministeriums, der Stadt und diverser japanischer Verbände. Man arbeite ständig an Verbesserungen, wie in diesem Jahr der größeren Ausstellungsfläche in Richtung Tonhalle, so von der Wiesche, "Nach dem Japan-Tag ist vor dem Japan-Tag." Eine Bilanz für das Fest 2016 werde man aber erst bei einem noch anstehenden Treffen aller Beteiligten ziehen. Die Kritik an zu wenig Sicherheitspersonal weist der DMT-Sprecher zurück. "Das gesamte Areal wird zu jedem Zeitpunkt genau beobachtet, um rasch eingreifen zu können." Dies gelte insbesondere für die Holzbrücke am Alten Hafen, die als Engpass gilt. Das Sicherheitskonzept sei mit allen Ordnungs- und Sicherheitsbehörden abgestimmt und habe dazu beigetragen, dass der Japantag 2016 ein "voller Erfolg" gewesen sei.

Der Japantag zog am Samstag wieder Hunderttauschende Besucher an. Manche äußerten danach Kritik. FOTO: Andreas Endermann
Quelle: RP
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